Rücksetzer mit Ansage: Gold und Silber bauen Überhitzung ab

Gold und Silber Barren Norsemont Mining

Gold und Silber haben vor dem Wochenende einen drastischen Rückschlag erlebt: Gold gab um mehr als 10% nach, Silber sogar um mehr als 30%. Die Heftigkeit der Bewegung wirkt auf den ersten Blick außergewöhnlich – doch Analysten betonen, dass die Volatilität angesichts der vorangegangenen Übertreibungen nicht überraschend komme. Beide Edelmetalle hätten sich im Januar technisch deutlich „überdehnt“, nachdem die Preise in kurzer Zeit in extreme Höhen gelaufen waren.

Bemerkenswert ist die zeitliche Abfolge: Der größte Tagesverlust in der Geschichte des Goldpreises folgt dem Bericht zufolge nur zwei Tage nach dem größten Tagesgewinn. Auf dem Hoch am Donnerstag notierte Gold bei 5.602 US-Dollar je Unze und lag damit im Januar rund 29,5% im Plus. Silber erreichte zwischenzeitlich ein Allzeithoch im Tagesverlauf oberhalb von 121 US-Dollar und verbuchte im Januar einen Zuwachs von 68,5%. In dieser Geschwindigkeit sei ein solcher Trend, insbesondere in den ersten Wochen eines Jahres, kaum dauerhaft zu halten, so die Einschätzung aus dem Markt.

Goldpreis unter Druck: Überhitzung, Positionierung und dünne Liquidität

Die jüngsten Ausschläge werden von mehreren Experten vor allem als Folge technischer Faktoren eingeordnet. Neil Welsh, Leiter des Metallhandels bei Britannia Global Markets, spricht von „unglaublich volatilen“ Tagen quer über den Metallkomplex. Für Gold und Silber sei der Rücksetzer angesichts Tempo und Größenordnung der Januar-Rallye nicht unerwartet. Beide Märkte seien technisch überkauft gewesen; Positionierung, Leverage und Optionsaktivität hätten Niveaus erreicht, die häufig bei kurzfristigen Spitzen zu beobachten seien.

Auch die Marktstruktur habe die Bewegungen verstärkt. Ole Hansen von Saxo Bank verweist darauf, dass die starken Monatsgewinne die Handelsbedingungen zunehmend erschwert hätten. Market Maker hätten weniger Bereitschaft gezeigt, Risiko zu übernehmen. Das führe zu dünnerer Liquidität und größeren Spreads – und damit zu stärkeren Ausschlägen, wenn Verkaufs- oder Kaufwellen einsetzen.

Aus dieser Perspektive wirkt der Einbruch nicht wie ein isoliertes Ereignis, sondern wie eine Reaktion auf eine zuvor extrem einseitige Marktbewegung. Matthew Piggott von Metals Focus ordnet die Januar-Rallye als Phase „irrationaler Euphorie“ ein und sieht den aktuellen Abverkauf – trotz seiner Härte – eher als Korrekturmechanismus nach einer Übertreibung.

Silberpreis fällt stärker: Hebelwirkung und Marktmechanik im Fokus

Dass der Silberpreis prozentual deutlich stärker nachgab als der Goldpreis, passt in das Bild eines Marktes mit höherer Schwankungsanfälligkeit. Silber reagiert häufig empfindlicher auf Positionsabbau, weil Liquidität und Markttiefe in Stressphasen schneller austrocknen können. Wenn gleichzeitig viele kurzfristige Positionen abgebaut werden und Optionsstrukturen angepasst werden müssen, kann das Bewegungen zusätzlich beschleunigen.

Trotz der außergewöhnlichen Verkaufssignale halten viele Marktbeobachter den übergeordneten Trend für nicht automatisch gebrochen. Welsh betont, die makroökonomischen Kräfte, die Gold, Silber und auch Kupfer getragen hätten, seien weiterhin präsent. Er beschreibt die Episode als Korrektur der Positionierung innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends – verbunden allerdings mit der Erwartung breiterer Handelsspannen. Diese Sichtweise läuft darauf hinaus: Auch wenn die Märkte kurzfristig „Luft ablassen“, rechnen einige Analysten damit, dass Rücksetzer auf Nachfrage treffen könnten, sobald die technische Lage bereinigt ist.

Bei der Frage, wo der Goldpreis in einem solchen Szenario Halt finden könnte, nennen Marktbeobachter konkrete Marken. Ipek Ozkardeskaya von Swissquote sieht Potenzial für einen Test von Unterstützungen um 4.600 US-Dollar je Unze. Alex Kuptsikevich von FxPro richtet den Blick zunächst auf 4.700 US-Dollar. Beide Marken werden im Kontext technischer Orientierungspunkte genannt – nicht als Prognose, sondern als Zonen, in denen Marktteilnehmer verstärkt auf Preisreaktionen achten.

US-Geldpolitik rückt in den Vordergrund: Warsh-Nominierung und Zinsdebatte

Neben technischen Faktoren spielt laut Bericht auch die Erwartungshaltung zur US-Konjunktur und zur Zinsentwicklung eine Rolle. Als zusätzlicher Auslöser wird die politische Komponente genannt: Donald Trump kündigte demnach an, Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve nominieren zu wollen. Warsh war 2006 bereits Governor der Notenbank, und einige Beobachter verbinden mit seiner Personalie die Hoffnung auf mehr Stabilität in der US-Geldpolitik.

Charlie Ripley von Allianz Investment Management bezeichnet die Nominierung als potenziell wegweisend für die Ausrichtung der Geldpolitik und das Mandat der Notenbank. Zugleich wird Warsh als „Inflationsfalke“ beschrieben – wobei Marktteilnehmer nicht davon ausgehen, dass er grundsätzlich im Widerspruch zur bekannten Position Trumps stünde, niedrigere Zinsen sehen zu wollen. Thu Lan Nguyen von Commerzbank argumentiert in diesem Zusammenhang, der politische Druck auf die Notenbank könne anhalten. Das stütze aus ihrer Sicht die Annahme, dass Zinssenkungen am Ende stärker ausfallen könnten als vom Markt derzeit eingepreist.

Gleichzeitig bleiben die Erwartungen uneinheitlich. Der Bericht verweist darauf, dass das CME FedWatch Tool für 2026 weiterhin eine erste Zinserhöhung im Juni und insgesamt nur zwei Zinssenkungen für das Gesamtjahr signalisiere. BNP Paribas wiederum erwartet laut Text, dass die Notenbank die Zinsen 2026 unverändert lässt, nachdem das FOMC Ende Januar den Leitzinskorridor bei 3,5% bis 3,75% belassen habe.

Zusätzliche Komplexität bringen neue Inflationsdaten: Die Erzeugerpreise seien im Dezember deutlich gestiegen; der Gesamtindex legte demnach im Jahresvergleich um 3,0% zu, der Kernwert (ohne Lebensmittel und Energie) um 3,3%. In der kommenden Woche könnte der US-Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls) die Zinserwartungen weiter verschieben. Zudem stehen die ersten Sitzungen des Jahres bei der Reserve Bank of Australia, der European Central Bank und der Bank of England an – Termine, die in einem ohnehin nervösen Umfeld zusätzliche Impulse liefern können.

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