Silver Tiger Metals (TSXV SLVR / WKN A2P4YL) rückt sein El-Tigre-Projekt in Mexiko mit einer neuen wirtschaftlichen Erstbewertung für den Untertagebau in den Fokus. In einem Analystenkommentar von Stifel wird nun die veröffentlichte vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie (Preliminary Economic Assessment kurz PEA) für die Untertage-Lagerstätte El Tigre als Baustein beschrieben, der – zusammen mit einem bereits genehmigten oberirdischen Haufenlaugungsprojekt – zwei voneinander getrennte, aber potenziell parallel entwickelbare Entwicklungsstränge eröffnet.
Der Kern der Argumentation: Ein kapitalärmerer, genehmigter Abbau an der Oberfläche könne als Cashflow-„Beachhead“ dienen, während die Untertage-Komponente als größerer Werttreiber im Hintergrund aufgebaut wird.
Die Stifel-Analysten stufen Silver Tiger angesichts dessen weiterhin mit „Buy“ ein, sie heben ihr Kursziel für die Aktie allerdings von 1,30 CAD auf 1,70 CAD an.
Silver Tiger: Untertage-PEA zeigt Cashflow-Potenzial – Northern Veins nicht enthalten
Nach Angaben aus dem Stifel-Kommentar kalkuliert Silver Tiger in der Untertage-PEA für El Tigre mit einem anfänglichen Investitionsbedarf (Initial Capex) von 83,5 Mio. US-Dollar. Das Konzept soll eine Produktion von rund 27,8 Tsd. Unzen Goldäquivalent (AuEq) pro Jahr ermöglichen, zusammengesetzt aus etwa 2,1 Mio. Unzen Silber und 8.000 Unzen Gold. Als All-in Sustaining Costs (AISC) nennt die Studie 2.019 US-Dollar je AuEq-Unze.
Für die erwarteten freien Cashflows werden zwei Preiswelten gegenübergestellt: Auf Basis der in der Studie verwendeten Metallpreise (38 US-Dollar je Unze Silber und 3.200 US-Dollar je Unze Gold) wird ein jährlicher Free Cashflow von 27,5 Mio. US-Dollar genannt. Auf Spotpreis-Basis steigt dieser Wert laut Stifel auf 102 Mio. US-Dollar pro Jahr.
In der Spotpreis-Betrachtung wird außerdem eine Projektbewertung von rund 1,2 Mrd. US-Dollar (NPV5%) errechnet, verbunden mit einer Payback-Zeit von gerade einmal einem halben Jahr sowie einer Projekt-IRR (Internal Rate of Return) von 163%! Wichtig ist dabei ein struktureller Punkt: Die frühen Abbaubereiche (Stopes) der Untertage-Planung liegen laut Stifel nicht unter dem im Tagebau vorgesehenen Laugungsbetrieb. Damit wird eine bauliche und zeitliche Flexibilität betont – im Sinne zweier unabhängiger Projekte, die nicht zwangsläufig in einem engen „entweder-oder“ stehen.
Genehmigte Oberflächenproduktion als „Beachhead“: PFS setzt auf niedrigen Kapitalbedarf
Parallel zur Untertage-PEA verweist Stifel auf Silver Tigers bereits vorliegende PFS für ein großvolumiges (bulk tonnage) Haufenlaugungsgoldprojekt an der Oberfläche auf El Tigre. Der Analystenkommentar stellt hier vor allem den geringen initialen Kapitalbedarf von 87 Mio. US-Dollar heraus. Aus Sicht der Stifel-Autoren ist gerade dieser Aspekt entscheidend, weil er eine Finanzierung grundsätzlich erleichtern könne und ein frühes operatives Fundament schaffen soll.
Auf Spotgold-Basis wird das Oberflächenprojekt im Kommentar mit einem NPV5% von 954 Mio. US-Dollar beziffert. Auf vollständig verwässerter und vollständig finanzierter Basis entspreche dies rund 1,37 CAD je Aktie. Auffällig ist: Die Produktionsrate der ersten drei Jahre wird als relativ moderat beschrieben – etwa 38.000 Unzen AuEq pro Jahr. Der Nutzen des Oberflächenprojekts liege nach dieser Lesart weniger in einer maximalen Ausbringungsmenge, sondern in einem standortbezogenen jährlichen Free Cashflow von rund 96 Mio. US-Dollar, der wiederum als finanzielle Grundlage dienen könne, um die „eigentliche“ Wertkomponente – die hochgradigen Silberadern im Untertagebereich – zu entwickeln.
Diese Logik ordnet Stifel in eine „Beachead“-Strategie ein: Der genehmigte Oberflächenabbau dient als kapital-effizienter Startpunkt, während die Untertage-Option als eine Art „NAV-Bank“ betrachtet wird, die mit zunehmender Entwicklung erschlossen werden kann.
Hochgradige Silberadern als Kern des Systems – Ressourcenbasis und Erweiterungsspielraum
Die Analysten verweisen auf den hochgradigen Charakter der mineralisierten Adern als „Kern“ des El-Tigre-Systems. Genannt wird eine definierte Menge von 62,7 Mio. Unzen Silberäquivalent (AgEq) bei 308 g/t AgEq, berechnet bei einem Cut-off von 200 g/t AgEq. Diese Mineralisierung erstrecke sich unterhalb und jenseits historischer Grubenbaue, entlang eines Black-Shale-Horizonts sowie innerhalb einer Sulfidzone.
Zudem sei das Ader-System nach Norden über weitere 1,5 Kilometer Streichenlänge nachverfolgt worden. Für diesen nördlichen Bereich („Northern Veins“) nennt Stifel ein zusätzliches Upside-Potenzial von 38 Mio. Unzen AgEq, das in der Untertage-PEA nicht enthalten sei. Der Kommentar argumentiert, dass eine weitere Ressourcenerweiterung in diesen – bislang weniger eng explorierten – Erweiterungen möglich sei. Gleichzeitig wird ein möglicher Skalierungshebel erwähnt: Bei wachsender Inventarbasis könnte die im Konzept genannte Sulfid-Anlage mit 800 Tonnen pro Tag perspektivisch angepasst werden, um die verfügbare Ressource „passend“ aufzubereiten.
Zum Bewertungsrahmen heißt es, Stifel sehe die Vorzüge beider Projekte darin, dass sie (1) getrennt und damit eigenständig oder gleichzeitig entwickelt werden könnten und (2) die Planung auf eine Optimierung der internen Verzinsung (IRR) gegenüber der reinen NPV-Maximierung ausgerichtet sei – was auf skalierbare Cashflows nach Produktionsstart abzielen soll. Für die Untertage-Operation setzt Stifel in der Bewertung 264 Mio. US-Dollar beziehungsweise 0,67 CAD je Aktie an. Ohne Berücksichtigung des Untertage-Teils, so der Kommentar, preise der Markt den genehmigten Haufenlaugungsbetrieb bei 0,41x Spot-P/NAV ein – trotz vorhandener Genehmigungen und vergleichsweise überschaubarem Kapitalbedarf.
Für Silver Tiger bleibt damit die zentrale Botschaft des Stifel-Updates: El Tigre wird nicht als einzelnes Projekt verstanden, sondern als Kombination aus genehmigtem Start des Betriebs an der Oberfläche und späterer oder paralleler Untertage-Entwicklung – mit dem Schwerpunkt auf einem hochgradigen, silberdominierten Ader-System, das über die bisherigen Definitionen hinaus Erweiterungsoptionen aufweist.