Stand: 18.12.2025 von Florian Grummes
Das Jahr 2025 markierte das glanzvolle Comeback der Edelmetalle – spektakulär, nachhaltig und unerschütterlich. Während die Welt zwischen geopolitischer Unsicherheit, rekordhohen Schulden, einer Ausweitung der Geldmenge und der Rückkehr der Inflation taumelte, suchte das Kapital weltweit Schutz in Gold, Silber und Platin.
Der Aufschwung dieser drei Edelmetalle ist mehr als nur eine Rallye – er markiert eine tektonische Verschiebung im globalen Finanzsystem hin zu realen, greifbaren und beständigen Werten. Gleichzeitig wird der dramatische Kaufkraftverlust aller Fiat-Währungen sichtbar. Dadurch verschiebt sich die Preisfindung – und damit auch die Macht – weiter gen Osten, denn China kontrolliert zunehmend die Gold- und Silberströme. Hinzu kommt Indien als historisch großer Nachfrager, während Russland seine Handelsströme ebenfalls zunehmend nach Asien verlagert. Dieses historische Auseinanderdriften vom angelsächsischen Imperialismus der letzten 200 Jahre ist die Geburtsstunde eines neuen, multipolaren Preis- und Währungssystems, in dessen Zentrum Gold steht.
Gold – Triumphzug wird sich fortsetzen
Nach dem entscheidenden Ausbruch über die mehrjährige Widerstandszone um 2.075 US-Dollar begann im Frühjahr 2024 eine Bilderbuch-Rallye, die das Metall innerhalb von 21 Monaten bis auf 4.380 US-Dollar trieb. Dabei hob der Goldpreis im Jahr 2025 endgültig ab und konnte auf Jahressicht von 2.620 bis auf aktuell 4.325 US-Dollar um rund 1.705 US-Dollar bzw. 65 % zulegen. Auf Euro Basis verteuerte sich die Feinunze um 46,7 %. Nach wie vor befindet sich Gold souverän und ungefährdet in einem langfristigen Aufwärtstrend.
Das große Finale des seit 2001 andauernden säkularen Bullenmarktes ist trotz der kräftigen Kursanstiege noch längst nicht in Sicht – die geldpolitischen Rahmenbedingungen sprechen stattdessen eindeutig für eine anhaltende und sich beschleunigende Entwertung des Fiat-Geldes. Angesichts der unglaublichen Geld-Konfetti-Party der letzten Jahrzehnte dürfte es noch Jahre dauern, bis Gold dank seiner dann stark gestiegenen Preise wieder einen nennenswerten Teil des internationalen Finanzsystems abdeckt.

Technisch gesehen befindet sich der Goldpreis seit Ende Oktober unterhalb seines neuen Allzeithoch bei 4.380 US-Dollar in einer gesunden Konsolidierung. Der scharfe Rücksetzer von fast 500 US-Dollar auf 3.886 US-Dollar wurde in den letzten sieben Wochen nahezu vollständig wieder aufgeholt
Bis zum Allzeithoch fehlen aktuell noch rund 55 US-Dollar bzw. nicht mal 1,3 %. Sobald der absehbare Ausbruch nach oben gelingt, dürfte die neue Rallye den Goldpreis bis an die nächste Zielzone im Bereich um ca. 5.000 bis 5.200 US-Dollar bis zum Frühling bzw. Frühsommer 2026 führen.
Entscheidend ist aber nicht nur der Preis, sondern auch die Marktstruktur, denn immer mehr Kapital zieht sich aus überbewerteten Technologieaktien, spekulativen Kryptotoken und realwertschwachen Anleihen zurück und fließt – ungeachtet kurzfristiger Preisschwankungen – in physische Vermögenswerte.
Die tonangebende Rolle spielt dabei die Volksrepublik China. Mit diskreten, aber massiven Käufen über Zentralbank, Staatsfonds und private Kanäle baut Peking seine Goldreserven kontinuierlich aus. Schätzungen zufolge könnten sie längst 5.000 Tonnen übersteigen. Damit untermauert China seine strategische Absicht, den Yuan durch Edelmetall-Bindung langfristig zu stärken. Der wachsende Einfluss der Shanghai Futures Exchange (SHFE) auf die Preisbildung bestätigt diese tektonische Verschiebung.
Silber – Wie im Rausch

