Stand: 20.02.2026 von Florian Grummes
Während der Goldpreis nun seit rund vier Wochen um die runde, psychologisch wichtige Marke von 5.000 US‑Dollar pendelt und dort eine gesunde Konsolidierungsphase durchläuft, rückt der lange vernachlässigte Ölmarkt nach einem 18‑jährigen Bärenmarkt zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte.
Die Aktienkurse der großen US‑Ölkonzerne wie ExxonMobil und Chevron, aber auch europäischer Unternehmen wie Total Energies und OMV, haben seit dem Jahreswechsel bereits deutlich zugelegt. Nun ist auch der Ölpreis selbst aus seiner vierjährigen charttechnischen Keilformation nach oben ausgebrochen.
Für den Ölpreis spielen neben jahrelanger Unterinvestition in Exploration und Förderkapazitäten sowie einem extrem pessimistischen Sentiment insbesondere geopolitische Faktoren eine wichtige Rolle. Die Trump-Administration hat erkannt, dass die Energieimporte in US-Dollar die Achillesferse der chinesischen Wirtschaft darstellen. Vor diesem Hintergrund sind die Entwicklungen in Venezuela und aktuell im Iran einzuordnen.
Ölpreise steigen sprunghaft wegen Iran–USA-Spannungen

In den vergangenen zwei Tagen sind die Ölpreise um mehr als 7 % gestiegen und haben mit über 71 US-Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit Juli des vergangenen Jahres erreicht. Der Preisanstieg spiegelt die wachsende Nervosität der Märkte wider, die durch die zuletzt immer weiter eskalierenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verursacht wurde.
Dabei ist der „Globale Unsicherheitsindex“ auf ein historisches Hoch gestiegen und übertrifft damit die Unsicherheiten im Zusammenhang mit Covid‑19, der globalen Finanzkrise von 2008 sowie der Dotcom-Blase im Jahr 2000 bei weitem.
Im Mittelpunkt der jüngsten Entwicklungen steht „offiziell“ die angespannte Lage rund um das iranische Atomprogramm. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe nur noch 10 bis 15 Tage Zeit, um einer Einigung zuzustimmen – andernfalls drohten„wirklich schlimme Konsequenzen“.
Gleichzeitig hat Washington seine militärische Präsenz auf das höchste Niveau seit der Irak-Invasion von 2003 ausgeweitet. Eine rund um die Uhr laufende Luftbrücke verlegt Tankflugzeuge, Luftabwehrsysteme und Kampfjets in die Region – ein klares Signal an Teheran, dass die USA zu allem entschlossen sind.

Der Iran reagierte umgehend mit einer Mischung aus Trotz und Warnung. Während die Revolutionsgarden (IRGC) Übungen mit bewaffneten Drohnen durchführten, wurde der Schiffsverkehr durch Teile der Straße von Hormus – einen der strategisch wichtigsten Ölhandelswege der Welt – für mehrere Stunden eingeschränkt.
Diese Passage ist für etwa 20 % der weltweiten Rohöltransporte von entscheidender Bedeutung, insbesondere für Exporte aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Irak und Katar.Selbst ein kurzer Zwischenfall genügte, um die Ölpreise umgehend nach oben zu treiben.
Obwohl es sich nur um eine militärische Übung der Iraner handelte, unterstrich das Ereignis die Verwundbarkeit der globalen Energieversorgung. Die Finanz- und Energie-Märkte reagieren nicht allein auf physische Ausfälle, sondern bereits auf deren Möglichkeit. Transportversicherungen, Frachtraten und Terminkurven spiegeln daher sofort die wachsende Unsicherheit wider.Diese „psychologische Komponente“ des Ölmarkts wirkt wie ein Frühwarnsystem – die Preise steigen, lange bevor der Fluss des Öls tatsächlich unterbrochen wird.
Wachsende Unruhe im Inneren Irans
Während die USA ihren militärischen Druck erhöhen, wächst zugleich die Unruhe in Iran selbst. Massenproteste gegen das Mullah-Regime fordern ein Ende der Islamischen Republik und mehr Freiheit. Westliche Analysten sehen darin ein mögliches internes Risiko für die Stabilität des Landes, aber auch ein Element, das Teheran zu außenpolitischen Machtdemonstrationen verleitet – um Stärke nach innen zu zeigen und Kontrolle zu bewahren.
China und Russland als technologische Schutzmächte
In dieser Situation mahnt Russland zwar zur Zurückhaltung, führt aber gleichzeitig gemeinsame Manöver mit dem Iran durch. Dieses geopolitische Signal verschärft die ohnehin komplexe Lage zusätzlich. Zudem wirken Russland und China maßgeblich an der Stärkung der iranischen Luftverteidigung mit. Moskau hat Teheran im Laufe der Jahre mit modernen Langstrecken-Flugabwehrsystemen ausgerüstet, um die Luftverteidigung gegenüber möglichen israelischen Angriffen zu verbessern.
Gleichzeitig prägen chinesische Technologien die unteren und mittleren Verteidigungsebenen, denn Peking liefert Radarsysteme, unterstützt den Aufbau eines mehrschichtigen Luftverteidigungsnetzes und drängt Teheran zum Umstieg von GPS auf das Satellitennavigationssystem BeiDou.
Durch die Kombination aus Ausbildung, Marineübungen und verdeckten Technologietransfers ist ein deutlich dichteres und integriertes Luftverteidigungs- und Überwachungsnetz entstanden, als es die Sanktionen vermuten lassen – auch wenn Russland und China trotz dieser Unterstützung bislang vor klaren Sicherheitsgarantien im Ernstfall zurückschrecken.
Falls der Iran jedoch geschwächt oder gar stürzen sollte, könnte dies sowohl Russland als auch China in eine existenzielle Krise stürzen. Doch vorerst bleibt es ungewiss, ob Russland und/oder China in einem eskalierenden Krieg tatsächlich militärisch eingreifen würden.
Die verdeckte Wucht iranischer Cyber- und Raketenangriffe
Zwar hüllen westliche Medien den Mantel des Schweigens über die Folgen des zwölftägigen Kriegs im Juni des vergangenen Jahres, doch dürften iranische Raketen- und Cyberangriffe damals rund sechs Prozent der israelischen Infrastruktur beschädigt haben. Im Falle eines umfassenden militärischen Konflikts könnte der Iran weit größeren Schaden anrichten.
Diplomatisch bleibt der Handlungsspielraum eng: Während Washington auf einen vollständigen Rückbau des iranischen Atomprogramms pocht, droht in der Region ein Flächenbrand, sollte der Dialog scheitern.
Die Folge: Ein Ölmarkt, der zunehmend politisiert und durch Unsicherheit getrieben wird – mit potenziell weltweiten wirtschaftlichen Konsequenzen.
Öl – viel zu billig gegen Gold

