Silber weiter auf Rekordkurs: Analysten rechnen jetzt mit 150 USD je Unze

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Silber startet mit außergewöhnlicher Dynamik ins Jahr: Nach fast 50% Plus im Januar und einem Rekord von 117,71 US-Dollar je Unze erwartet Citigroup eine Fortsetzung – warnt den Markt aber zugleich vor Tempo und Volatilität.

Der Silbermarkt erlebt einen Jahresauftakt, der selbst erfahrene Rohstoffhändler überrascht. Citigroup rechnet angesichts dessen damit, dass der Spotpreis für Silber innerhalb der kommenden drei Monate auf 150 US-Dollar je Unze steigen könnte. Damit würde sich eine Rallye fortsetzen, die den Rohstoff allein im Januar um nahezu 50% nach oben getrieben hat.

Nach Einschätzung der Citi-Analysten ist der jüngste Preisschub vor allem Ausdruck anhaltender Kaufdynamik – insbesondere aus China. Höhere Notierungen seien aus Sicht der Bank sogar ein notwendiger Bestandteil des aktuellen Marktmechanismus: Erst ein weiterer Anstieg könne bestehende Besitzer dazu bewegen, Bestände zu verkaufen und damit zusätzliches Angebot in den Markt zu bringen. In einer aktuellen Notiz beschreiben die Analysten Silber als eine Art „Gold zum Quadrat“ – also als ein Metall, das Bewegungen am Goldmarkt verstärkt nachzeichnet.

Am Montag erreichte Silber einen neuen Rekordstand von 117,71 US-Dollar je Unze. Im Tagesverlauf sprang der Preis zeitweise um bis zu 14% – der stärkste Intraday-Anstieg seit der globalen Finanzkrise 2008. Der Trend werde, so Citi, von starker physischer Nachfrage und spekulativem Interesse gestützt – in einem Markt, der im Vergleich zu anderen Rohstoffen als relativ illiquide gilt und daher auf große Orders empfindlich reagieren kann.

Silber im Sog der Nachfrage: China und knapper handelbarer Markt

Für Citigroup steht der derzeitige Aufwärtstrend bei Silber nicht nur für eine kurzfristige Stimmungslage, sondern für eine Phase, in der Käufer bereit sind, immer höhere Preise zu akzeptieren. Die Analysten verweisen dabei explizit auf „starkes Kauf-Momentum“ in China. Gleichzeitig betonen sie, dass ein weiterer Preisanstieg nötig sein könnte, um zusätzliche Verkäufe aus dem Bestand zu stimulieren. Anders formuliert: Solange der Markt nur begrenzt mit Verkaufsbereitschaft reagiert, kann die Preisbildung nur nach oben „ausweichen“.

Diese Dynamik wird in der Citi-Analyse auch über den Vergleich zu Gold greifbar. Silber verhalte sich wie „gold squared“ oder „gold on steroids“, heißt es. Gemeint ist: Bewegungen in Gold werden bei Silber überproportional sichtbar, weil der Markt dünner ist und dadurch stärker ausschlagen kann. Citi erwartet, dass dieses Muster anhalten könnte, bis Silber im historischen Vergleich – insbesondere relativ zu Gold – „teuer“ erscheint.

Ein wichtiges Referenzmaß ist dabei das Verhältnis von Gold- zu Silberpreis. Citi verweist auf ein historisches Extrem aus dem Jahr 2011: Sollte das Gold/Silber-Verhältnis wieder auf 32:1 zurückkehren, würde dies – ausgehend von den genannten Relationen – Silberpreise von bis zu 170 US-Dollar je Unze nahelegen. Die Citi-Prognose von 150 US-Dollar binnen drei Monaten bleibt damit zwar darunter, ordnet sich aber in ein Szenario ein, in dem relative Bewertungsmaßstäbe den Preisrahmen nach oben verschieben könnten.

Gegenwind bleibt: ETF-Abflüsse, Futures-Verkäufe und Lagerbestände

Bemerkenswert ist aus Sicht von Citi, dass die Silberpreise trotz Faktoren gestiegen sind, die man üblicherweise als belastend einordnet. Die Bank nennt Abflüsse aus silberbesicherten ETFs, Verkäufe von Spekulanten an den Futures-Märkten sowie sinkende Bestände in US-Lagern. Letzteres kann dabei eine doppelte Lesart haben: Citi spricht davon, dass rückläufige US-Lagerbestände die Verfügbarkeit anderswo stützen – was darauf hindeutet, dass Metallströme und regionale Lagerhaltung im aktuellen Umfeld eine größere Rolle für die kurzfristige Marktanspannung spielen.

In der Summe ergibt sich ein Bild, in dem Silber nicht nur von neuen Käufen profitiert, sondern auch von einer Marktstruktur, die Preisbewegungen beschleunigen kann. Gerade wenn ein Markt als relativ illiquide beschrieben wird, können Verschiebungen bei Beständen, Zuflüssen und spekulativem Interesse die Ausschläge verstärken – nach oben wie nach unten. Das ist ein Aspekt, der auch die Diskussion über die Haltbarkeit der Rallye prägt.

Warnsignale aus dem Handel: Rallye-Tempo und Volatilität rücken in den Fokus

So eindrucksvoll der Lauf ist, so deutlich werden auch die Mahnungen, dass das Tempo selbst zum Risiko werden kann. Citi räumt ein, dass die außergewöhnliche Geschwindigkeit und Volatilität des Silber-Anstiegs seit Dezember bei Marktteilnehmern Alarmglocken schrillen lässt. Als Beispiel wird Heraeus Precious Metals, zitiert. Heraeus verweist darauf, dass die Historie eher dafür spreche, die Rallye befinde sich „näher an ihrem Ende als an ihrem Anfang“. Zudem sei das Gold/Silber-Verhältnis zwar in der Vergangenheit mehrfach niedriger gewesen als heute, doch so große Verschiebungen in so kurzer Zeit seien selten.

Damit stehen zwei Lesarten nebeneinander: Citigroup sieht kurzfristig weiteres Potenzial, solange Nachfrageimpulse – insbesondere aus China – dominieren und der Markt zusätzliche Preise braucht, um Angebot zu mobilisieren. Gleichzeitig verweist ein Teil der Marktbeobachter darauf, dass gerade die Geschwindigkeit der Silber-Rallye ein Signal sein kann, dass sich die Bewegung in eine späte, anfällige Phase hinein beschleunigt.

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