„Gold hat in den letzten fünf Jahren eine rasante Rallye hingelegt und ist um über 170 % in die Höhe geschossen“, schrieben Mitte Februar Kriti Gupta, der Executive Director der J.P. Morgan Private Bank, und Justin Biemann von Global Investment Strategist. „Es gibt eine ganze Reihe von Gründen dafür, aber der wichtigste Treiber dürfte eine neue Ära geopolitischer Volatilität und Fragmentierung sein, die Anleger zum Kauf des Edelmetalls veranlasst.“
Sie wenden sich damit explizit gegen die Argumente, die immer wieder für ein baldiges Ende der Goldrallye vorgebracht werden. Eines dieser Argumente ist, dass die Zentralbanken ihre massiven Goldkäufe aus den letzten vier Jahren nicht mehr weiter fortsetzen werden. Dies wäre in der Tat für das Gold und seinen Preis ein herber Rückschlag, denn im Jahr 2025 dürften die Zentralbanken weltweit wieder rund 800 Tonnen Gold gekauft haben.
Mit ihren Käufen, die sich nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 massiv intensiviert haben, waren die Notenbanken maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Goldpreis in den letzten Jahren so stark angestiegen ist. Fallen die Notenbanken als Käufer zukünftig aus, fehlt ein wichtiger Treiber am Markt. Wechseln die Notenbanken in Summe sogar wieder auf die Verkäuferseite, dürfte der Preisdruck noch stärker ausfallen.
Notenbanken dürften auch weiterhin in Masse auf der Käuferseite stehen
Es ist damit richtig und gerechtfertigt, den Notenbanken und ihren Goldaktivitäten auch in den kommenden Jahren eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Kriti Gupta und Justin Biemann weisen darauf hin, dass es in den späten 1990er Jahren schon einmal eine Zeit gab, in der westliche Notenbanken, allen voran die Bank of England, große Mengen Gold verkauft haben. Grundsätzlich ausgeschlossen ist eine Wiederholung dieser Strategie natürlich nicht. Für sehr wahrscheinlich halten die beiden Autoren eine solche Entwicklung jedoch nicht.
„Seit 2025 macht Gold etwa 19 Prozent der Reserven der Schwellenländer aus, gegenüber etwa 47 Prozent der Reserven der Industrieländer“, schreiben sie. „Unter den Schwellenländern, die sich auf das Edelmetall stürzen, sticht China hervor. Als Schwellenland und Konkurrent der Vereinigten Staaten hat das Land seine Reserveaktiva aktiv in Gold umgeschichtet. Obwohl China der siebtgrößte Goldbesitzer der Welt ist, macht das Edelmetall laut dem World Gold Council nur 8,6 Prozent seiner Reserven aus. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, hat China noch viele weitere Goldreservenkäufe in der Pipeline. Und es ist nicht allein: Auch Polen, Indien und Brasilien treiben die strukturelle Nachfrage voran.“
Versetzen Privatanleger der Goldrallye den Todesstoß?
Das zweite große Risiko für die anhaltende Preisrallye von Gold ist die Möglichkeit, dass die Privatanleger dem gelben Metall den Rücken zukehren und ihre Bestände veräußern. Auch dies wäre möglich. Das Problem ist nur, dass die Privatanleger anders als die Notenbanken aktuell über keine nennenswerten Goldbestände verfügen. In den privaten Depots ist das Gold momentan im Vergleich zu anderen Zeiten stark unterrepräsentiert.
Nicht einmal ein Prozent ihrer Ersparnisse halten die Privatanleger durchschnittlich in Gold oder goldnahen Anlagen wie den Aktien der Goldproduzenten. In Spitzenzeiten stieg dieser Wert jedoch auf bis zu vier Prozent an. Vor diesem Hintergrund kann man deshalb nicht davon sprechen, dass die privaten Anleger kurzfristig für das Gold zu einer Gefahr werden könnten, weil sie der Versuchung nicht widerstehen können, ihre Buchgewinne beim Gold und bei den Goldminen zu realisieren.
„Vergessen Sie die Privatanleger nicht“, warnen Kriti Gupta und Justin Biemann deshalb. „Auch sie strömen in Scharen zum Gold. Diese neuen Käufer bauen oft eine Position als Absicherung gegen steigende geopolitische Risiken und makroökonomische Unsicherheiten auf.“ Die Gefahr ist allerdings, dass neue Anleger das gelbe Metall ebenso schnell wieder abstoßen könnten, wie sie es gekauft haben. Die hohe Volatilität, die Ende Januar am Goldmarkt zu beobachten war, ist in diesem Zusammenhang zumindest als eine Warnung zu verstehen.
„Auch wenn dieser Anstieg des Goldpreises nicht linear verlaufen ist und auch nicht linear verlaufen wird, glauben wir, dass die Trends, die diesen Anstieg des Goldpreises vorantreiben, noch nicht ausgeschöpft sind“, erklärte Natasha Kaneva, Leiterin der Global Commodities Strategy bei J.P. Morgan. Die Leiterin der Rohstoffsparte der US-Investmentbank ist deshalb der Meinung: „Der langfristige Trend zur Diversifizierung der offiziellen Reserven und der Investoren in Gold wird sich fortsetzen.“