Liegt der wahre Preis einer Unze Gold aktuell bei 39.210 oder 184.211 USD?

Gold Barren Stapel warm glänzend

Für jedes Unternehmen kann man mit Hilfe von fundamentalen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) relativ leicht und auch jenen Preis berechnen, der dem fairen Unternehmenswert entspricht. Auch wenn der tatsächliche Tageskurs an der Börse von diesem Preis immer wieder abweicht – zum Teil auch sehr deutlich – besteht über die Berechnung der entsprechenden Kennzahlen selbst unter den Anlegern kein Zweifel.

Schwieriger wird es, den wahren Wert eines Anlagegutes zu ermitteln, wenn wie Gold oder Silber überhaupt keine fundamentale Kennzahl ermittelt werden kann. Als Ausweg werden dann oft relative Kennzahlen berechnet wie beispielsweise die Gold-Silber-Ratio. So wird dann wenigstens besser sichtbar, ob eine Anlageform relativ zu einer anderen als eher teuer oder preiswert anzusehen ist. Diese relativen Kennzahlen bieten dem Anleger zwar eine gewisse Orientierungshilfe, einen absoluten Maßstab erhält man durch sie allerdings nicht.

Das Emerging Markets Bond Team der Fondsgesellschaft VanEck hat sich an dieser Stelle jüngst etwas weiter aus dem Fenster gelehnt und ist der Frage nachgegangen, wie hoch der Preis einer Feinunze Gold sein müsste, wenn das ausgegebene Geld wie einst zu Zeiten des Goldstandards durch das gelbe Metall gedeckt sein müsste. Obwohl die Analysten betonen, dass sie nicht mit einer Wiedereinführung des Goldstandards rechnen, geben die Ergebnisse ihrer Studie dennoch reichlich Anlass zum Nachdenken, denn die EZB hätte in diesem Fall ein gewaltiges Problem und es wäre nur ein schwacher Trost, dass das Problem der US-Notenbank, der Bank of England und der Bank of Japan nochmals um einiges größer wäre.

Je weiter die Volkswirtschaften entwickelt sind, desto gefährdeter sind ihre Währungen

Bis zum August 1971 waren alle Währungen an den US-Dollar gekoppelt und dieser wiederum an das Gold. Als er den US-Dollar vom Gold löste, erklärte der damalige US-Präsident Richard Nixon, dass dieser Schritt nur „vorübergehend“ sei. Eine Rückkehr zum Goldstandard wäre damit – zumindest theoretisch – jederzeit möglich. Aber was wäre, wenn man sie morgen tatsächlich wieder vollziehen würde? Dieser Frage ist das VanEck-Team nachgegangen und Ergebnisse sind durchaus schockierend.

Eine absurde Frage? Keineswegs. „In der modernen Finanzgeschichte war dies meist keine hypothetische Frage“, merken die Analysten von VanEck an. „Unter dem klassischen Goldstandard war Papiergeld lediglich ein Anspruchscheck für physisches Gold in einem Tresor. Diese Verbindung wurde 1971 vollständig gekappt, wodurch die Welt zu einem „Fiat“-System überging, in dem Geld nur durch Regierungsbeschluss gedeckt ist.“

Das wirft die Frage auf, wie hoch der Goldpreis wäre, müsste die globale Geldmenge durch ihn gedeckt sein. Als Antwort bietet es sich an, das ausgegebene Geld durch die Goldreserven eines Landes bzw. Währungsraums zu dividieren. Umstritten dürfte allerdings sein, auf welche Geldmengen dabei abgestellt wird, denn je nach dem, welche Größe gewählt wird, ergibt sich ein anderes Bild.

VanEck stellt die Geldmengen M0 und M2 in den Mittelpunkt seiner Überlegungen

Das VanEck-Team hat sich daher entschieden, für alle Länder die Geldmengen M0 und M2 als Vergleichsmaßstäbe heranzuziehen. Die Geldmenge M0 stellt die Geldbasis dar. Sie besteht aus dem Bargeld, also Münzen und Banknoten, und den Bankreserven. Sie werden bei einem klassischen Banken-Run von den Menschen als erstes zurückverlangt. Die Geldmenge M2 ist die Geldmenge im weiteren Sinn, denn sie umfasst zusätzlich zur Geldmenge M0 auch die Spareinlagen und die Geldmarktfonds. In den modernen Finanzkrisen wie 2008 oder 2020 stellte sie die breitere Liquidität dar, die das System zu schützen versuchte.

Dividiert man die Geldverbindlichkeiten M0 und M2 durch die vorhandenen Goldreserven ergeben sich zwischen den einzelnen Ländern und Währungsblöcken dramatische Differenzen. In den USA müsste beispielsweise der Goldpreis auf 39.210 US-Dollar pro Unze ansteigen, wenn die in Fort Knox eingelagerten 8.100 Tonnen Staatsgold die ausgegebene Geldmenge M0 vollständig decken sollen. Soll Gold sogar die erweiterte Geldmenge M2 vollständig decken, müsste der Goldpreis auf 184.211 US-Dollar ansteigen.

Nochmals dramatischer wäre die Situation in Japan und Großbritannien. Hier ist das Verhältnis der vorhandenen Goldreserven zum ausgegebenen Geld besonders ungünstig. So müsste beispielsweise in Japan eine Feinunze Gold 301.000 US-Dollar kosten, soll die gesamte Geldmenge M2 durch sie gedeckt werden. In Großbritannien steigt dieser Wert sogar auf 428.000 US-Dollar, während er in der Eurozone „nur“ bei 53.000 US-Dollar liegt.

Russland und Kasachstan wären fein heraus

Müsste morgen wieder international verbindlich ein Goldstandard eingeführt werden, hätten Länder wie Russland und Kasachstan hingegen damit nicht das geringste Problem, denn sie verfügen über so viel Gold, dass sie die ausgegebenen Geldmengen M0 und M2 zu sehr viel niedrigeren Bewertungen decken können. Sie könnten ihre Währungen bereits zum aktuellen Goldpreis auf einen neuen Goldstandard umstellen.

Vorteilhaft stellt sich die Situation auch noch für Südafrika, die Türkei, Polen, Saudi-Arabien und Thailand dar. Ihr Goldbesitz deckt die ausgegebenen Geldmengen zwar nicht mehr vollständig, aber immerhin noch weitgehend. Dies unterstreicht, dass viele Schwellen- und Entwicklungsländer in den letzten Jahrzehnten eine sehr viel vorsichtigere Geldpolitik verfolgt haben als die westlichen Industrieländer einschließlich China.

Für die Analysten von VanEck sind diese Berechnungen keineswegs nur eine akademische Übung, sondern sie werden im Jahr 2026 wirklich von Bedeutung sein, denn die Welt ist definitiv in eine Ära der fiskalischen Dominanz eingetreten. „Die entwickelten Märkte kämpfen mit hohen Staatsschulden, was die Zentralbanken dazu zwingt, mehr Geld zu ‚drucken‘, um das System liquide zu halten“, schreiben die Analysten von VanEck. „Da der Berg an Papiergeld ins Unendliche wächst, muss der Wert des endlichen Vermögenswerts Gold theoretisch steigen, um Schritt zu halten.“

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