Platin: Trotz Rekordrallye bleibt die Nachfrage robust

Platin ist zuletzt noch einmal deutlich gestiegen

Nach Ansicht der Experten des World Platinum Investment Council (WPIC) wird der hohe Platinpreis auch nach der jüngsten Rallye die Nachfrage nach dem auch in der Automobilindustrie verwendeten Edelmetall wohl nicht beeinträchtigen. Die Analysten glauben auch nicht, dass der heftige Preisanstieg so schnell zu einer Ausweitung des Platinangebots führen wird.

Ihrer Aussage nach ist der Platinmarkt nämlich vergleichsweise „unelastisch“, was bedeutet, dass eine Veränderung im Preis nur eine relativ geringe Auswirkung auf die Höhe der Nachfrage nach einem Sachgut oder einer Dienstleistung hat. Mit anderem Worten geht man beim WPIC davon aus, dass die Verbraucher weiter ungefähr die gleiche Menge z.B. eines solchen Rohstoffs kaufen werden, selbst wenn der Preis steig oder fällt.

Aktuell kostet eine Unze Platin rund 1.373 USD, nachdem Ende Juni ein Zehnjahreshoch bei mehr als 1.420 USD pro Unze erreicht wurde. Damit ist der Platinpreis deutlich aus einer Spanne zwischen 900 und 1.100 USD je Unze ausgebrochen, in der er lange Zeit handelte.

Platin Trading View 1yr-GOLDINVEST

Da aber der Platinmarkt nach Ansicht der WPIC-Analysten eben unelastisch ist, ist es ihrer Ansicht nach unwahrscheinlich, dass diese Rallye die Nachfrage nach dem Edelmetall signifikant sinken lässt, oder andersherum dafür sorgt, dass die Platinproduzenten ihre Förderung erheblich ausweiten. Entsprechend gehen die Experten davon aus, dass das Platinangebot auch weiterhin hinter der Nachfrage zurück- und das strukturelle Defizit im Platinmarkt so bestehen bleiben wird.

Platin bis 2029 jedes Jahr im Defizit

Damit würde der Platinmarkt 2025 das dritte Jahr in Folge ein Angebotsdefizit ausbilden, das der WPIC auf 966.000 Unzen schätzt. Vergangenes Jahr lag das Defizit bereits bei 992.000 Unzen nach 896.000 Unzen 2023. Und wenn man der Prognose der WPIC-Experten glaubt, wird der Platinmarkt bis 2029 jedes Jahr im Defizit sein!

Das wiederum, heißt es, werde dazu führen, dass die oberirdischen Platinbestände bis 2029 zu Ende gehen. Zumal sowohl das primäre Angebot (Minen) als auch das sekundäre Angebot (Recycling) den Experten zufolge weiterhin vor Herausforderungen stehen.

Die Nachfrage aber, so der WPIC weiter, bleibe insgesamt robust. Die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen und die langsamer als erwartet vorangehende Energiewende im Transportwesen würden die Platinnachfrage aus dem Automobilsektor stützen – das Edelmetall wird in Katalysatoren verwendet –, während gleichzeitig die Nachfrage nach dem Edelmetall als Investment und zur Schmuckherstellung in China stark steige.

Und Daten des WPIC zufolge hatten schon in der Vergangenheit Veränderungen im Platinpreis keine sofortige Veränderung in Angebot oder Nachfrage zur Folge. Den Informationen zufolge erfolgte eine Reaktion erst mit mehreren Jahren Verzögerung. Auf der Angebotsseite, sei die Unelastizität von Platin sogar strukturell bedingt, hieß es. Selbst starke Preissignale würden diese Entwicklung nicht beschleunigen.

Und die Platinnachfrage habe historisch betrachtet ebenfalls nur eine begrenzte Volatilität als Reaktion auf kurzfristige Preisentwicklungen gezeigt. So sei zum Beispiel die Nachfrage aus dem Automobilsektor zwischen 2003 und 2008 um 25% gestiegen, obwohl der Platinpreis von rund 600 auf ca. 2.000 USD je Unze zulegte.

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