Platinpreis im Höhenflug: Warum der WPIC nur wenig Entspannung sieht

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Der Platinpreis hat im dritten Quartal ein Niveau erreicht, das zuletzt vor fast 15 Jahren gesehen wurde – und nach Einschätzung des World Platinum Investment Council (WPIC) dürfte der Markt auch in den kommenden Jahren eng bleiben. In seinem aktuellen Quartalsbericht erwartet der Branchenverband zwar eine schrittweise Normalisierung, rechnet aber mindestens bis 2026 mit nur begrenzter Entspannung auf dem Platinmarkt.

Auslöser der jüngsten Bewegung waren demnach außergewöhnliche Marktbedingungen: starke physische Nachfrage, gestörte Lieferketten und eine Verlagerung großer Metallmengen zwischen Handelsplätzen. Gleichzeitig reagiert das Angebot nur langsam auf die höheren Preise, was die strukturelle Knappheit bei Platin weiter verstärkt.

Platin: WPIC erwartet Defizit 2025 und nur kleinen Überschuss 2026

Für das laufende Jahr prognostiziert der World Platinum Investment Council ein Angebotsdefizit von rund 692.000 Unzen Platin. Das ist etwas weniger als die im zweiten Quartal geschätzten 850.000 Unzen, signalisiert aber weiterhin einen klar unterversorgten Markt. Erst 2026 rechnen die Analysten mit einer weitgehenden Ausgeglichenheit – und selbst dann nur mit einem kleinen Überschuss von etwa 20.000 Unzen.

Entscheidend für diese Einschätzung ist der globale Handel. WPIC Research-Direktor Edward Sterck betonte in einem Interview, dass der leichte Überschuss für 2026 davon abhänge, ob sich die weltweiten Handelsbeziehungen stabilisieren. Komme es zu einer Entspannung der Handelskonflikte, könnten demnach rund 150.000 Unzen aus US-Lagern in den physischen Markt in London zurückfließen und dort die angespannte Lage etwas entschärfen.

Die aktuelle Knappheit ist eng mit Verschiebungen in der Lieferkette verknüpft: Aus Sorge vor möglichen Importzöllen haben Banken und Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten erhebliche Mengen Platin in die USA umgeleitet. Obwohl das Metall als Edelmetall derzeit nicht direkt verzollt wird, bleibt das Risiko neuer Abgaben bestehen – zumal Platin auf der US-Liste kritischer Rohstoffe (USGS Critical Minerals List 2025) geführt wird. Ein Großteil der in die USA verlagerten Bestände ist daher dort verblieben, was den außerbörslichen Handel in London in einer Phase steigender Investmentnachfrage zusätzlich unter Druck setzt.

Platin-Markt zwischen Handelskrieg, ETFs und physischer Nachfrage

Neben den Handelsströmen hebt der World Platinum Investment Council die Rolle der Investmentnachfrage hervor. Für 2025 erwartet der Verband einen Anstieg der gesamten Investitionsnachfrage um 6 % auf 742.000 Unzen Platin. Getrieben wird dieser Zuwachs vor allem durch höhere ETF-Bestände: Die gehaltenen Platinmengen in börsengehandelten Produkten sollen um etwa 70.000 Unzen steigen – unterstützt durch den jüngsten Preisausbruch, robuste Fundamentaldaten und den anhaltenden Preisabschlag gegenüber Gold.

Gleichzeitig rechnet der WPIC mit sinkenden Beständen an den Terminbörsen. Auf Basis eines sich verbessernden Sentiments in Bezug auf mögliche Zölle sei bis zum Jahresende mit Nettoabflüssen zu rechnen, sodass die Nettozuflüsse in die Börsenlager für das Gesamtjahr 2025 auf etwa 150.000 Unzen begrenzt bleiben dürften.

Für 2026 erwartet der Verband allerdings eine deutlich andere Konstellation: Unter der Annahme, dass sich die Zoll- und Handelsthematik beruhigt und Bestände wieder in Richtung London abfließen, könnte die Investmentnachfrage um 52 % auf 358.000 Unzen Platin zurückgehen. Vorgesehen ist in diesem Szenario ein Abbau der Börsenlager um rund 150.000 Unzen. Damit würde die Investmentseite eher zu einer Normalisierung beitragen, nachdem sie 2025 noch zu den wesentlichen Treibern des Defizits gehörte.

