Ein Silberpreis, der fast nur noch steigt und seine wenigen Korrekturen in sehr kurzer Zeit beendet, zeigt nicht nur, dass die Käufer in dieser Marktphase für das Kursgeschehen absolut bestimmend sind. Er zeigt auch, dass die Macht der Wall-Street-Banken gebrochen ist. Sie werden derzeit regelrecht überrannt und in wenigen Tagen an die Wand gedrückt, wenn sie versuchen, die Spielchen, die in der Vergangenheit so wunderbar funktioniert haben, erneut zu spielen.
Verglichen mit anderen Finanz- und Rohstoffmärkten war der Silbermarkt schon immer ein relativ kleiner Markt und ist es noch immer. In kleineren Märkten wirkt sich bekanntlich eine gewisse Marktmacht deutlich stärker aus als in größeren Märkten, die von einem beständig hohen Handelsvolumen gekennzeichnet sind. Der Silbermarkt bot sich deshalb schon immer für Marktmanipulationen an.
In den späten 1970er Jahren begannen die Hunt-Brüder damit, Silber vom Markt zu nehmen und trieben damit den Preis in damals ungekannte Höhen. Anschließend wurden die Kurse für das Silber vor allem in die Gegenrichtung manipuliert, denn die großen Banken erkannten schnell, dass sie hohe Gewinne einfahren konnten, wenn sie in Phasen mit steigenden Silberpreisen auf fallende Kurse setzten und den Markt ab einem gewissen Zeitpunkt crashartig fallen ließen.
Die alten Mechanismen zur Unterdrückung des Silberpreises funktionieren nicht mehr
Diese Crashs kamen selten aus heiterem Himmel, denn sie waren in der Regel wohl orchestriert und gut geplant. Beliebte Zeiten für einen solchen Angriff waren Freitage. Meist begann der Angriff in den Nachmittagsstunden amerikanischer Ostküstenzeit, wenn die asiatischen Händler schliefen und die europäischen Kollegen sich ins bereits in das wohl verdiente Wochenende verabschiedet hatten.
Das Volumen war in diesen Zeiten deutlich dünner als an normalen Tagen und es bot den Manipulatoren eine leichte Angriffsfläche, indem in dieses dünne Volumen hinein eine Reihe größerer Verkaufsaufträge platziert wurde. Sie brachten den Kurs sofort unter Druck, denn ihnen standen keine Käufer gegenüber, die dieses unerwartete Angebot hätten aufnehmen können. Das Angebot bestand zudem fast nur aus Papiersilber. Echte Silbermünzen oder -barren wurden meist nicht verkauft.
Die so erzeugte Kaskade an fallenden Kursen löste sofort im Markt liegende Stopps aus, was den Verkaufsdruck weiter erhöhte. Algorithmen, die noch nicht abgeschaltet waren, nahmen die Bewegung auf, interpretierten das Geschehen als starken Verkaufsdruck und setzten ebenfalls auf fallende Kurse. Nach Börsenschluss stand ein Wochenende an, das auch ohne zusätzlichen Feiertag lang genug war, um mit kleinen Volumina den außerbörslichen Handel weiter unter Druck zu setzten, die Medien mit Kommentaren über eine neue Verkaufswelle zu füttern und verunsicherte Anleger weiter zu verängstigen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Dies alles geschah meist ohne, dass wirklich viel physisches Silber den Besitzer gewechselt hatte. Es war einzig und allein das Papiersilber, das diese Kurslawine ausgelöst hatte. Wenn es in der nachfolgenden Woche dann auch noch gelang, eine anhaltend negative Stimmung zum Silber aufzubauen und diese über einige Tage und Wochen aufrechtzuerhalten, war die Basis für eine lang anhaltende Talfahrt des Silberpreises meist gelegt.
Die Gewinne waren hoch und das Risiko für die Banken gering, solange die physische Nachfrage nach Silber vergleichsweise gering war und durch das in den Lagern vorhandene Silber leicht gedeckt werden konnte. Diese beiden Bedingungen sind heute jedoch nicht mehr gegeben. Schon seit mehr als fünf Jahren übersteigt die Nachfrage nach Silber das von den Minen und aus dem Recycling bereitgestellte Silber deutlich und die Lager sind vergleichsweise leer.
Früher kämpften die Banken mit Papier gegen verunsicherte Kleinanleger und institutionelle Fonds, die auch nur an einem Geldgewinn aber ganz bestimmt nicht an physischem Silber interessiert waren. Heute stehen den Banken jedoch Industrieunternehmen wie Tesla, First Solar oder Samsung gegenüber und Investoren, die echtes Silber als Absicherung erwerben möchten, und ebenfalls an Papiersilber nicht das geringste Interesse haben.
Das echte physische Silber bricht die Macht der Banken
Beide Käufergruppen haben einen Bedarf an Papiersilber, der gegen null geht. Für sie zählt allein das physische Silber und dieses fordern sie am Ende der Laufzeit, wenn der Futures-Kontrakt fällig wird und der Verkäufer das versprochene Silber liefern muss, immer häufiger ein.
Wenn man jetzt noch weiß, dass an den westlichen Metallbörsen jeder tatsächlich physisch vorhandenen Unze Silber weit mehr als 200 Unzen Papiersilber gegenüberstehen, dann wird schnell verständlich, warum die Banken am Silbermarkt plötzlich ausgespielt haben. Die einst so mächtigen und teilweise unantastbaren Banken stehen ziemlich schnell mit ziemlich leeren Händen dar, wenn auch nur ein Prozent der Käufer plötzlich drauf besteht, das echte Silber zu erhalten und nicht mehr bereit ist, sich mit Geld abspeisen zu lassen.
Noch ist es zu früh, um ein abschließendes Urteil zu fällen. Doch wir könnten gerade die Zeugen des entscheidenden Kampfes sein, in dem die vielen kleinen Silberkäufer das einst so mächtige Bankenkartell zu Fall bringen, indem sie einfach nur das tun, was sie immer getan haben: echtes physisches Silber zu kaufen und dieses dauerhaft vom Markt zu nehmen.