China dreht weiter an der Seltene Erden-Schraube – wie verwundbar ist der Westen?

Handelsstreit China USA bei Seltenen Erden - Ucore könnte Teil der Lösung werden

China verschärft laut einem Bericht des Wall Street Journal erneut die Kontrolle über strategische Rohstoffe und insbesondere Seltene Erden – trotz zuvor angekündigter Entspannung im Handelsstreit mit den USA. Demnach bereitet Peking ein neues Lizenzsystem vor, das Exporte seltener Erdmetalle zwar grundsätzlich erleichtern, Lieferungen an dem US-Militär nahe Unternehmen aber zugleich gezielt einschränken soll.

Kern der Pläne ist ein sogenanntes „Validated End-User“-Regime (VEU), das Firmen ohne Verbindung zur US-Rüstungsindustrie bevorzugt behandeln soll. Unternehmen, die als unkritische Abnehmer eingestuft werden, könnten Seltene Erden und andere sensible Materialien schneller und mit weniger Formalitäten importieren. Für Abnehmer mit möglicher militärischer Verwendung würden die Hürden hingegen hoch bleiben. Damit versucht Peking offenbar, den politischen Spagat zwischen Handelsentspannung und nationaler Sicherheit zu meistern.

Seltene Erden als Hebel im Handelskonflikt

China dominiert seit Jahren den Markt für Seltene Erden – sowohl in der Förderung als auch bei der Verarbeitung. Diese Metallgruppe ist entscheidend für eine Vielzahl moderner Technologien: von Elektromotoren und Windkraftanlagen über Smartphones bis hin zu Hightech-Magneten in Elektrofahrzeugen. Gleichzeitig werden Magnete aus Seltenen Erden auch in militärischen Anwendungen eingesetzt, etwa in Kampfjets, U-Booten und Drohnensystemen.

Bereits im April hatte Peking die Exportkontrollen für Seltene Erden und verwandte Produkte verschärft. Beobachter werteten diesen Schritt als Teil der politischen Verhandlungsstrategie gegenüber Washington. Die Volksrepublik nutzt ihren hohen Marktanteil als Druckmittel im Handelsstreit, insbesondere dort, wo die USA – etwa bei der Verarbeitung seltener Erdmetalle – stark von chinesischen Lieferungen abhängig sind.

Vor diesem Hintergrund hatten China und die USA Ende Oktober eine Art Waffenstillstand im Handelskonflikt verkündet und eine Lockerung bestimmter Exportbeschränkungen in Aussicht gestellt. Dennoch gingen die Ausfuhren von Dauermagneten aus Seltenen Erden nach US-Angaben im September um 29 % gegenüber dem Vormonat zurück – ein Hinweis darauf, dass die Lieferketten trotz politischer Signale nicht zur Ruhe gekommen sind.

Neues VEU-System: Selektive Öffnung für Seltene Erden

Das nun diskutierte VEU-Regime soll die Kontrolle über Seltene Erden und andere strategische Materialien auf eine neue Grundlage stellen. Nach Informationen des Wall Street Journal will Peking dabei Elemente aus einem ähnlichen US-System übernehmen, das seit 2007 gilt.

In den USA erlaubt der VEU-Mechanismus bestimmten chinesischen Unternehmen den vereinfachten Import sensibler Güter, ohne für jede einzelne Lieferung eine neue Ausfuhrgenehmigung beantragen zu müssen. Im Gegenzug müssen sich diese Firmen an Auflagen halten, etwa Betriebsprüfungen oder Dokumentationspflichten.

Die chinesische Version soll spiegelbildlich funktionieren: Firmen im In- und Ausland, die als „validated end user“ eingestuft werden, erhielten eine Art Generalgenehmigung, Seltene Erden und andere kontrollierte Produkte aus China zu beziehen. Dafür müssten sie Auflagen wie Standortprüfungen und Transparenz über die Verwendung der Materialien akzeptieren.

Im Unterschied zu bisherigen Regelungen würde das neue System aber stärker zwischen Endkunden unterscheiden. Unternehmen mit Verbindungen zur US-Rüstungsindustrie oder anderen Verteidigungssektoren könnten von der vereinfachten Genehmigung ausdrücklich ausgeschlossen werden. Für sie blieben Exporte von Seltenen Erden und anderen sensiblen Gütern an strengere Einzelfallentscheidungen geknüpft.

