Minenaktien sind zurück: Profis kaufen wieder Rohstoffwerte

Erzschlepper wie sie zB im Gold Sektor zum Einsatz kommen in einer Reihe vor blauem Himmel bei Goldinvest.de Minenaktien

Minenaktien stehen bei vielen professionellen Anlegern plötzlich wieder weit oben auf der Einkaufsliste. Hintergrund ist eine Kombination aus kräftig steigenden Metallpreisen, angespannten Angebotslagen bei wichtigen Rohstoffen und dem Eindruck, dass die Branche von mehreren strukturellen Trends gleichzeitig profitieren könnte. Hier sei eine deutliche Trendwende, wenn nicht gar Zeitenwende zu beobachten– weg von einer lange Zeit gemiedenen Branche hin zu einem Sektor, der in Portfolios wieder als strategisch relevant wahrgenommen wird, heißt es in einem aktuellen Bericht.

Seit Jahresbeginn 2025 habe der MSCI Metals and Mining Index demnach um nahezu 90% zugelegt und damit andere populäre Segmente wie Halbleiter, globale Banken und große US-Technologiewerte deutlich hinter sich gelassen. Der Lauf habe sich zu Beginn des Jahres 2026 fortgesetzt, während Themen wie Robotik, Elektromobilität und KI-Rechenzentren die Nachfrage nach Industriemetallen anheizen und Preise in mehreren Märkten auf neue Niveaus treiben.

Kupfer als Leitmetall – aber auch Silber, Nickel und Platin im Fokus

Als besonders prägend hebt der Bericht Kupfer hervor. Das Metall gilt als zentral für die Energiewende und habe im gleichen Zeitraum um 50% zugelegt. Zugleich wird betont, dass die Aufmerksamkeit nicht bei Kupfer endet: Auch Aluminium, Silber, Nickel und Platin würden von Analysten zunehmend positiv gesehen. Gold wiederum bleibt laut Bericht ein Sonderfall innerhalb des Rohstoffkomplexes: Trotz aufeinanderfolgender Rekordstände werde das Edelmetall weiterhin von Sorgen über US-Geld- und Fiskalpolitik sowie von geopolitischen Risiken gestützt.

Diese breite Bewegung über mehrere Rohstoffe hinweg ist ein wichtiger Punkt: Sie deutet – zumindest aus Sicht der im Bericht zitierten Marktbeobachter – darauf hin, dass die aktuelle Stärke nicht ausschließlich von einem einzelnen Markt getragen wird. Damit steigt aus Anlegersicht die Attraktivität des Sektors, da unterschiedliche Ertragsquellen innerhalb der Branche möglich werden.

Von „unbeliebt“ zu „strategisch“: Warum sich die Wahrnehmung dreht

Bemerkenswert ist die Vorgeschichte: In den vergangenen Jahren war der Sektor vielfach aus der Mode gekommen – belastet durch volatile Rohstoffpreise und durch Sorgen um eine konjunkturelle Abkühlung in China, dem wichtigsten Metallkonsumenten. Laut Bericht verändert sich nun jedoch die Stimmung, unter anderem weil Fondsmanager die Signale aus Peking – Unterstützung der Wirtschaft, inklusive Zinssenkungen – als stabilisierenden Faktor interpretieren.

Zudem verweisen Beobachter darauf, dass Rohstoffe wie Kupfer oder Aluminium weniger stark mit klassischen Konjunkturzyklen korrelieren könnten als früher. Waren diese Märkte lange als kurzfristige „Konjunkturwetten“ angesehen, würden sie sich schrittweise zu strukturell begründeten Investments entwickeln. In diesem Zusammenhang fällt auch ein zweiter Treiber: Die sogenannte „Transition“-Logik, bei der Investoren über Metalle und Minenaktien gezielt Teilhabe an großen Themen wie KI, Elektrifizierung und Infrastrukturaufbau suchen.

