China hat zum 1. Januar 2026 ein neues Exportsystem für Silber eingeführt. Es stellt wesentlich mehr dar, als lediglich eine neue handelstechnische Vorschrift, denn seine Wirkung ist die einer strategischen Waffe, die im laufenden Handelskrieg mit dem Westen mit vernichtender Wirkung eingesetzt werden kann. Es ist deshalb angebracht, davon zu sprechen, dass der Silbermarkt nach dem 1. Januar 2026 ein ganz anderer ist, als er es vorher war.
Der Ausgangspunkt für die neue Verordnung ist, dass das Silber in China, ähnlich wie in den USA und Europa, inzwischen nicht mehr nur als ein gewöhnlicher Rohstoff, sondern als ein strategisches Metall eingestuft wird. Die offenen Quoten, die es bis zum 31. Dezember 2025 für in China raffiniertes Silber gab, sind daher Geschichte.
Durften bis zum Ende des letzten Jahres auch kleinere Anbieter aus dem Reich der Mitte die von ihnen hergestellten Silberhalbfabrikate ohne Genehmigung ins Ausland exportieren, ist nun eine Ausfuhrgenehmigung des Handelsministeriums in Beijing erforderlich. Diese dürfen aber nur jene Anbieter beantragen, die pro Jahr mehr als 80 Tonnen raffiniertes Silber herstellen.
Groß und staatsnah statt klein und flexibel
Der Kreis der infrage kommenden chinesischen Unternehmen reduziert sich durch diese Einschränkung erheblich, denn kleinere und mittlere Raffinerien sind durch die neuen Bestimmungen nun faktisch vom Silberexport ausgeschlossen. Übrig bleiben nur noch die Größten der Großen, also im Wesentlichen die Staatskonzerne, die sich neben ihrer Größe vor allem durch eine besondere Nähe zur Staats- und Parteiführung auszeichnen.
Für die Jahre 2026 und 2027 wurden vom chinesischen Handelsministerium lediglich 44 Unternehmen zum Export zugelassen, was eine drastische Reduktion der Marktteilnehmer bedeutet. Die Konsequenzen dieser Maßnahme sind beachtlich. Experten schätzen, dass die chinesischen Silberexporte ins Ausland in diesem Jahr im Vergleich zu 2025 um etwa 30 bis 50 Prozent zurückgehen werden.
Die offiziellen chinesischen Produktionszahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor, doch geschätzt wird, dass im Reich der Mitte insgesamt etwa 21.000 Tonnen raffiniertes Silber hergestellt wurden. Von diesem Silber wurden rund 4.000 Tonnen ins Ausland exportiert. Westliche Unternehmen sind deshalb von nun an gezwungen, bis zu 2.000 Tonnen Silber aus anderen Quellen zu beschaffen.
Die Schärfe dieses Schwerts wird der Westen schon bald spüren
Begründet wird diese Maßnahme von der Regierung mit der „industriellen Sicherheit“ und der „Ressourcensicherheit“. Die Realität ist allerdings wesentlich komplexer und enthält vor allem eine strategische Komponente, die von beiden Begriffen gezielt verdeckt wird. Fakt ist, dass China erkannt hat, wie wichtig Silber für seine industriellen Ambitionen in den Bereichen Solarindustrie, Batterietechnik, Halbleiter und Militärtechnik ist.
Wie bei den Seltenen Erden hat die chinesische Führung erkannte, dass es für China sehr viel Sinn macht, zunächst den Silbermarkt zu dominieren, den Zugang dann zu beschneiden und schließlich die Preise zu diktieren. Nach den Seltenen Erden, dem Gallium und dem Antimon ist das Silber nun der nächste Markt, in dem diese Strategie mit aller Härte zur Anwendung kommt.
Die Vorteile dieser Strategie liegen auf der Hand. Chinas Industrie erhält einen bevorzugten Zugang zu knappen und wichtigen Rohstoffen und die Regierung in Beijing hält gleichzeitig in den Verhandlungen mit dem Westen einen wichtigen Trumpf in ihrer Hand. Diese neue Verhandlungsmacht wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schon bald in den Verhandlungen mit dem Westen zum Einsatz kommen.