Stand: 05.02.2026 von Florian Grummes
Während die Edelmetallpreise bis Mitte letzter Woche in euphorischer Stimmung stark zulegten, setzte ab Donnerstag überraschend eine heftige Korrektur ein. Gold stürzte von 5.602 auf 4.402 US-Dollar ab, Silber brach sogar um 41 % von 121,47 auf 71,35 US-Dollar ein. Platin verlor über knapp eine Woche rund 35,5 % und fiel von 2.882 auf 1.858 US-Dollar.
Korrekturphase ohne strukturelle Trendänderung
Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Wochen war eine derart scharfe Korrektur und Sentiment-Bereinigung (= eiskalte Dusche) längst überfällig.
Selbst in einem ausgeprägten Bullenmarkt verlaufen die Notierungen nie ausschließlich nur geradlinig nach oben. In diesem Fall trafen eine völlig überzogene Euphorie sowie eine stark überkaufte Marktlage auf Gewinnmitnahmen, erhöhte Margin-Anforderungen seitens der COMEX und der Shanghai Gold Exchange, das Auslaufen des Januar-Kontrakts als auch offenkundige Eingriffe durch große Akteure der Wall Street.
Jeder große Gold-Bullenmarkt erlebte im Verlauf seiner Entwicklung derart schmerzhafte Zwischenkorrekturen, die sich jedes Mal wie das Ende anfühlten.
Die Korrektur von 1974 – mit einem Rückgang von 47 % – ist ein eindrucksvolles Beispiel: Fast die Hälfte des Wertes wurde damals ausgelöscht. Gold wurde für tot erklärt. Doch in den darauffolgenden sechs Jahren stieg der Preis ausgehend von rund 100 US-Dollar um unglaubliche 790 % bis auf 890 US-Dollar im Januar 1980.Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Rücksetzer von rund 21 % eher moderat und würde in den 1970er‑Jahren nicht einmal zu den fünf größten Korrekturen zählen.
Entscheidend ist jedoch, dass sich an den fundamentalen Treibern dieses säkularen Bullenmarkts nichts geändert hat. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Rahmenbedingungen werden auch künftig nahezu alle Regierungen und Zentralbanken weltweit dazu zwingen, ihre Fiat-Geldmengen weiter auszuweiten bzw. zu entwerten. Die weltweite Verschuldung wird weiter ungebremst zunehmen. Dementsprechend werden vor allem asiatische Notenbanken ihre Goldbestände weiter aufstocken, ebenso wie die Tether Holding.
Nach dem starken Einbruch konnten sich die Gold- und Silberkurse seit Montagmorgen zunächst spürbar von ihren Tiefstständen erholen, ehe die Bären am gestrigen Handelstag erneut in die Offensive gingen. Während der Silberpreis mit 73,50 US‑Dollar fast bis auf das Montagstief zurückfiel, zeigt sich der Goldpreis allerdings bislang deutlich widerstandsfähiger und notiert mit aktuell rund 4.865 US-Dollar immer noch halbwegs in Sichtweite der psychologischen Marke von 5.000 US-Dollar.
Gold – Wilde Achterbahnfahrt um die Marke von 5.000 US-Dollar

Vom letzten signifikanten Tief bei 3.886 US-Dollar am 28. Oktober 2025 aus konnte der Goldpreis in knapp drei Monaten spektakulär um 44 % auf ein neues Allzeithoch von 5.594 US-Dollar klettern.
Der starke Kursrutsch bis 4.400 US-Dollar seit dem letzten Donnerstag ermöglichte den Bären eine vorläufige Rückeroberung von 70 % des zuvor verlorenen Terrains. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist aber ungefährdet intakt und würde erst unterhalb von 3.900 US-Dollar zu wackeln beginnen.
Wie vor zwei Wochen bereits angedeutet, hat der Rücksetzer am Goldmarkt zwei der drei offenen Kurslücken mittlerweile geschlossen. Bei 4.350 US-Dollar lauert noch eine weitere Lücke, die bei anhaltender Schwäche in den kommenden Wochen durchaus noch geschlossen werden könnte.
Die Tages-Stochastik ist aber bereits bereinigt und hat oberhalb der überverkauften Zone wieder nach oben gedreht, während die 50-Tage-Linie (aktuell 4.531 US-Dollar) dem ersten Stresstest standgehalten hat.
Wir rechnen daher zunächst mit einer wilden Konsolidierung (Achterbahnfahrt) um die psychologische 5.000-US-Dollar-Marke, um die starken Kursanstiege der letzten Wochen sowie den scharfen Rücksetzer zu verdauen. Angesichts des Massakers am Silbermarkt könnte so eine Konsolidierung jedoch einige Wochen und auch Monate in Anspruch nehmen.
Fazit: Gold – Gesunde Korrektur innerhalb des Bullenmarktes
Die heftige Korrektur bei den Edelmetallpreisen war nach der Euphorie der letzten Wochen überfällig und dient einer notwendigen Sentiment-Bereinigung.
Historisch gesehen ist der Rückgang beim Goldpreis bislang moderat. Den Silbermarkt hingegen hat es deutlich stärker erwischt. Dementsprechend hat der Trend bei Gold/Silber-Ratio gedreht und Gold sollte vorerst Silber outperformen.
Gleichzeitig kann sich der Goldpreis halbwegs gut behaupten. Solange der Sicht-Kontakt zur 5.000 US-Dollar Marke nicht verloren geht, spricht alles für eine volatile Seitwärtskonsolidierung um diese runde Marke in den kommenden Wochen. Selbst ein Schließen der offenen Kurslücke um 4.350 US-Dollar wäre kein Beinbruch.Erst unterhalb von 3.900 US-Dollar wäre Gefahr im Verzug.
Zusammengefasst bedeutet dieser brutale Rücksetzer nicht das Ende. Vielmehr wurde vermutlich einfach eine gesunde und notwendige Pause im größten Goldzyklus seit Jahrzehnten eingeläutet. Bleiben Sie investiert und nutzen sie die Kauf-Chancen an schwachen Tagen.
Stand: 05.02.2026
geschrieben von:
Florian Grummes
Technischer Analyst, Edelmetallexperte