Der Lithiumpreis in China ist zu Wochenbeginn deutlich angesprungen, nachdem der Vorstandsvorsitzende von Ganfeng Lithium, des weltweit drittgrößten und Chinas größten Herstellers von Lithiumverbindungen und, gemessen an der Produktion, des weltweit größten Herstellers von Lithiummetallen, einen kräftigen Nachfrageanstieg für 2026 in Aussicht gestellt hat.
Am Terminmarkt legte der meistgehandelte Lithiumcarbonat-Kontrakt zeitweise um rund 9 % zu und erreichte damit das höchste Niveau seit Juni 2024. Auslöser waren Aussagen von Ganfeng-Chairman Li Liangbin, der ein Nachfragewachstum von 30 bis 40 % für das Batteriemetall prognostizierte.
Parallel dazu setzen viele Marktteilnehmer weiter auf einen anhaltenden Aufschwung im Lithiumsektor, der vor allem von der wachsenden Nachfrage aus stationären Energiespeichersystemen und der Batteriewirtschaft getrieben wird. Der jüngste Preissprung reiht sich in eine bereits laufende Rallye ein: Allein im November sind die Lithiumcarbonat-Preise in China um mehr als 17 % gestiegen.
Lithiumpreis in China auf Mehrmonatshoch
Im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung steht der Lithiumcarbonat-Futures-Kontrakt an der Guangzhou Futures Exchange. Er stieg auf etwa 95.200 Yuan pro Tonne, was rund 13.400 US-Dollar entspricht, und näherte sich damit der Obergrenze der zulässigen Tagesbewegung. Damit lag der Lithiumpreis so hoch wie seit Mitte 2024 nicht mehr.
Die Dynamik wurde durch einen Bericht des chinesischen Finanzportals Cailian ausgelöst, das Aussagen von Ganfeng-Chef Li Liangbin von einer Branchenkonferenz aufgriff. Li stellte dort in Aussicht, dass die Nachfrage nach Lithium für Batterien im Jahr 2026 um 30 % oder sogar 40 % wachsen könnte. Diese Erwartung bezieht sich sowohl auf den anhaltenden Ausbau der Elektromobilität als auch auf den verstärkten Einsatz von Batteriespeichern im Energiesektor.
Vor diesem Hintergrund skizzierte Li auch Preisszenarien für Lithiumcarbonat. Demnach könnte der Lithiumpreis in China auf über 150.000 Yuan pro Tonne steigen – in einem besonders dynamischen Umfeld sogar in Richtung 200.000 Yuan. Zum Vergleich: Noch im Sommer lagen die Futures deutlich niedriger, nachdem der Markt zuvor eine längere Phase fallender Preise erlebt hatte.
Die Aussagen des Ganfeng-Managers blieben nicht ohne Wirkung auf die Aktienkurse chinesischer Produzenten. Papiere von Ganfeng Lithium legten im Heimatmarkt um rund 7,5 % zu, während Wettbewerber wie Chengxin Lithium und Tianqi Lithium mit Kursgewinnen von etwa 10 % nahezu an ihre täglichen Obergrenzen stießen.
Ganfeng Lithium und die Erwartung eines Nachfragebooms 2026
Als einer der größten Lithium-Produzenten der Welt hat Ganfeng Lithium eine zentrale Rolle in der globalen Lieferkette für Batterierohstoffe. Die Prognose von Li Liangbin wird daher von vielen Marktteilnehmern aufmerksam verfolgt – auch wenn sie ausdrücklich eine Unternehmenssicht und keine offizielle Markteinschätzung darstellt.
Die Erwartung eines Nachfragebooms im Jahr 2026 basiert auf Annahmen zu mehreren Entwicklungen: Zum einen wächst der Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge weiter, auch wenn sich die Dynamik in einigen Märkten zeitweise abschwächt. Zum anderen gewinnt der Bereich stationärer Energiespeicher an Bedeutung. Vor allem Großspeicher im Stromnetz, die Schwankungen aus erneuerbaren Energien abfedern sollen, gelten als zusätzlicher Treiber für Lithium-basierte Batteriesysteme.