Platinangebot: Minenproduktion schwach, Recycling legt zu

Auf der Angebotsseite bleibt das Bild laut World Platinum Investment Council geprägt von begrenztem Wachstum. Für 2025 wird ein Rückgang der Minenproduktion um 5 % auf 5,51 Mio. Unzen erwartet. Damit liegt die Förderung rund 10 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt der Zeit vor der COVID-19-Pandemie. Sterck weist darauf hin, dass selbst die deutlich höheren Platinpreise bislang nur begrenzt neue Minenkapazitäten in Bewegung setzen. Neue Projekte benötigen Jahre bis zur Produktion, sodass kurzfristig kaum zusätzliche Mengen zu erwarten sind.

Ein Teil der Angebotslücke wird durch steigende Recyclingmengen geschlossen. Trotz der Unsicherheiten im Welthandel legte die Schrottversorgung 2025 um rund 8 % zu. Für das Gesamtjahr rechnet der WPIC mit einem Anstieg des recycelten Angebots um 7 % beziehungsweise 103.000 Unzen auf insgesamt 1,619 Mio. Unzen Platin. Treiber sind höhere Preise im gesamten PGM-Korb (Platin, Palladium, Rhodium) und eine steigende Rückführung von gebrauchten Autoabgaskatalysatoren sowie höheres Schmuckrecycling, insbesondere in China.

Für 2026 soll das Gesamtangebot – Minenproduktion plus Recycling – um 4 % auf etwa 7,404 Mio. Unzen steigen. Der Zuwachs resultiert vor allem aus weiter anziehendem Recycling; die Minenproduktion bleibt laut WPIC trotz des Preisniveaus relativ träge. Die langsame Angebotsreaktion trägt dazu bei, dass die Marktenge strukturell bestehen bleibt, auch wenn sich kurzfristig Überschüsse ergeben könnten.

Platinnachfrage: Schwäche in Industrie und Auto, Plus bei Schmuck

Auf der Nachfrageseite zeichnet der World Platinum Investment Council ein differenziertes Bild. Die industrielle Nachfrage nach Platin soll 2025 um etwa 22 % auf rund 1,902 Mio. Unzen zurückgehen. Hauptgrund ist ein erwarteter zyklischer Rückgang in der Glasindustrie, die nach Rekordverbrauch im Jahr 2024 nun weniger Platin für Produktionsanlagen benötigt.

Im Automobilsektor – traditionell ein Kernmarkt für Platin in Abgaskatalysatoren – prognostiziert der WPIC einen Rückgang der Nachfrage um 3 % auf etwa 3,020 Mio. Unzen. Verantwortlich ist ein sinkender Absatz von Fahrzeugen mit klassischen Abgassträngen im Pkw- und im Nutzfahrzeugsegment. Gleichwohl liegt die automobilspezifische Platinnachfrage laut Bericht noch immer rund 10 % über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Einen gegenläufigen Trend zeigt der Schmuckbereich: Hier erwartet der WPIC für 2025 ein Plus von 7 % auf 2,157 Mio. Unzen – der höchste Wert seit 2018. Besonders in Asien, allen voran in China, werde wieder mehr Platin-Schmuck nachgefragt, was sowohl auf veränderte Konsumgewohnheiten als auch auf relative Preisvorteile gegenüber anderen Edelmetallen zurückgeführt wird.

In der Gesamtschau kommt der World Platinum Investment Council zu dem Schluss, dass der Platinmarkt zwar in Richtung eines ausgeglicheneren Verhältnisses von Angebot und Nachfrage steuert, die strukturelle Knappheit aber bestehen bleibt. Engpässe im physischen Handel, begrenztes Minenwachstum und nur langsam reagierende Nachfragekomponenten prägen demnach das Bild – und könnten dafür sorgen, dass Platin auch über 2025 hinaus ein Markt mit enger Balance bleibt.

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