Platin: Hat die Jahresendrallye bereits begonnen?

Platin Barren gestapelt

Der Preis für eine Feinunze Platin notiert wieder über 1.600 US-Dollar. Damit erreichte der Kurs nicht nur ein 3-Wochenhoch, sondern gibt auch Anlass zu der Erwartung, dass die im Oktober gestartete Korrektur bereits beendet sein könnte. Noch ist diese Annahme nicht mehr als eine Arbeitshypothese für Trader und Investoren, denn frei ist die Bahn für weitere Kursanstiege erst dann, wenn das Mitte Oktober erreichte Hoch bei 1.731,7 US-Dollar wieder erreicht und nachhaltig überwunden wird.

Die Chancen dazu sind allerdings gegeben, denn Platin, das von Natur aus eines der seltensten und damit auch edelsten Metalle ist, befindet sich weiterhin in einem Defizit. Die Nachfrage aus der Industrie ist hoch und ausgelöst durch den massiven Preisanstieg von rund 70 Prozent seit Anfang Januar, werden auch immer mehr Investoren auf das Edelmetall aufmerksam.

In normalen Jahren spielt die Nachfrage der Anleger am Platinmarkt nur eine untergeordnete Rolle. Absolut dominierend ist die Nachfrage der Industrie. Sie setzt Platin vor allem als Katalysator ein. Dies geschieht sowohl bei der Abgasreinigung im Auto als auch in der chemischen Industrie, wenn es darum geht, gewünschte Reaktionen zu beschleunigen.

Südafrika die Fäden im Platinmarkt in der Hand

Wie bei anderen Rohstoffen, so wird auch die Platinherstellung von einem Land dominiert. Dieses ist allerdings nicht China, sondern Südafrika, denn die Kaprepublik steht für rund 80 Prozent der Weltproduktion. In Südafrika zu produzieren, ist für die Konzerne allerdings eine Herausforderung. Die Minen sind zwar sehr ergiebig aber auch sehr tief, die Streikbereitschaft der Belegschaft ist hoch und die Gewerkschaften sind ein mächtiger Faktor im Land.

Hinzu kommt, dass die Stromversorgung den beständig wachsenden Strombedarf im Land nicht vollständig decken kann. Stromausfälle sind daher an der Tagesordnung und beeinträchtigen immer wieder die Minenproduktion. Gewürzt wird dieser Mix an Herausforderungen mit einer Regierungspolitik, die dem Bergbau im Land, vor allem, wenn er von westlichen Unternehmen betrieben wird, alles andere als positiv gegenübersteht.

Der starke Preisanstieg von 70 Prozent in diesem Jahr heilt zwar so manche Wunde, die in den letzten Monaten geschlagen wurde, er weckt auf der anderen Seite aber auch neue Begehrlichkeiten bei Politik und Belegschaft. Noch vor nicht allzu langer Zeit lagen die für Platin zu erzielenden Preise nur knapp über oder sogar unter den Produktionskosten.

Platin ist 2025 bereits gestiegen. Beginnt jetzt die nächste Rallyephase?; Chart: TradingView.com
Platin ist 2025 bereits gestiegen. Beginnt jetzt die nächste Rallyephase?; Chart: TradingView.com

Platin ist heute vor allem ein Industriemetall

Für jedes Minenunternehmen sind derartige Herausforderungen existenziell. Es geht um das nackte Überleben und egal, welcher Rohstoff gefördert wird und egal, wie schnell und wie hoch die Preise anschließend steigen, eine solche Situation wirkt noch lange nach. Kein Minenmanager möchte voreilig auf einen neuen Boom setzen und sich dann von wieder einbrechenden Preisen kalt erwischen lassen.

Deshalb sollte sich niemand wundern, wenn selbst nach einem Kursanstieg von 70 Prozent die Platinproduktion nicht oder nur sehr zögerlich wieder ansteigt. Die Minenproduktion ist kein Wasserhahn, den man schnell auf- und wieder zudrehen kann. Viel besser passt das Bild eines schwerfälligen Tankers auf hoher See mit großem Wendekreis und fünf Kilometer Bremsweg.

Viele Investoren neigen dazu, diese Punkte zu übersehen. Das führt zwangsläufig zu Enttäuschungen, die sich immer wieder in scharfen Kursreaktionen niederschlagen. Aktuell sprechen die angesprochenen Faktoren jedoch eher für jene Fraktion der Anleger, die auch weiterhin auf steigende Preise setzt, denn es wird noch einige Zeit dauern, bis die Bergbauunternehmen mit einer steigenden Platinproduktion auf die gestiegenen Preise reagieren werden.

Schlüpft Platin in eine neue, zusätzliche Rolle?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der jüngste Wiederanstieg des Platinpreises über die Marke von 1.600 US-Dollar je Feinunze von den Analysten auch mit allgemeinen volkswirtschaftlichen Ereignissen in Verbindung gebracht wurde. So wurde die sich in den USA andeutende allgemeine wirtschaftliche Schwäche ebenfalls als Grund dafür benannt, dass die Anleger verstärkt nach einem sicheren Hafen für ihr Geld suchen und dabei auch Platin als sehr seltenes Edelmetall in den Blick nehmen.

Auch die für den Dezember erwartete nächste Zinssenkung der US-Notenbank wird als Preistreiber genannt. Damit würde ähnlich wie bei Gold und Silber der Aspekt des Inflationsschutzes auch für das Platin immer wichtiger werden. Ob dem tatsächlich so ist und ob diese Entwicklung von Dauer ist, müssen die kommenden Monate zeigen. Doch selbst wenn die Anleger Platin nicht dauerhaft als Inflationsschutz für sich entdecken sollten, bleibt das strukturelle Defizit aufgrund der hohen Nachfrage der Industrie bei gleichzeitig nur leicht steigender Produktion der Minen.

Es dürfte auch in den kommenden Monaten der entscheidende Faktor bleiben und spricht bis auf Weiteres eher für steigende als fallende Platinpreise. Ein deutliches Signal für eine unmittelbare Fortsetzung der Rallye sendet der Markt, wenn der Preis für eine Unze Platin das im Oktober 2025 bei 1.731,7 US-Dollar erreichte Hoch wieder erklimmt und es anschließend nach einer kurzen Konsolidierung signifikant überwindet.

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