Silber: Es droht ein globaler Crash

Drei Silber Barren - Silver Tiger Metals

Stand: 06.03.2026 von Florian Grummes

Am 28. Februar starteten die USA und Israel die Operation „Epic Fury“. Mit über 2.000 gezielten Angriffen auf das iranische Nuklearprogramm, Raketenarsenale, Kommandozentralen der Revolutionsgarden und Teheran gilt sie als die komplexeste Luftoperation der Geschichte. In der ersten Welle wurde auch der oberste Führer der Islamischen Republik, Ali Khamenei, getötet. Als Reaktion darauf griff der Iran mit Drohnen und Raketen zahlreiche Ziele in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, Jordanien, Oman, dem Irak, Kuwait und Bahrain sowie Zypern an – in unmittelbarer Nähe zur NATO.

Die Geopolitik als Preistreiber

Straße von Hormus, 5. März 2026Straße von Hormus, vom 5. März 2026. © Giacomo Prandelli

Der Angriff auf den Iran und dessen Vergeltungsschläge haben zudem zu einer Blockade der Straße von Hormus geführt. Da Versicherer den Transport nicht mehr abdecken, kam es zu einem Versicherungskollaps. Dies hat eine Kettenreaktion an den Energiemärkten ausgelöst, sodass die Ölpreise infolgedessen um mehr als 28 % stiegen. Rohöl ist zum neuen „Fieberthermometer“ geworden.

Rund 14,2 Millionen Barrel Öl passieren täglich die Straße von Hormus, wovon 89 % nach Asien fließen – eine Blockade gefährdet somit vor allem die Energiesicherheit Asiens, allen voran Chinas. Und mit etwa 20 % des weltweiten Ölhandels, der durch die Meerenge bei Hormus fließt, hat die Abriegelung weitere unmittelbare Folgen: Energiepreise steigen, Transportrouten werden riskant – und das inflationäre Umfeld verstärkt sich.Damit eskalierte der Nahe Osten binnen weniger Tage zum Epizentrum eines globalen und hochkomplexen Machtkonflikts, in dem es letztlich um die Vorherrschaft zwischen den USA und China geht.

Goldhandel in Dubai in der Klemme

Internationaler Flughafen Dubai, 1. März 2026Internationaler Flughafen Dubai, vom 1. März 2026. © Altaf Qadri/AP Photo

Die Edelmetallmärkte hatten den Kriegsbeginn mit starken Preisanstiegen bereits in der Vorwoche schrittweise eingepreist und eröffneten am Montagmorgen mit einem deutlichen Kurssprung nach oben. Dabei stieg der Silberpreis bis auf 96,42 US-Dollar und Gold bis auf 5.419 US-Dollar.

Doch schon am Dienstag setzte an den globalen Finanzmärkten eine massive Risk-Off-Bewegung ein. Auch Gold und Silber gerieten dabei stark unter Verkaufsdruck. Gold fiel zeitweise wieder unter 5.000 US-Dollar. Silber rutschte bis auf unter 78 US-Dollar ab.

Während die Weltlage eskaliert, spielt sich in Dubai eine ungewöhnliche Preisanomalie im Goldmarkt ab. Normalerweise gilt die Metropole als die zentrale Drehscheibe für physischen Goldhandel, denn rund 20 bis 30 % des weltweiten physischen Goldhandels werden jährlich über Dubai abgewickelt.

Doch seit Beginn des US-israelischen Angriffs auf den Iran ist der Handel ins Stocken geraten. Iranische Angriffe auf die VAE, Flugausfälle, blockierte Routen und explodierende Versicherungsprämien erschweren den Export von Barren und Münzen. Händler sitzen auf Beständen, die sie mit bis zu 30 US-Dollar Rabatt pro Unze unter dem Londoner Spotpreis anbieten. Dies ist ein deutliches Zeichen für Liquiditätsprobleme im physischen Markt. Anleger bzw. Käufer meiden neue Bestellungen, da Lieferzeiten unsicher sind und sich die Transportkosten kaum kalkulieren lassen. Paradoxerweise fällt der lokale Preis in Dubai, obwohl Gold global als sicherer Hafen gefragt ist.

Der Reflex der Märkte: Risk-Off statt Rallye

Insgesamt reagierten die Finanzmärkte mit einer klassischen „Risk-off“-Bewegung. Aktien, Tech und Krypto rutschten ab. Anleger suchten stattdessen Zuflucht bei Staatsanleihen und US-Dollar.Nach anfänglicher Stärke präsentieren sich Gold und Silber mittlerweile eher schwach.