Eine Folge dieser Sichtweise ist laut Bericht ein verändertes Handeln am Markt: Rücksetzer würden häufiger gekauft – nach dem Motto „buy the dip“ –, weil Anleger die Branche nicht mehr nur taktisch, sondern als längerfristig relevantes Portfolioelement betrachten.

Positionierung und Bewertung: Mehr Gewichtung, aber noch kein Überhitzen?

Wie stark die Umschichtung bereits ist, zeigt eine Zahl aus der monatlichen Umfrage der Bank of America: Europäische Fondsmanager seien aktuell mit netto 26% „übergewichtet“ im Sektor Rohstoff-/Minenwerte. Das sei der höchste Stand seit vier Jahren, liege aber weiterhin unter dem Niveau von 38% netto Übergewichtung, das 2008 erreicht wurde. Der Bericht interpretiert das als Hinweis, dass der Trend zwar deutlich ist, aber aus dieser Messgröße heraus noch nicht zwingend den Charakter eines Extremzustands hat.

Parallel dazu wird die Bewertung als Argument genannt: Der Stoxx 600 Basic Resources Index handle laut Bericht bei einem Forward Price-to-Book von etwa 0,47 relativ zur MSCI-World-Benchmark. Das entspreche einem Abschlag von rund 20% gegenüber dem langfristigen Verhältnis von 0,59 und liege deutlich unter früheren Zyklusspitzen von über 0,7. Morgan Stanley wird mit der Einschätzung zitiert, dass diese Bewertungsdifferenz trotz gestiegener strategischer Bedeutung natürlicher Ressourcen fortbestehe.

M&A statt Neubau: „Buy over build“ und der Kupfer-Fokus

Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts ist die zunehmende Bedeutung von Übernahmen. Unternehmen bevorzugten demnach häufiger „buy over build“ – also den Zukauf von Projekten oder Produzenten statt langwieriger, kapitalintensiver Neuentwicklungen. Genannt werden laufende oder diskutierte Transaktionen, darunter Anglo Americans Übernahme von Teck Resources sowie Überlegungen zu einer möglichen Fusion zwischen Rio Tinto und Glencore.

Im Zentrum dieser Konsolidierung steht aus Sicht der zitierten Analysten vor allem Kupfer: Viele große Minenkonzerne erzielen weiterhin den Großteil ihrer Gewinne mit Eisenerz, das laut Bericht unter den Nachwirkungen des Endes des letzten China-getriebenen Superzyklus leidet. Das motiviere die Suche nach Wachstum und Portfolio-Optimierung in anderen Rohstoffen – insbesondere in Kupfer, das im aktuellen Umfeld eine besondere strategische Rolle einnimmt. Als Beispiele für Unternehmen mit stärkerer „reiner“ Kupfer-Exponierung werden Freeport-McMoRan und Antofagasta genannt.

Gegenstimmen: Rallye-Geschwindigkeit als Risikofaktor

Trotz der positiven Rahmenerzählung bleiben warnende Töne präsent. Die Bank of America habe den Sektor in Europa auf „untergewichtet“ herabgestuft und dabei das Risiko negativer Konjunkturüberraschungen angeführt. Ein weiterer Manager wird mit der Aussage zitiert, er habe seine Gold-Positionierung vorerst reduziert, weil ihn parabolische, nichtlineare Kursbewegungen grundsätzlich vorsichtig stimmen würden. Gleichzeitig wird betont, dass Minenwerte aus dieser Perspektive dennoch „günstig“ wirken könnten – und dass bei einem Rücksetzer und anhaltend hohen Goldpreisen eine erneute Aufstockung denkbar sei.

Unterm Strich zeichnet sich das Bild eines Sektors ab, der durch starke Performance, strukturelle Nachfragethemen, M&A-Dynamik und vergleichsweise niedrige Bewertungen wieder mehr Kapital anzieht – allerdings begleitet von der Frage, wie robust der Rückenwind bleibt, wenn sich Konjunktur- oder Markterwartungen kurzfristig drehen.

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