Blickt man auf das Gold/Öl-Ratio müsste man aktuell rund 83 Barrel Öl für eine Unze Gold bezahlen. Das ist im historischen Vergleich extrem hoch, was Gold gegenüber Öl deutlich überbewertet erscheinen lässt.
Charttechnisch zeichnet sich bei der Ratio eine große Cup-and-Handle-Formation ab. Übergeordnet wäre das ein bullisches Fortsetzungsmuster zugunsten des Goldpreises. Trotzdem könnte Öl in den kommenden Monaten bzw. ein bis drei Jahren den Goldpreis zunächst deutlich outperformen, ohne dass Gold dabei stark fallen müsste.
Selbst wenn der Ölpreis beispielsweise auf 120 US-Dollar steigt und die Ratio auf 60 fällt, könnte der Goldpreis bis auf 7.200 US-Dollar steigen. Dies sind natürlich nur theoretische Rechenbeispiele, aber für die Minenaktien wäre dieses Szenario ungünstig, da steigende Energiekosten die derzeit hohen Margen schmälern würden.

Der Ölpreis selbst befindet sich seit dem Hoch um 150 US-Dollar vom Sommer 2008 in einem langjährigen Abwärtstrend, der mit dem Nachfrage-Kollaps während der globalen Finanzkrise begann.Nach einem brutalen Kurssturz von -77 % innerhalb von sieben Monaten kam es zu einer mehrjährigen zähen Erholung bis zum Sommer 2014.
Der daraufhin einsetzende US-Fracking-Boom führte nicht nur zur Energieunabhängigkeit Amerikas, sondern sorgte auch dafür, dass das OPEC-Kartell die Preiskontrolle über den Ölmarkt verlor. Die USA wurden zum weltgrößten Ölproduzenten. In den folgenden Jahren verschärfte sich der Abwärtstrend beim Ölpreis, bis ein neuerlicher Nachfrage-Kollaps – diesmal bedingt durch die weltweiten Lockdowns – den Ölpreis im März 2020 vorübergehend sogar ins Negative fallen ließ.
Die daraufhin folgende scharfe Reaktion ließ den Ölpreis vorübergehend bis auf 130 US-Dollar ansteigen. Diese Erholung wurde schließlich seit Februar 2022 in einem fallenden Keil korrigiert und konsolidiert.
Nun macht sich der Ölpreis daran, aus diesem fallenden Keil nach oben auszubrechen. Ein erstes Kursziel liegt bei 90 US-Dollar. Innerhalb des übergeordneten Abwärtstrendkanals lässt sich mit der Tiefe des Keils zudem ein weiteres realistisches Preisziel im Bereich um 120 US-Dollar konstruieren.
Fazit: Öl – Ausbruch mit deutlichem Potenzial
Während Gold um die 5.000-USD-Marke konsolidiert, ist der Ölpreis aus einem 4-jährigen fallenden Keil ausgebrochen. Insbesondere die geopolitischen Spannungen haben den Ölpreis auf über 71 US-Dollar pro Barrel getrieben. Jahrelange Unterinvestitionen sowie die Tatsache, dass der Ölmarkt ins Zentrum des Ost/West-Konflikts gerückt ist, verstärken dieses Momentum.
Unser erstes Kursziel liegt bei ca. 90 US-Dollar. Darüber hinaus sind auch ca. 120 US-Dollar erreichbar.
Das bedeutet womöglich eine längere Phase der Konsolidierung und Selbstfindung für die Edelmetalle. Langfristig deutet die Cup-and-Handle-Formation beim Gold/Öl-Ratio zwar auf einen wesentlich höheren Goldpreis hin, kurzfristig würde uns ein Favoritenwechsel hin zu den Energiemärkten aber nicht überraschen.
Für Investoren bedeutet dies: Energieaktien und Öl-ETFs gewinnen an Attraktivität, während Minenaktien durch höhere Energiekosten leiden. In einer Welt des politisierten Ölmarkts und gleichzeitig stark überkauften Edelmetallpreisen bietet der Energiesektor das asymmetrisch bessere Chancen/Risiko-Profil.