Regierungen und Investoren behandeln kritische Rohstoffe zunehmend wie strategische Vermögenswerte – und genau dieser Perspektivwechsel könnte nach Einschätzung von Sprott den Beginn eines neuen Rohstoffzyklus markieren.
In einem diese Woche veröffentlichten Marktbericht argumentiert das Haus, dass sich die Rohstoffmärkte mit dem Start ins Jahr 2026 spürbar belebt haben: Aktien aus dem Rohstoffsektor hätten langjährige Handelsspannen nach oben verlassen, nachdem sie über Jahre in globalen Portfolios eher unterrepräsentiert waren. Für Sprott ist das weniger eine Wiederholung früherer Boomphasen, sondern der mögliche Auftakt einer strukturell anders getriebenen Rohstoff-Rallye.
Im Unterschied zum China-getriebenen Bau- und Infrastrukturzyklus der Jahre 2000 bis 2014 oder der inflationsgeprägten Rohstoffhausse der 1970er-Jahre sieht Sprott die neuen Impulse vor allem in Investitionen in Stromsysteme, digitale Infrastruktur und Energiesicherheit. Hinzu kommen nach Darstellung des Berichts übergeordnete Kräfte wie Deglobalisierung, eine expansive Fiskalpolitik und steigende geopolitische Spannungen. Diese Faktoren verschieben den Fokus von „Massenrohstoffen“ hin zu Metallen, die für Elektrifizierung, Verteidigung und moderne Infrastruktur als unverzichtbar gelten.
Sprott: Kritische Rohstoffe werden zur strategischen Kategorie
Der Sprott-Report beschreibt eine wachsende Priorisierung nationaler Lieferketten. Staaten würden zunehmend versuchen, mehr Kontrolle über Versorgung und Verarbeitung von Rohstoffen zu gewinnen, die für strategische Industrien relevant sind. Dadurch werde die Bewertung vieler Rohstoffe nicht mehr ausschließlich über klassische Angebots- und Nachfragekurven geprägt, sondern zusätzlich über ihre Rolle in Sicherheits- und Technologiekonzepten.
Ein zentrales Indiz für diese Verschiebung sieht Sprott in der auseinanderlaufenden Entwicklung innerhalb des Rohstoffsektors: Werkstoffe, die direkt mit Elektrifizierung, Stromerzeugung und Energiesicherheit verknüpft sind, würden besser abschneiden als traditionelle „Bulk Commodities“, die frühere Zyklen dominiert haben. Als Beispiel nennt der Bericht die Entwicklung des Sprott Critical Materials ETF (NASDAQ: SETM), der seit April 2025 laut Sprott deutlich stärker performt habe als breit gefasste Natural-Resource-Benchmarks. Die Aussage dient im Bericht als Signal, dass Investoren ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf „kritische“ Metalle konzentrieren.
Gleichzeitig weist Sprott darauf hin, dass viele Kapitalallokationen weiterhin stark auf Sektoren ausgerichtet seien, die in früheren Rohstoffphasen eine größere Rolle spielten – etwa Chemie, Forstprodukte oder Landwirtschaft. Eine solche Verzögerung in der Anerkennung neuer Treiber sei typisch für frühe Phasen eines Bullenmarktes, so die Argumentation.
Kupfer und Uran als Kernmetalle: Divergenz statt „Rohstoffkorb“
Im Mittelpunkt der Sprott-These steht Kupfer. Das Metall sei zu einer Art Knotenpunkt der Elektrifizierung geworden – von Netzausbau und Stromspeicherung bis hin zu digitaler Infrastruktur. Dadurch werde das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei Kupfer strukturell enger als bei Rohstoffen, die stärker an Baukonjunktur und Massengüterketten hängen. Sprott leitet daraus ab, dass kupferfokussierte Produzenten zuletzt häufiger besser abgeschnitten hätten als große, diversifizierte Bergbaukonzerne, deren Ergebnisprofil stärker an Eisenerz und andere Massenrohstoffe gekoppelt ist.
