Pünktlich zum Beginn des Winterhalbjahrs, das traditionell die beste Zeit für steigende Gold- und Silberpreise ist, legten die Notierungen von Gold und Silber Anfang September wieder kräftig zu. Beendet wurde damit nicht nur eine rund drei Monate lange Korrekturphase, sondern Gold stürmte auf neue Allzeithochs vor und Silber vollzog mit dem Anstieg über die Marke von 40 US-Dollar je Feinunze den Vorstoß in eine Kursregion, die zuvor nur sehr selten und kurzzeitig erreicht worden war.
Zweimal in seiner Geschichte, einmal im Jahr 1980 und dann noch einmal im Jahr 2011, konnte Silber bis an die Marke von 50 US-Dollar vordringen. Beiden Vorstößen gemeinsam war, dass sie sehr steil verliefen und auch sehr kurzfristiger Natur waren. Kaum war die Marke von 50 US-Dollar je Unze erreicht, brachen die Notierungen auch schon wieder ein und die Buchgewinne der Anleger schmolzen schneller dahin als Eis in der Sonne.
Vor dem Hintergrund dieser Kurshistorie stellen sich heute viele Anleger durchaus zu Recht die Frage, ob es Silber in den nächsten Wochen ähnlich ergehen wie in den Jahren 1980 und 2011. Verschiedene Gründe deuten jedoch darauf hin, dass der Ausflug über die Marke von 40 Euro dieses Mal durchaus längerer Natur sein wird. Mehr noch es ist sogar zu erwarten, dass ein neuerlicher dauerhafter Rückfall unter die Marke von 40 US-Dollar nicht mehr auf der Tagesordnung stehen wird.

Silber: Gewichtige Gründe sprechen für eine Neubewertung
Nominal ist Silber seinem Allzeithoch bei 50 US-Dollar wieder sehr nahe gekommen. Doch inflationsbereinigt stellt sich die Situation ganz anders dar. Als das Silber im Jahr 1980 bei 50 US-Dollar erstmals ein Allzeithoch ausbildete, das 2011 nur um wenige Cent überboten wurde, notierte das Gold zeitgleich bei 800 US-Dollar und bildete auf diesem Niveau ein Allzeithoch aus, das anschließend über lange Jahre Bestand hatte.
Gold notiert heute jedoch vier Mal so hoch wie im Jahr 1980. Würde sich Silber in einer ähnlichen Lage befinden, müsste der Preis aktuell im Bereich von 150 bis 200 US-Dollar je Unze liegen. Von diesen Kursen sind wir allerdings noch meilenweit entfernt und selbst ein Vorstoß zur runden Marke von 100 US-Dollar je Unze ist für viele Anleger derzeit vollkommen unvorstellbar.
Dabei dürfte diese runde Marke schon bald zum nächsten übergeordneten Ziel für den Silberpreis werden. Der Grund für diese Erwartung ist folgender: Die physischen Silbermärkte stehen derzeit unter beispiellosem Druck. Aus den Tresoren der Londoner Metallbörse LBMA ist in den vergangenen Monaten beständig Silber abgeflossen. Es wurde dazu benutzt, die seit über fünf Jahren bestehende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen.
Überirdische Silberlager leeren sich und die Nachfrage bleibt hoch
Vorbei sind damit die Zeiten, in denen die überirdischen Silberlager noch gut gefüllt waren. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres gingen die Lagerbestände in London vom 827 Millionen Unzen auf 711 Millionen Unzen zurück und auch die die Silberbestände der COMEX in den USA erreichten vor dem Sommer mit 498 Millionen Unzen eine Zahl, die auf den ersten Blick als recht robust erscheint, im langjährigen Vergleich jedoch als niedrig anzusehen ist.
Ein weiterer Grund, der für eine Neubewertung des Silberpreises spricht, ist das Gold-Silber-Verhältnis. Es gibt an, wie viele Unzen Silber auf den Tisch gelegt werden müssen, um eine Unze Gold zu kaufen. Geologisch ist Silber in den oberen Schichten der Erdkruste 17 Mal häufiger anzutreffen als das Gold. Historisch war Gold allerdings zu den meisten Zeiten wesentlich gefragter als das Silber, sodass das Gold-Silber-Verhältnis lange Zeit im Bereich von 40 lag.
In den 1990er Jahren stieg die Ratio auf 50 bis 55 an und noch vor wenigen Jahren erreichte sie mit Werten von über 120 einen neuen Höhepunkt. Inzwischen hat Silber wieder etwas aufgeholt. Doch das Gold-Silber-Verhältnis ist mit aktuell 75 immer noch hoch und liegt deutlich über den Niveaus der 1990er Jahre. Solange dieses Niveau noch nicht erreicht ist, fällt es schwer, von einer Überbewertung des Silbers zu sprechen.
Die Chancen auf der Seite der Produzenten werden übersehen
Die Nachfrage nach silbergedeckten ETFs in den USA und Europa hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen und einen Rekordzufluss erreicht. In den ersten sechs Monaten des Jahres erhöhte sich ihr Bestand um 95 Millionen Unzen. Damit wurden die Höchststände früherer Haussen wieder erreicht.
Bislang noch nicht so sehr für sich entdeckt hat die Masse der Anleger die Aktien der Gold- und Silberproduzenten. Sie bieten traditionell einen Hebel auf die Entwicklung der Edelmetallpreise. Dass dieser Hebel auch in dieser Hausse funktioniert, zeigt die Entwicklung der letzten Wochen.
Allerdings bleibt festzuhalten, dass bislang noch nicht allzu viel Kapital in die Minen und Minenentwickler geflossen ist. Dieser Sektor bietet damit ungeachtet der Kursgewinne der letzten Monate immer noch attraktive Chancen, denn noch sind die meisten Unternehmen im Bergbausektor vergleichsweise niedrig bewertet.
Letzteres kann man vom breiten Aktienmarkt und den Technologieaktien nicht behaupten. Je mehr Anleger auf diese Unterbewertung aufmerksam werden und ihr Kapital entsprechend investieren, desto stärker wird die Rallye bei den Minen und Minenentwicklern an Fahrt aufnehmen.
An diesem Sektor interessierte Investoren sollten deshalb nicht nur immer wieder einen Blick auf die Kurse der großen Silberminen wie Couer Mining, First Majestic Silver oder Hecla Mining werfen, sondern einen Teil ihrer Aufmerksamkeit auch interessanten kleineren Produzenten wie Silvercorp Metals (WKN A0EAS0 / TSX SVM), Minenentwickler wie Silver Tiger Metals (WKN A2P4YL), Silver47 Exploration (WKN A408EQ) oder Prismo Metals (WKN A2QEGD) und den jungen Goldproduzenten Nicola Mining (WKN A3D3LF) werfen.