Die US-Regierung treibt den Aufbau einer strategischen Reserve für kritische Mineralien voran. Nach Angaben aus Washington bereitet Präsident Donald Trump den Start einer neuen Vorratshaltung vor, die mit insgesamt 12 Milliarden US-Dollar hinterlegt ist und Hersteller vor Lieferunterbrechungen schützen soll. Das Vorhaben trägt den Namen Project Vault und zielt darauf ab, die Abhängigkeit der USA von in China gewonnenen oder verarbeiteten Metallen zu verringern – ein Thema, das in mehreren Industriezweigen als zunehmend sensibel gilt.
Bestätigt wurde der Beginn von Project Vault am Montag durch das Weiße Haus. Geplant ist ein Modell, das dem Prinzip einer strategischen Reserve ähnelt, wie sie die USA aus dem Energiesektor kennen – nur dass diesmal nicht Öl, sondern Rohstoffe wie Gallium und Kobalt im Mittelpunkt stehen. Diese Materialien finden sich laut der Mitteilung in Produkten, die von Smartphones bis zu Triebwerks- und Luftfahrtanwendungen reichen. Entsprechend breit ist der Adressatenkreis: Project Vault richtet sich an Automobilhersteller, Technologieunternehmen und weitere industrielle Verbraucher.
Project Vault: So soll die Reserve funktionieren
Im Kern ist Project Vault als Puffer gegen größere Störungen in der Versorgungskette konzipiert. Unternehmen sollen Zugriff auf „zugeteilte“ Mengen erhalten, die im Rahmen der Reserve beschafft und gelagert werden. Nach dem beschriebenen Mechanismus dürfen Teilnehmer Materialien entnehmen, solange sie die Bestände wieder auffüllen. Bei größeren Versorgungsausfällen soll hingegen ein vollständiger Zugriff möglich sein – genau hier liegt der Charakter als strategische Absicherung.
Zudem setzt Project Vault auf Preis- und Planbarkeitselemente: Hersteller, die sich verpflichten, bestimmte Mengen zu festen Preisen abzunehmen, sollen sich im Gegenzug darauf festlegen, dieselben Mengen später zu denselben Kosten zurückzukaufen. Die Regierung verbindet damit das Ziel, Marktpreise zu stabilisieren und extreme Ausschläge abzumildern. Damit wäre Project Vault nicht nur ein Lager, sondern zugleich ein Instrument, das die kurzfristige Volatilität bei kritischen Mineralien dämpfen soll – zumindest in dem Umfang, in dem die Struktur von Industriepartnern getragen wird.
Das Projekt unterstreicht den Anspruch, Lieferketten in den Bereichen Automobil, Luftfahrt, Energie und Technologie robuster zu machen. Gleichzeitig zeigt die Konstruktion, dass die Regierung nicht nur auf direkte Staatskäufe setzt, sondern auch auf vertraglich abgesicherte Abnahme- und Rückkaufvereinbarungen, die den Bestand dauerhaft funktionsfähig halten sollen.
Finanzierung und Teilnehmer: Industrie und Rohstoffhändler an Bord
Finanziell ist Project Vault als Mischmodell angelegt: Laut Bestätigung aus Washington sollen 1,67 Milliarden US-Dollar aus privatem Kapital kommen, ergänzt um einen 10-Milliarden-US-Dollar-Kredit der Export-Import Bank of the United States. Zusammen ergibt das die genannte Größenordnung von 12 Milliarden US-Dollar, die für Ankauf und Einlagerung eingesetzt werden soll.
Mehr als ein Dutzend Unternehmen sollen dem Projekt bereits beigetreten sein. Genannt werden unter anderem General Motors, Stellantis, Boeing, Corning, GE Vernova sowie Google. Den Einkauf der Rohstoffe für die Befüllung des Bestands sollen laut Text spezialisierte Händler übernehmen – darunter Hartree Partners, Traxys North America und Mercuria Energy Group.
Aus Regierungskreisen hieß es zudem, Project Vault sei „überzeichnet“ – also stärker nachgefragt als ursprünglich vorgesehen. Als Gründe werden die Kreditqualität der teilnehmenden Hersteller, deren langfristige Abnahmezusagen sowie die Rückendeckung durch die US-Exportkreditagentur genannt. In der Logik des Projekts ist das entscheidend: Je belastbarer die Verpflichtungen der Teilnehmer, desto stabiler lässt sich die Reserve über längere Zeiträume betreiben, ohne dass sie bei Entnahmen dauerhaft „ausblutet“.
Politischer Rahmen: von der Verteidigung zur zivilen Industrie
Die USA verfügen bereits über eine nationale Reserve für Zwecke der Verteidigung, doch eine vergleichbare Vorratshaltung für die zivile Industrie fehlte bislang – genau diese Lücke soll Project Vault schließen. Zusätzliche Dringlichkeit entsteht laut Text auch dadurch, dass das United States Department of Defense seine eigene Vorratskampagne beschleunigt und kurzfristig Mineralienkäufe von bis zu 1 Milliarde US-Dollar anstrebt.
Flankiert wird das durch ein umfassenderes Gesetzespaket: Der sogenannte One Big Beautiful Bill Act stellt laut Darstellung 7,5 Milliarden US-Dollar für kritische Mineralien bereit. Davon sind 2 Milliarden US-Dollar vorgesehen, um den nationalen Bestand bis 2027 auszubauen, 5 Milliarden US-Dollar sollen in Lieferketteninvestitionen fließen, und 500 Millionen US-Dollar sind für ein Kreditprogramm des Pentagon zur Förderung privater Projekte eingeplant. Zudem wird erwähnt, dass die Administration in einem ungewöhnlichen Schritt direkt in heimische Bergbauunternehmen investiert, um die US-Produktion und -Verarbeitung von Seltenen Erden zu stärken.
Auch aus dem Kongress kommt Bewegung: Im vergangenen Monat brachten Abgeordnete beider Parteien einen Gesetzentwurf ein, der einen 2,5-Milliarden-US-Dollar-Vorrat an kritischen Mineralien schaffen soll – mit dem Ziel, Preise zu stabilisieren und inländischen Abbau sowie Raffinierung anzureizen.
Politisch sichtbar wird Project Vault zudem durch ein angekündigtes Treffen am Montag: Trump will demnach unter anderem mit Mary Barra sowie dem Bergbauunternehmer Robert Friedland sprechen – eine Konstellation, die Verbraucher- und Produzentenseite an einem Tisch zusammenführt.
Project Vault markiert damit einen weiteren Schritt in Richtung einer aktiv gesteuerten Rohstoffpolitik: Mit Lagerhaltung, Finanzierung über staatlich gestützte Kredite und verbindlichen Industrieabnahmen soll die Versorgungssicherheit für Schlüsselmaterialien erhöht und die Abhängigkeit von dominanten Verarbeitungs- und Lieferländern reduziert werden. Über die operative Wirkung wird letztlich entscheiden, wie schnell die Reserve gefüllt wird – und wie belastbar die beschriebenen Entnahme- und Auffüllregeln im Ernstfall funktionieren.