Ganfeng selbst ist in verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette aktiv – von der Förderung über die Verarbeitung bis zur Batteriechemie. Ein anziehender Lithiumpreis könnte aus Unternehmenssicht Investitionen in neue Kapazitäten erleichtern, erhöht gleichzeitig aber auch die Kostenbasis für nachgelagerte Branchen wie Zellfertiger und Fahrzeughersteller.
Für Marktteilnehmer bleibt damit die Frage, ob sich die von Ganfeng skizzierte Nachfrageentwicklung in tatsächlichen Bestellungen niederschlagen wird. Die Prognose deutet jedenfalls darauf hin, dass große Produzenten mittelfristig nicht von einem strukturellen Überangebot ausgehen, auch wenn der Markt aktuell noch eine gewisse Angebotsreserve aufweist.
Angebotsrisiken: Verzögerte Mine von CATL stützt Lithiumpreis ebenfalls
Neben der Nachfrageseite spielt auch das Angebot eine wichtige Rolle für die aktuelle Preisbewegung. In China richtet sich der Blick unter anderem auf das Jianxiawo-Lithiumprojekt in der Stadt Yichun in der Provinz Jiangxi. Die Mine, die zum Batteriehersteller CATL gehört und als Flaggschiffprojekt des Konzerns gilt, konnte bisher nicht wie geplant wieder in Betrieb genommen werden.
Die verzögerte Wiedereröffnung verstärkt die Sorge, dass mittelfristig weniger heimisches Erz zur Verfügung steht als zuvor erwartet. Nach früheren Berichten greift CATL derzeit verstärkt auf externe Lieferquellen zurück, um Lithiumerz zu beziehen und daraus Lithiumcarbonat zu produzieren, solange Jianxiawo weiterhin stillsteht. Dieser zusätzliche Einkaufsbedarf am Markt wirkt preistreibend und unterstützt die jüngste Rallye beim Lithiumpreis.
Gleichzeitig ist der aktuelle Preisstand noch weit entfernt von den Höchstständen des Jahres 2022, als Lithiumcarbonat in China zeitweise bei etwa 600.000 Yuan pro Tonne gehandelt wurde. Damals hatten die Erwartungen an einen sehr schnellen Ausbau der Elektromobilität und Engpässe auf der Angebotsseite zu einer massiven Preisblase geführt, auf die eine längere Korrektur folgte.
Vor diesem Hintergrund interpretieren Marktteilnehmer den jüngsten Anstieg eher als Rückkehr zu einem höheren, aber weniger extremen Preisniveau. Ob sich daraus ein dauerhaftes Preisband oder lediglich eine Zwischenrallye entwickelt, hängt vor allem davon ab, wie schnell neue Förderkapazitäten in Betrieb gehen und wie sich die tatsächliche Nachfrageentwicklung in den Jahren 2025 und 2026 gestaltet.
Bedeutung für den globalen Lithiummarkt
Die jüngsten Entwicklungen in China sind für den weltweiten Lithium-Markt von zentraler Bedeutung, da das Land sowohl auf der Verarbeitungsseite als auch bei der Batterieproduktion eine dominierende Rolle einnimmt. Preisbewegungen an chinesischen Börsen wirken oft als Signal für andere Regionen und fließen in die Kalkulation von Produzenten, Zellherstellern und Fahrzeugbauern ein.
Steigende Preise können einerseits dazu beitragen, neue Projekte wirtschaftlich darstellbar zu machen und die Erschließung zusätzlicher Lagerstätten anzustoßen. Andererseits erhöhen sie die Kosten entlang der Batterie-Wertschöpfungskette und können Druck auf Margen oder Endpreise für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher ausüben.