Noch ist offen, welche Firmen konkret als VEU zugelassen werden sollen und wie lange ein solcher Status gelten würde. Laut den zitierten Quellen sind die Details des Systems noch in Arbeit und könnten sich vor der tatsächlichen Einführung noch ändern. Chinas Handelsministerium hat den Bericht bislang nicht kommentiert.

Folgen für Auto-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie

Die Pläne könnten weitreichende Auswirkungen auf globale Lieferketten von Seltenen Erden haben – insbesondere in Europa und den USA. Viele Unternehmen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie sind sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich tätig. Sie entwickeln etwa elektrische Antriebe oder Leichtbauteile für Passagierflugzeuge, beliefern aber zugleich Verteidigungskunden.

Sollte China das VEU-System strikt anwenden, könnten solche Mischkonzerne beim Zugang zu Seltenen Erden aus chinesischer Produktion künftig aufwendig geprüft werden oder in manchen Fällen ganz durch die Maschen der vereinfachten Genehmigung fallen. Dies würde die Beschaffung für Komponentenhersteller, Zulieferer und Endproduzenten komplexer und potenziell zeitaufwändiger machen.

Für die US-Rüstungsindustrie ist die Lage besonders sensibel. Moderne Waffensysteme und Kommunikationsplattformen sind stark von Hochleistungsmagneten und Speziallegierungen abhängig, in denen Seltene Erden eine zentrale Rolle spielen. Schon in der Vergangenheit hatten US-Behörden vor Abhängigkeiten bei kritischen Mineralien gewarnt und Initiativen gestartet, um alternative Lieferquellen zu erschließen – etwa durch Recycling, die Diversifizierung von Importen und den Aufbau eigener Verarbeitungskapazitäten.

Die mögliche Einführung eines chinesischen VEU-Regimes könnte diese Bestrebungen verstärken. Gleichzeitig stehen westliche Unternehmen vor der Herausforderung, Lieferketten so zu gestalten, dass sie zugleich Exportkontrollen in China, US-Compliance-Vorgaben und eigene Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit erfüllen.

Die kanadische Ucore Rare Metals (WKN A2QJQ4/ TSXV UCU) allerdings, die über eine – den üblichen, chinesischen Verfahren überlegene – Methode zur Aufbereitung der Seltene Erden-Ausgangsmaterialien namens RapidSX verfügt, hat man diese Entwicklung bereits vor Jahren vorhergesehen und sich bewusst entschlossen, sich als Teil einer westlichen Lieferkette für Seltene Erden zu etablieren.

Ucore plant, eine erste Produktionslinie schon im zweiten Halbjahr 2026 in Betrieb zu nehmen. In der Anlage im US-Bundesstaat Louisiana, die bereits mit insgesamt mehr als 22 Mio. USD vom US-Verteidigungsministerium gefördert wird, sollen dann nach und nach weitere Fertigungsstraßen in Betrieb gehen. Zusätzlich wird das Unternehmen mit bis zu 36,3 Mio. CAD von der kanadischen Regierung gefördert, um in seiner Anlage im kanadischen Kingston ausschließlich die Seltenen Erden Samarium (Sm) und Gadolinium (Gd) herzustellen.

Jedenfalls unterstreicht der geplante Schritt Chinas, dass Seltene Erden ein geopolitischer Brennpunkt bleiben. Für die chinesische Führung bietet das neue Lizenzsystem die Möglichkeit, die Vereinbarung zur Lockerung der Exportkontrollen formal einzuhalten, ohne auf ein wichtiges Instrument der strategischen Einflussnahme zu verzichten.

Durch die gezielte Differenzierung nach Endnutzern kann China den Exportfluss von Seltenen Erden in zivile Anwendungen – etwa in Elektroautos und Unterhaltungselektronik – aufrechterhalten, gleichzeitig aber den Zugang von US-militärnahen Institutionen und Unternehmen erschweren.

Für Washington und seine Verbündeten ist der Bericht ein weiteres Signal, dass die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen bei Seltenen Erden ein dauerhaftes Risiko bleibt – auch in Phasen diplomatischer Entspannung. Ob das VEU-System am Ende in der nun diskutierten Form umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Rolle Chinas als dominanter Anbieter seltener Erdmetalle verschafft Peking weiterhin erheblichen Einfluss auf zentrale Wertschöpfungsketten der modernen Industrie – von der grünen Transformation bis zur Verteidigungstechnologie.

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