Während der Goldpreis als Anführer die Grundlage schaffte, lieferte der Silberpreis mit einem Jahresplus von +128 % die spektakulärste Performance. Auf Euro Basis stiegen die Preise um 99,6 % an. Insbesondere gelang in diesem Jahr der Ausbruch über die 45 jährige Widerstandsmarke von 50 US-Dollar. Seitdem kennt der Silberpreis kein Halten mehr und die Notierungen schnellten in der Spitze bis auf 66,89 US-Dollar.
Zwar wirkt die Ausgangslage stark überkauft, doch der steile Kursanstieg resultiert nicht primär aus übertriebener Spekulation, sondern vor allem aus physischer Knappheit. So kollabierten in den letzten zwei Monaten die Lagerbestände an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) und der Shanghai Gold Exchange (SGE) um fast 50 %.
Zeitgleich fielen die frei verfügbaren Bestände der LBMA in London auf ein Mehrjahrestief. Diese physische Knappheit entlarvt die Diskrepanz zwischen Papier- und Realmarkt, denn die weltweiten Derivatemärkte handeln täglich ein Vielfaches der tatsächlich vorhandenen Menge an Silber. In London sollen bis zu 700 Mio. Unzen „synthetisches“ Silber gehandelt werden – ohne echte reale Deckung. Dieses Missverhältnis stößt nun an seine strukturellen Grenzen und könnte 2026 einen „Short Squeeze“ historischen Ausmaßes auslösen.
Kurzfristig liegt unser Kursziel im Bereich um 70 bis 72,50 US-Dollar. Aber auch ein Durchbruch über diese Zone wäre angesichts der Ausgangslage und Marktdynamik im Laufe des kommenden Jahres durchaus möglich. Mittelfristig erwarten wir Kurse oberhalb von 100 US-Dollar. Langfristig halten wir Silberkurse zwischen 250 und 500 US-Dollar für möglich.
Platin – Historische Chance des heimlichen Stars
Während die stark schwankenden Gold- und Silberpreise im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, entwickelte sich Platin still und leise zum heimlichen Star des Jahres. Mit einem Preisanstieg von 112 % in US-Dollar bzw. 87,5 % auf Euro-Basis, ist Platin aus seinem langen Dornröschenschlaf erwacht. Seit dem Ausbruch über den 19-jährigen Abwärtstrend sind die Platin-Notierungen seit Anfang Mai steil angezogen. Bis zum Allzeithoch (2.302 US-Dollar) fehlen aktuell noch rund 350 US-Dollar bzw. 18,35 %.

Trotz der Kursexplosion wird Platin aber weiterhin mit einem historischen Bewertungsabschlag gegenüber Gold gehandelt. Denn obwohl Platin rund 30 mal seltener auf der Erde vorkommt, kostet es aktuell nicht mal halb so viel wie Gold. Genau gesagt kauft eine Unze Gold aktuell rund 2,3 Unzen Platin. Damit liefert das stark unterbewertete Platin nach wie vor eine einmalige Investmentchance.
Das Besondere: Platin befindet sich im dritten Jahr eines strukturellen Defizits. Seit 2023 wurden weltweit 2,5 Mio. Unzen mehr verbraucht als produziert. Die Lager decken nur noch rund vier Monate Nachfrage, während die Leasingraten in London auf über 25 % explodierten. Gleichwohl produzieren nur drei Länder 92 % des globalen Angebots, allen voran Südafrika, dessen Platin-Förderung auf ein 25‑Jahrestief gefallen ist.
Noch brisanter: Die EU zog überraschend das Verbot von Verbrennungsmotoren für 2035 zurück. Damit bleibt die Nachfrage nach Platinkatalysatoren im Automobilsektor mindestens ein Jahrzehnt länger stark. China – wieder als strategischer Faktor – akkumuliert massiv, mit Schätzungen von vier Millionen Unzen, rund 80 % der weltweiten Lager.Platin dürfte in den kommenden Jahren spektakulär ansteigen und mit dem Goldpreis mindestens gleichziehen.
Fazit: Zwischen Knappheit und Vertrauenskrise in 2026
Für das kommende Jahr zeichnen sich mehrere Trends ab:
- bleibt die physische Verfügbarkeit knapp, insbesondere bei Silber und Platin
- setzen Zentralbanken ihre Entdollarisierung fort und kaufen weiter Gold
- wachsen zunehmend Zweifel an den westlichen Finanzarchitekturen – eine Entwicklung, die Anleger noch stärker in „harte“ Assets treiben wird.
Edelmetalle bleiben die ultimativen Gewinner in einer Welt, die von Schulden, geopolitischer Unsicherheit und digitaler Schein-Liquidität geprägt ist.
Unter diesen Umständen ist ein weiterer Preisanstieg sehr wahrscheinlich. Gold könnte schon in den kommenden zwei bis sechs Monaten auf ca. 5.200 US‑Dollar steigen, Silber auf mindestens 72 US‑Dollar und Platin auf über 2.500 US‑Dollar. Außerdem sollten auch die Minenaktien ihr Kursfeuerwerk fortsetzen.
Neben den Edelmetallen dürften auch andere Rohstoffe wie Kupfer und Öl verstärkt in den Fokus rücken und im Zuge des sich anbahnenden Rohstoff-Superzyklus kräftig haussieren.
Ein goldenes Weihnachtsgefühl
In dieser vorweihnachtlichen Zeit erinnert uns der Glanz der Edelmetalle an etwas Grundsätzliches: Beständigkeit, Vertrauen und Wert. In einer Zeit der Geldmengenausweitung, des digitalen Überflusses und der künstlichen Intelligenz fungieren Gold, Silber und Platin als zeitlose Anker.
2025 war nur der Auftakt – 2026 könnte das Jahr werden, in dem Edelmetalle endgültig ihren Platz im Zentrum des globalen Finanzsystems zurückerobern.