Kupferpreis auf Rekordkurs: Wie Zölle, Energiewende und drohendes Defizit 2026 die Rallye treiben

Kupfer ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Wirtschaft und die Energiewende

Kupfer hat 2025 ein historisches Jahr hinter sich. An der London Metal Exchange (LME) legte der Kupferpreis bislang fast 40 Prozent zu und verzeichnet damit den stärksten Jahresanstieg seit 2009. Im Jahresverlauf kletterte der Preis zeitweise auf über 11.800 US-Dollar je Tonne – rund drei Prozent über dem bisherigen Rekord – bevor sich der Markt in den letzten Handelstagen etwas beruhigte.

Ein wesentlicher Treiber dieser Kupfer-Rallye waren nicht nur klassische Fundamentaldaten, sondern auch politische und regulatorische Faktoren. Aus Sorge vor möglichen Importzöllen von bis zu 15 Prozent unter der Trump-Regierung strömten erhebliche Kupfermengen in die USA. Nach Schätzungen von Benchmark Minerals lagen bereits im Oktober rund 730.000 bis 830.000 Tonnen Kupfer „wirtschaftlich gefangen“ im US-Markt – gelagert an der CME und kaum attraktiv für den Re-Export.

Mit „wirtschaftlich gefangen“ ist Material gemeint, das zwar physisch verfügbar, aber aufgrund der aktuellen Arbitrage- und Prämienstruktur faktisch nicht wettbewerbsfähig aus den USA abzuziehen ist. Damit steigt der Lagerbestand an der CME, während sich der Markt im Rest der Welt weiter verengt und die physischen Prämien dort deutlich anziehen.

Analyst Albert Mackenzie von Benchmark Minerals betont, dass die dynamische Preisentwicklung 2025 teilweise von dieser Zoll- und Arbitrage-Thematik sowie von einem starken „EV–AI–Energy-Transition“-Narrativ getrieben war – also der Erwartung langfristig stark steigender Kupfernachfrage durch E-Mobilität, Netzausbau, Rechenzentren und die Energiewende. Die Markteinschätzung eines künftigen Defizits sei zwar grundsätzlich nachvollziehbar, werde aber vielerorts bereits vorweggenommen, während die physische Knappheit regional noch unterschiedlich ausgeprägt sei.

Angebotsseite: Minenprobleme vom Grasberg bis Chile

Trotz der spekulativen Komponente im Kupferpreis bleibt die Angebotslage angespannt. Mehrere große Minen hatten 2025 mit längeren Störungen oder Produktionskürzungen zu kämpfen. In Indonesien war der Betrieb des riesigen Grasberg-Komplexes wiederholt beeinträchtigt, während in der DR Kongo das Projekt Kamoa-Kakula und in Chile die Großbetriebe El Teniente sowie weitere Minen wie QB2, Collahuasi oder Los Bronces nicht die ursprünglich erwarteten Fördermengen erreichten.

Hinzu kommen strukturelle Faktoren: sinkende Erzgehalte, komplexere Geologie und langsamere Ramp-ups neuer Projekte. All dies erschwert es, die globale Kupferkonzentratversorgung stabil zu halten. Schmelzbetriebe sehen sich inzwischen engeren Konzentratsmargen und höherem Wettbewerb um verfügbare Tonnagen gegenüber.

Große Produzenten wie Anglo American, BHP, Glencore, Rio Tinto, Vale oder Zijin haben ihre Investitionsetats zwar erhöht, um neue Projekte voranzutreiben. Doch lange Genehmigungsprozesse, steigende Kosten und gesellschaftliche Widerstände bremsen die Entwicklung neuer Minen. Der Projekt-Pipeline mangelt es an kurzfristig realisierbaren Großprojekten, die die Lücke im Angebotsbild schließen könnten.

Nachfrage, Energiewende und die Rolle von Substitution und Schrott

Auf der Nachfrageseite bleibt Kupfer das zentrale Metall der globalen Elektrifizierung. Der Markt preist kräftig steigende Bedarfe durch Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Stromnetzausbau, Rechenzentren und Hochleistungsrechner für künstliche Intelligenz ein. Studien wie der „Transition Metals Outlook 2025“ von BloombergNEF rechnen damit, dass der Kupferbedarf für die Energiewende bis 2045 auf das Dreifache steigen könnte. In diesem Szenario wäre ein strukturelles Kupferdefizit bereits ab 2026 möglich; bis 2050 könnte sich die Versorgungslücke ohne zusätzliche Investitionen und Recycling auf bis zu 19 Mio. Tonnen aufsummieren.

