Die US-Regierung macht beim Aufbau einer eigenen Uran-Brennstoffkette einen großen Schritt voran. Das Energieministerium (Department of Energy, DOE) hat Aufträge im Umfang von insgesamt 2,7 Mrd. US-Dollar an drei Unternehmen vergeben, um in den kommenden zehn Jahren die heimische Urananreicherung deutlich auszubauen – mit einem klaren Ziel: die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zu reduzieren und Brennstoff für bestehende wie auch künftige Reaktoren im eigenen Land zu sichern.
Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl herkömmlich niedrig angereichertes Uran (LEU) als auch das strategisch wichtige High-Assay Low-Enriched Uranium (HALEU), das für viele neue Reaktorkonzepte benötigt wird.
Uran im Fokus: Aufbau einer US-Brennstoffkette für heutige und künftige Reaktoren
Uran bleibt ein zentraler Rohstoff für die Energieversorgung – insbesondere vor dem Hintergrund der globalen Renaissance der Kernenergie. Die USA setzen nun klar auf eine strategische Neuausrichtung ihrer Uranversorgung.
Das DOE vergab jeweils rund 900 Mio. US-Dollar an:
- American Centrifuge Operating (Tochter von Centrus Energy)
- General Matter (ein Unternehmen mit Unterstützung von Tech-Investor Peter Thiel)
- Orano Federal Services
American Centrifuge Operating und General Matter sollen vorrangig Kapazitäten für HALEU aufbauen. Dieses auf 5–20 % angereicherte Uran gilt als Schlüsselbrennstoff für viele der geplanten Small Modular Reactors (SMR) und andere fortgeschrittene Reaktortypen. Orano Federal Services soll gleichzeitig die Produktion von klassischem niedrig angereichertem Uran (LEU) in den USA ausbauen, das in bestehenden Reaktoren eingesetzt wird.
Alle Verträge sind an konkrete Meilensteine gebunden: Die Unternehmen müssen innerhalb der nächsten Jahre in der Lage sein, verlässlich Anreicherungsdienste für die zivile Kernkraft bereitzustellen – sowohl für den aktuellen Reaktorpark als auch für kommende Generationen von Anlagen.
HALEU als Schlüsseltechnologie – und sicherheitspolitische Herausforderung
Besonderes Augenmerk gilt HALEU, das derzeit in kommerziell relevanten Mengen praktisch nur von Russland hergestellt wird. Diese Abhängigkeit wird zunehmend als strategisches Risiko gesehen – sowohl energiewirtschaftlich als auch geopolitisch.
Mit dem Ausbau einer eigenen HALEU-Produktion wollen die USA Versorgungssicherheit für neue Reaktorkonzepte schaffen, Projektentwicklern von SMR und Advanced Reactors Planungssicherheit geben und die gesetzlich verankerte Abkehr von russischen Uranlieferungen bis 2028 unterstützen.
Kritik gibt es dennoch: Da HALEU höher angereichert ist als der herkömmliche Reaktorbrennstoff (ca. 5 %), warnen Fachleute vor einem potenziell höheren Proliferationsrisiko, sollte das Material in falsche Hände gelangen. Einige Experten empfehlen daher, die zivile Anreicherung bei 10–12 % zu begrenzen, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Uranmarkt: Konkurrenz um Kapazitäten und Technologie
Neben den drei Hauptauftragnehmern vergab das DOE zusätzlich 28 Mio. US-Dollar an Global Laser Enrichment (GLE) – ein Unternehmen, an dem unter anderem der kanadische Uranproduzent Cameco beteiligt ist. GLE arbeitet an laserbasierter Anreicherungstechnologie, die langfristig eine effizientere Nutzung des Nuklearbrennstoffs ermöglichen könnte.
Bemerkenswert: GLE hatte ursprünglich ebenfalls auf ein Paket im Volumen von rund 900 Mio. US-Dollar gehofft. Das zeigt, wie umkämpft die neue US-Uran-Förder- und Anreicherungslandschaft ist – und wie stark der Wettbewerb um künftige Schlüsseltechnologien im Brennstoffkreislauf geworden ist.
Mit den aktuellen Vergaben unterstützt die US-Regierung einen Mix aus klassischer Zentrifugen-Technologie (z. B. Centrus / American Centrifuge Operating), internationalen Brennstoffakteuren mit US-Fokus (Orano) und innovativen Verfahren wie der Laseranreicherung (GLE).
Für den globalen Uranmarkt bedeutet das mittel- bis langfristig neue Angebotsquellen – allerdings mit einem klar regionalen Schwerpunkt auf die USA und ihre Verbündeten.
Politische Dimension: Weg von Russland, hin zu strategischer Autonomie bei Uran
Die Entscheidung des DOE ist nicht nur ein industriepolitischer Schritt, sondern auch geopolitisch motiviert. Russland ist aktuell der einzige Anbieter, der HALEU in kommerziell relevanten Mengen liefern kann. Gleichzeitig sollen uranbezogene Importe aus Russland bis 2028 schrittweise verboten werden.
Mit den jetzt vergebenen Aufträgen soll also die Abhängigkeit von russischem Brennstoff reduziert, die eigene nukleare Wertschöpfungskette gestärkt und die Planungssicherheit für Betreiber und Entwickler neuer Reaktoren verbessert werden.
Bedeutung für Uran und Nuklearsektor: Nachfrageimpuls und neue Projekte
US-Energieminister Chris Wright betonte in diesem Zusammenhang, die Regierung sei entschlossen, eine „sichere inländische Brennstoffversorgung“ für die Reaktoren von heute und morgen aufzubauen. Damit passt sich die Uranpolitik in die breitere Strategie ein, kritische Rohstoffe – von Uran über Seltene Erden bis zu Batteriemetallen – verstärkt im eigenen oder befreundeten Rechtsraum zu sichern.
Für den Uran-Sektor ist der Schritt der US-Regierung ein deutliches Signal. Die Nachfrage nach angereichertem Uran dürfte durch den geplanten Zubau an Reaktoren und die geplante SMR-Generation strukturell steigen. Langfristige, staatlich abgesicherte Brennstoffverträge können neue Investitionen in Abbau, Konversion und Anreicherung anstoßen. Unternehmen mit Projekten in politisch stabilen Jurisdiktionen – insbesondere Nordamerika und verbündete Staaten – könnten mittelfristig stärker in den Fokus von Energieversorgern und Politik rücken.