In Krisenphasen wie 2008 zeigte sich bereits, dass Engpässe in der Liquidität zu Zwangsverkäufen führen können – auch bei eigentlich „sicheren“ Werten. Entsprechend überrascht es nicht, wenn kurzfristig Druck auf Edelmetalle entsteht, obwohl die dramatische geopolitische Eskalation langfristig eine deutliche Aufwertung verspricht.

In dem extrem unsicheren Umfeld heißt es vorsichtig bzw. abwartend und defensiv zu agieren. Steigende Marginanforderungen, volatile Transportmärkte und die Dominanz des Ölpreises verschieben die Liquiditätsströme weg von den Edelmetallen hin zu Energie-Assets. Trotzdem bleiben physische Edelmetalle Pflicht, ebenso eine deutlich erhöhte Liquiditätsposition. Fremdkapitaleinsatz und Hebel sollten hingegen dringend reduziert werden.

Sobald sich die geopolitische Lage stabilisiert und die Notenbanken die Druckerpressen angeworfen haben, wird Gold seinen Status als ultimativer Wertspeicher erneut bestätigen. Silber dürfte dabei, angetrieben von Industrie-, Rüstungs- und Energienachfrage, prozentual stärker zulegen.

Silber – Es droht ein globaler Crash

Silber in US-Dollar, Tageschart 6. März 2026Silber in US-Dollar, Tageschart vom 6. März 2026. © GOLD.DE

Der Silberpreis legt weiterhin eine Achterbahnfahrt aufs Parkett. Nach der sensationellen Rallye bis zum neuen Allzeithoch bei 121,64 US‑Dollar, folgte ein brutaler Einbruch bis auf 64,04 US‑Dollar (‑47,3 %). Von diesem Tiefpunkt erholten sich die Silberpreise innerhalb von drei Wochen bis auf 96,42 US-Dollar. In dieser Handelswoche fielen die Silber-Notierungen in der Spitze aber schon wieder um -19,15 % bis auf 77,96 US‑Dollar zurück.

Damit stellt sich die erste Frage. Endete die Erholungsbewegung womöglich bereits am letzten Montag bei 96,42 US-Dollar? Sollte sich die Risk-Off-Bewegung durch den Iran-Krieg an den Finanzmärkten fortsetzen und intensivieren (davon gehen wir aus), dann dürfte auch der Silberpreis weiter unter Druck geraten.

Womit wir zur zweiten Frage kommen: Wird die seit Ende Januar laufende Korrektur am Silbermarkt ein neues Tiefmit sich bringen oder könnte sich die Korrektur/Konsolidierung wie in den letzten zwei Jahren primär seitwärts abspielen?

Die Wahrscheinlichkeit für einen Crash an den Finanzmärkten steigt täglich. Wir befürchten, dass der Silberpreis in einer Risk-Off-Phase mit Liquiditätsengpässen gehörig unter die Räder kommen wird. Bis zum Tief bei 64 US-Dollar ist zwar noch viel Luft, ein Abverkauf bis in den Bereich zwischen 50 bis 65 US-Dollar wollen wir aber nicht ausschließen.

In jedem Fall hat sich das technische Bild mit dem tieferen Hoch vom Montag nochmals weiter eingetrübt.Wir können daher nur dringend zur Vorsicht und Zurückhaltung mahnen.

Wer jetzt genügend Liquiditätsreserven aufbaut, kann in den kommenden Wochen oder Monaten vermutlich günstigst zukaufen.

Fazit: Silber – Es droht ein globaler Crash

Die geopolitische Entwicklung ist fatal. Wir befürchten einen Flächenbrand und können nur hoffen, dass die Vernunft die Oberhand gewinnen wird. Andernfalls droht der 3. Weltkrieg!

WTI und Brent Öl, 6. März 2026WTI und Brent Öl, vom 6. März 2026. © Holger Zschäpitz

Die Edelmetalle sind im Vorfeld kriegerischer Auseinandersetzungen meist sehr stark, sobald die Kanonen aber donnern, verschiebt sich der Fokus auf die Energiemärkte und die Edelmetalle korrigieren. Wir hatten rechtzeitig vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass der Ölpreis viel zu billig gegen das Gold geworden war. Wir befürchten, dass der Ölpreis nun unsere Kursziele bei 90 und 120 US-Dollar anpeilen wird.

Im besten Fall pendelt der Goldpreis weiter um die Marke von 5.000 US-Dollar und dürfte damit auch den Silberpreis stützen. Kommt es hingegen zum Crash an den Finanzmärkten, wird alles abverkauft werden. Öl, Energie und die Agrarmärkte könnten hingegen abenteuerliche Kursanstiege erleben.

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