Der Goldpreis erhält laut dem World Gold Council (WGC) derzeit spürbaren Rückenwind aus dem geopolitischen Umfeld. Nach einem holprigen Start ins Jahr 2026 habe sich das Edelmetall rasch wieder in seinen übergeordneten Aufwärtstrend zurückgearbeitet. In seinem aktuellen „Weekly Markets Monitor“ verweist der WGC darauf, dass Gold in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres bereits drei neue Allzeithochs markiert hat – trotz typischer Belastungsfaktoren zum Jahreswechsel wie steuergetriebenen Verkäufen, Portfolio-Umschichtungen und der üblichen Volatilität im Edelmetallsektor.
Aus Sicht der Analysten ist dabei entscheidend, dass geopolitische Preisspitzen, die früher oft nur kurz anhielten, inzwischen häufiger auftreten. Wiederkehrende Spannungsphasen würden sich zunehmend als höhere Risikoprämie im Markt „einpreisen“ – ein Umfeld, das den Goldpreis strukturell stützt. Zusätzlich habe die Nachricht von einer Anklage der Trump-Regierung gegen die US-Notenbank in der laufenden Woche für einen weiteren Impuls gesorgt und den Spotpreis von Gold bis auf 4.600 US-Dollar je Unze getrieben.
Goldpreis profitiert von Risikoprämien und politischem Rückenwind
Der WGC beschreibt die aktuelle Lage als eine Mischung aus politischer Unsicherheit und Märkten, die auf wiederkehrende Störfaktoren sensibler reagieren. Während kurzfristige Ausschläge in der Vergangenheit häufig rasch wieder abklangen, würden die häufigeren geopolitischen Spannungsereignisse inzwischen dauerhaftere Spuren im Preisgefüge hinterlassen. Genau davon profitiere der Goldpreis, der als „gelbes Metall“ in Phasen erhöhter Unsicherheit traditionell stärker nachgefragt wird.
Bemerkenswert sei aus Sicht der WGC-Analysten, dass Gold den Jahreswechseleffekt – also Gewinnmitnahmen, steuerbedingtes „Tax Loss Selling“ und Rebalancing – vergleichsweise gut überstanden habe. Der Markt habe damit früh im Jahr ein Signal gesendet, dass die übergeordnete Trendrichtung weiterhin intakt ist. Der Anstieg auf 4.600 US-Dollar wird in dem Bericht zudem ausdrücklich in einen Kontext gestellt, in dem politische Nachrichten kurzfristig eine stärkere Rolle spielen als klassische, rein fundamentale Faktoren.
World Gold Council: Technische Marke für „extrem überkauft“ liegt erst bei 4.770 US-Dollar
Neben dem Nachrichtenfluss legt der World Gold Council in seinem Wochenbericht einen Schwerpunkt auf das Chartbild. Nach Einschätzung der Analysten gilt der Goldpreis trotz der jüngsten Rekorde aus technischer Sicht noch nicht als „extrem überkauft“, solange er unterhalb von 4.770 US-Dollar je Unze bleibt. Diese Marke leiten sie aus einem Muster ab, das sich im vierten Quartal herausgebildet habe. Zwar erkennt der WGC Anzeichen von Ermüdung sowie auseinanderlaufende Momentum-Signale, dennoch habe sich der Markt bislang nur „leicht“ zurückgesetzt und anschließend wieder neue Hochs erreicht.
Als wichtige kurzfristige Orientierung nennen die Analysten die steigende exponentielle, gleitende 13-Tage- Durchschnittslinie, die aktuell bei 4.447 US-Dollar verortet wird. Dass der Goldpreis dieses Niveau gehalten habe, werten sie als Bestätigung, dass die jüngste Konsolidierung eher eine Pause innerhalb des Kernaufwärtstrends gewesen sein könnte. Auf der Oberseite sehen sie den Bereich um 4.600 US-Dollar als nächsten Widerstand. Außerdem verweisen sie auf eine weitere Kenngröße: Das obere Ende dessen, was sie als „typische“ Überkauft-Extreme bezeichnen – 25% über dem 200-Tage-Durchschnitt – liege knapp darunter bei 4.585 US-Dollar.
Gleichzeitig warnt der WGC davor, dass gerade im Bereich um 4.600 US-Dollar eine erhöhte Rückschlaggefahr nicht auszuschließen sei. Allerdings sei die Positionierung im Markt noch nicht auf einem Extremniveau. Der aus dem Oktober/Dezember 2025 abgeleitete Widerstand aus einem Dreiecksmuster werde weiterhin höher bei 4.770 US-Dollar gesehen. Auf der Unterseite würde ein Bruch der Unterstützung bei 4.447 US-Dollar – und anschließend bei 4.408 US-Dollar – die unmittelbare Aufwärtsneigung abschwächen. Weitere Unterstützungen verortet der WGC bei 4.345 US-Dollar sowie in einer Zone zwischen 4.275 und 4.265 US-Dollar.