Gleichzeitig zeigt sich im Hier und Jetzt ein gemischtes Bild: In China, dem größten Kupferverbraucher, blieb der Bausektor 2025 schwach, und auch Teile der verarbeitenden Industrie entwickelten sich verhalten. Hohe Prämien und Rekordpreise führten in einigen Bereichen zu Substitution – etwa durch eine stärkere Nutzung von Aluminium in bestimmten Leitungs- und Verkabelungsanwendungen, wenn Kupferpreise weit über den Aluminiumkurs steigen.

Ein weiterer Puffer für den Markt ist der verstärkte Einsatz von Schrott. Steigende Preise animieren dazu, mehr Altkupfer in den Kreislauf zurückzuführen. Dieser Prozess ist zwar nicht friktionslos – etwa durch technische Qualitätsanforderungen oder logistische Engpässe –, kann aber dazu beitragen, extreme Preisspitzen abzuschwächen, wenn die Nachfrage preisbedingt zu erodieren beginnt.

Kupfer bleibt zudem ein wichtiger Barometer-Metall für die konjunkturelle Großwetterlage. Äußerungen zu Konjunkturprogrammen, Handelsabkommen oder fiskalischen Impulsen – insbesondere aus China und den USA – erzeugen häufig kräftige Ausschläge. Neue oder ausgeweitete Zölle auf kupferintensive Produkte würden die Handelsströme zusätzlich verzerren und könnten den Spread zwischen LME- und CME-Notierungen weiter vergrößern.

Für 2026 erwarten Marktbeobachter einen Kupfermarkt, der weiterhin von zwei Ebenen geprägt ist: einer sehr bullischen langfristigen Erzählung und einer deutlich komplexeren kurzfristigen Realität. Auf der einen Seite stehen Szenarien mit einem strukturellen Defizit, getrieben von Energiewende, Digitalisierung und einem schleppenden Angebot. Auf der anderen Seite zeigen die aktuellen Lagerbestände – insbesondere die hohen Bestände in US-Warenhäusern – und die Möglichkeit von Substitution, dass der Markt noch nicht in einer flächendeckenden physischen Mangelsituation angekommen ist.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Kupferpreises dürften einige Schlüsselfaktoren sein:

  • Handelsströme in die USA: Fließen weiterhin hunderte Tausend Tonnen Kupfer in CME-lieferbare Lager, verschärft dies die Knappheit in anderen Regionen und stützt die Prämien. Ein unerwarteter Zollentscheid könnte hier abrupte Umkehrbewegungen auslösen.
  • Erholung großer Minen: Die Geschwindigkeit, mit der Förderprobleme in Chile, Indonesien, Afrika und anderen Regionen behoben werden, bestimmt maßgeblich, ob das Angebot 2026 stabilisiert oder weiter unter Druck bleibt.
  • Makroumfeld und Konjunkturimpulse: Wachstumsdaten aus China, die Geldpolitik in den USA und mögliche Stimulusprogramme beeinflussen die industrielle Nachfrage und die Risikobereitschaft institutioneller Anleger.
  • Politische Volatilität: Solange Donald Trump im Weißen Haus bleibt, rechnen Analysten mit weiteren, zum Teil abrupten Kursreaktionen auf politische Aussagen, Zölle oder regulatorische Eingriffe – mit Auswirkungen weit über den Kupfermarkt hinaus.

Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass das hohe Kupferpreisniveau grundsätzlich bestehen bleiben könnte, allerdings begleitet von ausgeprägteren Korrekturphasen, falls Substitution und Schrotteinsatz stärker greifen. In Kupfer scheint das strukturelle Defizit noch vor der Tür zu stehen – die Volatilität ist jedoch schon da.

Schlagwörter

Erwähnte Unternehmen

Kategorien

Weiterführende Links

Verpassen Sie keine wichtigen News mehr.

Erhalten Sie exklusive Updates zu spannenden Rohstoff-Unternehmen, Marktanalysen und Investmentchancen direkt in Ihr Postfach.

Durch das Absenden des Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Kontaktdaten zum Versand des Newsletters verarbeitet werden.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

 

II. Risikoaufklärung:
Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

 

III. Interessenkonflikte:
Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.