Das Jahr 2026 ist nur wenige Tage alt. Nicht einmal ein ganzer Monat ist ins Land gegangen und dennoch kann der Silberpreis bereits jetzt auf eine beachtliche Jahresperformance zurückblicken. Am 14. Januar überwand der Silberpreis in New York erstmals die Marke von 90 US-Dollar je Feinunze. Damit setzte sich die steile Rallye der letzten Wochen unbeirrt fort.
An den Handelsplätzen in Shanghai und Dubai, wo anders als in London und New York hauptsächlich physisches Silber gehandelt wird, war die Schwelle von 90 US-Dollar pro Unze schon Anfang Januar und damit wesentlich früher überschritten worden. Diese Diskrepanz kommt nicht von ungefähr, denn während in Asien die physische Nachfrage den Preis bestimmt, wird an den westlichen Börsen noch immer versucht, die Rallye mit einer Fülle von Papiersilber zu stoppen.
In den letzten Dezembertagen waren die Margin-Anforderungen an der COMEX in kurzer Folge zweimal kräftig angehoben worden. Damit gelang es, kurzfristig orientierte Trader, die auf einen steigenden oder fallenden Preis gesetzt hatten, aus dem Markt zu drängen. Dies führte zu den langen roten Kerzen, welche die letzten Dezembertage heute im Chart charakterisieren. Den Anstieg des Silberpreises dauerhaft stoppen, konnte die Maßnahme allerdings nicht.
Es sind nicht die Spekulanten, die den Silberpreis und die COMEX derzeit vor sich hertreiben
Heute erscheinen die Tage rund um den Jahreswechsel wie eine letzte Gelegenheit, Silber günstig einkaufen zu können, denn ausgehend vom Jahresschlusskurs von 2025 bei 71,54 US-Dollar kannte der Silberpreis im Januar fast nur den Weg gen Norden und jede noch so kleine Korrektur wurde sofort wieder gekauft.
Durch den Anstieg auf 90 US-Dollar, der am 14. Januar im asiatischen und europäischen Handel vollzogen wurde, entstand den Käufern vom 31. Dezember in gerade einmal zwei Wochen ein Gewinn von 18,46 US-Dollar pro Unze oder 25,8 Prozent, wenn exakt zum Schlusskurs des vergangenen Jahres gekauft und zu 90,00 US-Dollar wieder verkauft wurde.
Dies ist beeindruckend und wird nur noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Silber im Jahr 2025 bis zum 31. Dezember bereits einen Kursanstieg von 146,7 Prozent zu verzeichnen hatte, während Gold gleichzeitig „nur“ um 66 Prozent zulegen konnten. Eine ähnliche Diskrepanz war im vergangenen Jahr bei Platin und Palladium zu beobachten. Doch während Palladium „lediglich“ um 81,5 Prozent zulegen konnte, verzeichnete der Platinpreis einen Anstieg von 128,7 Prozent.
Die physische Knappheit ist der entscheidende Preistreiber
Platin und Palladium sind einander sehr ähnlich und können an vielen Stellen als Substitute verwendet werden. Dennoch stieg das Platin in 2025 deutlich stärker als das Palladium. Der Grund ist ähnlich wie beim Vergleich von Gold und Silber nicht nur der physische Bedarf der Industrie, sondern die Knappheit beim Angebot. Gold und Palladium gibt es derzeit genug, Platin und Silber sind hingegen knapp, weil die Produktion der Minen den aktuellen Bedarf nicht decken kann und die vorhandenen Lager nicht endlos geleert werden können.
Solange diese physische Knappheit nicht endet, spricht nicht viel dafür, dass die Preise für Silber und Platin langfristig wieder dauerhaft auf die früheren Niveaus zurückgehen. Kurzfristig kann der Markt jederzeit durch heftige Kursrückgänge erschüttert werden. Doch zu erwarten ist, dass diese Kursrückgänge umgehend Käufer auf den Plan rufen werden, die entweder Silber bzw. Platin für ihre Produktion zwingend benötigen oder die Edelmetalle als physisches Investment unbedingt besitzen möchten.
Sie werden diese Korrekturen als Kaufgelegenheiten empfinden und zugreifen, bevor es andere tun. Deshalb dürfte der Weg zurück in tiefere Preisregionen bis auf Weiteres erst einmal versperrt sein.
Wenn der Silberpreis von nun an nicht mehr steigt oder fällt, sondern auf seinem aktuellen Niveau verharrt und am 31. Dezember exakt bei 90,00 US-Dollar das Jahr 2026 beschließt, dürften viele Anleger vom weiteren Verlauf des Jahres 2026 enttäuscht sein. Aber Grund, über eine schlechte Jahresperformance von 25,8 Prozent zu schimpfen, hätte niemand.