Gold legte 2025 zwar stärker zu als die meisten Rohstoffe, blieb innerhalb der Edelmetalle aber hinter Silber und Platin zurück. Während Gold im Jahresverlauf insgesamt deutlich zulegte, stiegen Silber und Platin nach Angaben aus einem aktuellen Marktbericht von BMI (Fitch Solutions) um 143% bzw. 137%. Damit rückte neben Gold vor allem Silber in den Mittelpunkt – getragen von einer Mischung aus industrieller Nachfrage und Investoreninteresse.
Im Jahresverlauf 2025 schob eine starke Industrie- und Retail-Nachfrage den Silberpreis nach oben und brachte Notierungen zeitweise in Richtung 80 US-Dollar je Unze – ein Bereich, der damit erstmals erreicht wurde – mittlerweile notiert Silber sogar bereits bei knapp 90 USD je Unze. Laut BMI haben zudem Zuflüsse in Silber-ETFs deutlich angezogen. Parallel dazu habe die Nachfrage aus Anwendungen wie Solarmodulen und Elektrofahrzeugen den physischen Markt „in einem bislang nicht gekannten Ausmaß“ verengt. Vor diesem Hintergrund rechnet BMI damit, dass das globale Silberdefizit 2026 nicht verschwindet, sondern sich fortsetzt – vor allem, weil mit höherer Investmentnachfrage gerechnet wird.
Silber: Zinsumfeld und relativer Wert gegenüber Gold als Treiber
BMI argumentiert, dass Silber und Platin als nicht verzinsliche Anlagen von Zinssenkungen profitiert haben. Gleichzeitig habe der hohe Goldpreis einen indirekten Effekt ausgelöst: In Portfolios, in Schmuckanwendungen und in verschiedenen industriellen Einsatzbereichen wirkten Silber und Platin im Verhältnis zu Gold „günstiger“. Für Silber kommt hinzu, dass sich die Nachfrage nicht auf einen einzigen Bereich beschränkt, sondern sowohl von Investoren als auch aus der Industrie gespeist wird – eine Kombination, die den Markt empfindlicher machen kann, wenn sich Ströme oder Lagerbestände verschieben.
Trotz der grundsätzlich positiven Nachfrageperspektive betonen die Analysten die ausgeprägte Volatilität. BMI verweist darauf, dass Positionierungen nicht-kommerzieller Spekulanten die Preisbewegungen stark prägen können. Anders als bei Gold spiele zudem die Nachfrage von Zentralbanken – ein wesentlicher Faktor für den Goldpreis – bei Silber keine nennenswerte Rolle. Für die Preisbildung bedeutet das laut Bericht: Silber reagiert besonders stark auf kurzfristige Marktmechanik, während ein stabilisierender Nachfrageblock wie bei Gold fehlt.
Silberbestände unter Druck: Exportbremse aus China und begrenzte Impulse aus Mexiko
Zusätzlichen Druck sieht BMI auf der Angebots- und Logistikseite. Seit dem 1. Januar habe Peking den Export von physischem Silber in den Weltmarkt eingeschränkt. Das habe die Bestände in wichtigen Lagerplätzen wie London und Zürich zusätzlich belastet. BMI hebt hervor, dass die Maßnahmen zeitweise auch die Leasingraten für Silber nach oben getrieben hätten – auf über 8% (umgerechnet auf eine einmonatige Laufzeit). Solche Bewegungen gelten als Hinweis darauf, dass Metall im physischen Markt kurzfristig schwerer verfügbar ist und sich Engpässe in Finanzierung und Lieferung stärker bemerkbar machen.
Auch aus Mexiko, dem weltweit größten Silberproduzenten, erwartet BMI für 2026 keine nennenswerten zusätzlichen Mengen. Als Gründe nennt der Bericht sinkende Erzgehalte sowie eine teilweise Betriebseinstellung in der San-Julián-Mine von Fresnillo. Zusammengenommen sprechen diese Punkte aus Sicht der Analysten dafür, dass das Angebot kurzfristig nur begrenzt auf höhere Preise reagieren kann – ein Umfeld, in dem Silber anfällig für starke Ausschläge bleibt, sobald sich Nachfrage und Lagerbewegungen überlagern.
Platin: Kursrallye nach EU-Entscheidung – BMI sieht Fundamentaldaten nicht als Stütze
Deutlich kritischer bewertet BMI die Lage bei Platin. Nach Einschätzung der Analysten ist das aktuell erhöhte Preisniveau bei Platin nicht durch die Fundamentaldaten gerechtfertigt. Platin-Futures notieren inzwischen über 2.000 US-Dollar je Unze an der New York Mercantile Exchange, nachdem die EU den ursprünglich für 2035 geplanten Bann von Neuzulassungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (ICE) verschoben hat. Da solche Fahrzeuge platinintensive Katalysatoren benötigen, wurde die Entscheidung am Markt als preistreibend interpretiert.
BMI beschreibt die unmittelbare Reaktion als außergewöhnlich: Die Ankündigung vom 16. Dezember habe eine 31%ige-Rallye ausgelöst, die den Platinpreis bis zum 26. Dezember auf ein Allzeithoch von 2.471 US-Dollar je Unze trieb. Gleichzeitig verweist der Bericht auf die Kehrseite der starken Bewegung: Am 29. Dezember kam es demnach zu einem fast 15%-Einbruch – der größte Tagesrückgang seit August 2001. Zwar hätten sich die Preise in der Folge binnen einer Woche wieder erholt, dennoch bleibt BMI bei der Einschätzung, dass der Kursanstieg nicht in diesem Ausmaß durch Angebot und Nachfrage gedeckt sei.
Für 2026 erwartet BMI nur einen moderaten Anstieg der industriellen Platinnachfrage. Zudem könnten höhere Recyclingquoten einen Teil der Angebotsseite stabilisieren – selbst wenn die Produktion aus Platinminen in Südafrika zurückgeht. In Summe zeichnet BMI damit ein Bild, in dem Silber aufgrund fortgesetzter Defizite und logistischer Engpässe strukturell eng bleibt, während Platin nach der kräftigen Rallye stärker von der Frage abhängen könnte, ob sich die Fundamentaldaten tatsächlich in Richtung einer nachhaltig höheren Nachfrage bewegen.