China hat zum 1. Januar 2026 ein neues Exportsystem für Silber eingeführt. Es soll zunächst bis zum 31. Dezember 2026 gelten. (Wir berichteten.) Doch zu erwarten ist, dass diese Regelung verlängert wird, wenn sie den von der Regierung in Peking gewünschten Erfolg zeigt. Und sobald man etwas tiefer in die „technischen“ Aspekte dieser Neuregelung eintaucht, wird schnell deutlich, dass der strategische Erfolg dieser Maßnahme so sicher ist, wie das Amen in der Kirche.
Für China und auch für den gesamten Rest der Welt geht es an dieser Stelle um sehr viel, denn das Reich der Mitte hat in den letzten beiden Jahrzehnten nicht nur riesige Kapazitäten für die Raffination von Silber aufgebaut, sondern durch geschickte Verträge mit den Silberproduzenten auch dafür gesorgt, dass diese Kapazitäten ausgelastet sind.
Wie im Bereich der Herstellung von Solarmodulen hat China auch an dieser Stelle äußerst großzügig geplant und agiert. Es wurden nicht nur Kapazitäten aufgebaut, die über den chinesischen Inlandsbedarf weit hinausgehen, sondern man hat den Silber-, Blei- und Zinkminen auch Preise für ihr Erz oder Konzentrat gezahlt, die deutlich über dem Weltmarktpreis lagen.
Hohe Investitionen in eine mittelfristige strategische Dominanz
Diese Extravergütung wurde von den Produzenten dankend angenommen, denn die chinesischen Aufschläge halfen vielen Produzenten in den schwierigen Jahren vor 2024, wirtschaftlich zu überleben.
China hat zwar lange Zeit einen recht hohen Preis für diese Verträge bezahlt, doch der strategische Nutzen war zu jeder Zeit deutlich größer und rechtfertigte diese „Investitionen in eine strategische Dominanz“ am langen Ende. Die Folge war eine Entwicklung wie sie in den 1990er Jahren bereits im Bereich der Seltenen Erden zu beobachten war.
Das Zahlen von höheren Preisen an die Silberverkäufer vor allem aus Südamerika hatte zwei Konsequenzen, die der Regierung in Beijing sehr gut ins Konzept passten. Zum einen bildeten sich mit den Produzenten gute und tiefe Geschäftsbeziehungen aus. Sie einfach aufzugeben, macht heute für keine der beiden Seiten wirklich Sinn, wodurch gegenüber der westlichen Konkurrenz ein gewisser Burggraben entstand.
Seltene Erden als Vorbild für das Silber
Hinzu zu kam, dass die Konkurrenten aus Europa und den USA zunehmend aus dem Markt gedrängt wurden. Weil China bereit war, deutlich höhere Ankaufpreise für das Erz bzw. Konzentrat zu bezahlen, fanden sie immer weniger Material vor, das ihnen zum Verarbeiten zur Verfügung stand.
Dadurch entstanden negative Skaleneffekte für die westlichen Konkurrenten, während die chinesische Industrie durch die höheren Verarbeitungsmengen positive Effekte für sich zu verzeichnen hatte. Als Folge dieser Entwicklung zogen sich immer mehr Schmelzen im Westen aus dem für sie nicht mehr profitablen Geschäft zurück und schieden aus dem Markt aus.
China ist dadurch heute in der komfortablen Lage, für rund 70 Prozent des weltweit raffinierten Silbers verantwortlich zu sein. Die chinesische Dominanz ist damit nicht ganz so groß wie bei den Seltenen Erden, wo dieser Anteil bei rund 90 Prozent liegt, aber immer noch groß genug, um den Westen strategisch in der Hand zu haben. Denn wer darüber entscheidet, wer überhaupt Silber bekommt und wie viel, entscheidet mittelbar auch darüber, wie gut oder wie schlecht sich die Industrien anderer Länder entwickeln.