Gold hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Rallye hingelegt – dabei wurde nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, engl. BIS) der jüngste Goldpreisanstieg aber maßgeblich von Privatanlegern getrieben. In ihrem aktuellen Quartalsbericht zeichnen die Ökonomen ein Bild, in dem Gold zunehmend wie ein riskanteres Spekulationsobjekt agiert und sich zeitweise von seiner traditionellen Rolle als „Sicherer Hafen“ entfernt hat.
Seit Anfang September, dem Beginn des Analysezeitraums der BIZ, ist der Goldpreis um rund 20 % gestiegen. Auffällig: Gold legte in dieser Phase parallel zu Aktien und anderen Risikoanlagen zu – ein Muster, das historisch eher untypisch ist. Für Investoren, die Gold vor allem als Stabilitätsanker im Portfolio sehen, setzt die Einschätzung der BIZ wichtige Akzente.
Gold verhält sich laut BIZ weniger wie ein klassischer sicherer Hafen
Im Mittelpunkt der Analyse steht die Beobachtung, dass die jüngste Gold-Rallye zwar von professionellen Marktteilnehmern mit Absicherungsbedarf angestoßen worden sein könnte, aber vor allem durch trendfolgende Käufe von Privatanlegern an Dynamik gewonnen hat. Die BIZ verweist auf Portfolioströme, die auf einen starken Zufluss von Kapital durch sogenannte „trend-chasing investors“ hinweisen – Anleger, die der medialen Aufmerksamkeit rund um Gold folgen und kurzfristige Kursbewegungen verstärken.
Normalerweise zeigt Gold in Phasen kräftiger Aktienrallyes eher eine gedämpfte oder sogar gegenläufige Entwicklung, weil das Interesse an sicheren Häfen abnimmt. Dieses Mal jedoch verzeichneten Gold und Aktien gleichzeitig sehr starke Kursgewinne. Die BIZ spricht davon, dass Gold und Aktien gemeinsam in eine „explosive Phase“ eingetreten seien – ein Muster, das es laut ihren Daten in den vergangenen 50 Jahren in dieser Form kaum gegeben hat.
Solche „explosiven“ Phasen sind aus Sicht der BIZ ein typisches Kennzeichen möglicher Blasenbildung. Historische Beispiele wie die Goldhausse von 1980 zeigen, dass auf eine Phase überzogener Kursanstiege häufig eine scharfe und oft abrupt einsetzende Korrektur folgt. Die Analysten betonen allerdings, dass sich diese Korrektur sowohl sehr schnell als auch über längere Zeiträume hinweg abspielen kann – die Timing-Fragen bleiben damit offen.
Zinsfantasie, KI-Rallye und Schuldenwelle als Nährboden für den Goldpreis
Die Rahmenbedingungen für den jüngsten Anstieg beim Gold waren demzufolge vielschichtig. Auf der makroökonomischen Seite nennt die BIZ insbesondere die Erwartungen auf Zinssenkungen. Die Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik der Notenbanken hat den Risikoappetit an den Märkten erhöht und gleichzeitig die Opportunitätskosten für das Halten von Gold gesenkt – ein klassischer Unterstützungsfaktor für den Goldpreis.
Parallel dazu setzten die Aktienmärkte ihre Erholung nach den Kursrücksetzern im Zuge der US-Zollankündigungen im Frühjahr fort. Vor allem Technologie- und KI-Werte trieben die großen Indizes nach oben. Gleichzeitig wuchs jedoch die Skepsis gegenüber hoch bewerteten Wachstumswerten – ein Umfeld, in dem einige institutionelle Investoren Gold erneut zur Absicherung nutzten, während Privatanleger die laufende Bewegung verstärkten.
Ein weiterer Baustein der BIZ-Analyse betrifft den globalen Anleihemarkt. Nach wiederholten Warnungen vor angespannten Staatsfinanzen haben mehrere Industrieländer zwischen September und November umfangreiche neue Staatsanleihen emittiert. Die daraus resultierende hohe Verfügbarkeit von sicheren Staatsanleihen hat zuvor etablierte Renditeabstände verschoben und sogenannte „Convenience Spreads“ – also den Aufpreis, den Investoren traditionell für die Sicherheit staatlicher Emittenten zu zahlen bereit waren – weitgehend verschwinden lassen.
Diese veränderte Marktstruktur hat laut BIZ Hedgefonds dazu veranlasst, verstärkt Relative-Value-Strategien mit Zins-Swaps und Staatsanleihen einzugehen. Auch solche Aktivitäten können indirekt Einfluss auf die Liquidität und Preisbildung an anderen Märkten haben – inklusive Gold.
Gold zwischen Absicherung und Spekulation: Implikationen für Anlege
Für Investoren ist die Kernaussage der BIZ-Analyse, dass Gold aktuell zwei Rollen gleichzeitig spielt: Einerseits bleibt Gold ein zentrales Instrument für Portfolioabsicherung und Krisenschutz, andererseits zeigen die jüngsten Kursbewegungen zunehmend Merkmale eines spekulativen Trades, insbesondere durch die starke Beteiligung von Privatanlegern.
Dass Gold in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Aktien und anderen Risikoanlagen deutlich gestiegen ist, unterstreicht diese Doppelrolle. Aus Sicht der BIZ weicht der Markt damit vom traditionellen Muster ab, nach dem Gold vor allem in Phasen hoher Unsicherheit und schwacher Aktienmärkte gefragt ist. Die gleichzeitige „Explosivität“ von Gold- und Aktienpreisen wird ausdrücklich als Warnsignal eingeordnet.
Die historische Erfahrung, auf die sich die BIZ beruft, ist eindeutig: Übertreibungsphasen enden früher oder später mit einer Korrektur, auch wenn Zeitpunkt und Ausmaß nur schwer prognostizierbar sind. Das Beispiel der Goldpreisspitze von 1980 dient den Ökonomen dabei als Referenz – weniger als exakte Blaupause, sondern vielmehr als Erinnerung daran, dass auch Gold längerfristig nicht gegen Bewertungszyklen immun ist.
Fazit: Gold bleibt im Fokus – doch mit verändertem Charakter
Die Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich macht deutlich, dass der aktuelle Goldmarkt mehr ist als eine klassische „Safe-Haven-Story“. Gold hat sich in den vergangenen Monaten teilweise wie ein Momentum- und Spekulationsinstrument verhalten – getrieben durch Privatanleger, die auf starke Kursbewegungen reagieren, sowie institutionelle Investoren, die zwischen Absicherung und Renditesuche balancieren.
Der Goldpreis reflektiert derzeit also nicht nur geopolitische Risiken und Inflationssorgen, sondern auch die Dynamik eines Umfelds, in dem Zinsfantasie, hohe Staatsverschuldung und riskante Anlagen eng miteinander verwoben sind.
Unabhängig davon, ob die aktuelle Phase als Vorstufe einer größeren Korrektur oder als Zwischenschritt in einem länger laufenden Gold-Bull-Markt gesehen wird – die Analyse zeigt, dass der Charakter des Marktes komplexer geworden ist.