Eine ähnliche Divergenz erkennt Sprott bei den Energiemetallen – mit dem Unterschied, dass hier nicht Öl, sondern Uran als Gewinner der neuen Erzählung herausgestellt wird. Öl sei zwar weiterhin relevant, doch Sprott verweist auf eine vergleichsweise komfortable Angebotslage und darauf, dass die langfristige „Verbrauchsintensität“ von Öl im Verhältnis zum globalen BIP tendenziell abnehme. Uran hingegen gehe mit begrenztem Angebot in diesen Zyklus, während die Nachfrage wieder anziehe, weil viele Staaten die Kernenergie neu bewerteten.
Bemerkenswert ist die Begründung: Sprott sieht das Wiederaufleben des Interesses an Kernenergie weniger als Umweltpolitik-Thema, sondern vor allem als Ausdruck von Energiesicherheitsstrategie. Regierungen verlängerten Laufzeiten bestehender Reaktoren, planten neue Kapazitäten und bauten nach Jahren der Zurückhaltung wieder langfristige Uran-Vertragsabdeckung auf. Steigende geopolitische Spannungen würden diesen Prozess zusätzlich beschleunigen, heißt es im Bericht.
Über Kupfer und Uran hinaus nennt Sprott weitere kritische Rohstoffe mit aus Sicht des Hauses vorteilhaften Fundamentaldaten, darunter Lithium, Seltene Erden und Silber. Lithium und Seltene Erden werden im Bericht als zentrale Bausteine für Batterien und hocheffiziente Motoren eingeordnet. Silber profitiere doppelt – von industrieller Nachfrage und von seiner Rolle als monetäres Metall. Entscheidend bleibt jedoch die Grundidee: Kritische Rohstoffe werden nicht nur wegen ihres Marktgleichgewichts bewertet, sondern zunehmend wegen ihrer strategischen Bedeutung für Technologie und nationale Infrastruktur.
Investmentthema „Power & Data“: Mehrjährige Nachfrage trifft auf lange Vorlaufzeiten
Sprott erwartet, dass Investitionen in Stromerzeugung, Netze, Rechenzentren und mineralische Lieferketten die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen über mehrere Jahre tragen könnten. Gleichzeitig sieht der Bericht Angebotsrisiken: Lange Projektvorlaufzeiten und ein Jahrzehnt vergleichsweise niedriger Investitionen in neue Kapazitäten könnten die Märkte „eng“ halten – insbesondere dort, wo Genehmigungen, Finanzierung und Bau von Minen bzw. Verarbeitungskapazitäten viel Zeit benötigen.
Vor diesem Hintergrund argumentiert Sprott, dass gezieltere Ausrichtungen auf kritische Rohstoffe potenziell besser abschneiden könnten als sehr breit gestreute Rohstoffallokationen. Diese Aussage bleibt im Report ausdrücklich eine Markteinschätzung, verbunden mit dem Hinweis, dass Volatilität wahrscheinlich bleibt. Als Beispiele für „gezielte“ Vehikel nennt Sprott den Sprott Critical Materials ETF (SETM), der laut Beschreibung auf Unternehmen fokussiert ist, die mindestens 50% ihrer Umsätze oder Vermögenswerte in kritischen Rohstoffen haben, sowie den aktiv gemanagten Sprott Active Metals & Miners ETF (NYSE: METL).
Unterm Strich zeichnet Sprott das Bild eines Rohstoffzyklus, der weniger von einem einzelnen Nachfrageschock getragen wird, sondern von langfristigen Strukturveränderungen. Wenn Elektrifizierung, Energiesicherheit und digitale Infrastruktur tatsächlich zu den dominanten Investitionsthemen der kommenden Jahre zählen, könnten kritische Rohstoffe wie Kupfer und Uran nach Einschätzung des Hauses weiterhin im Zentrum der Kapitalströme stehen – und damit die Dynamik innerhalb des gesamten Rohstoffsektors neu ordnen.w