Gold und Silber kommen nach den jüngsten, teils heftigen Ausschlägen weiterhin nur schwer zur Ruhe. Wichtige Unterstützungsniveaus wurden kurzfristig unterschritten, die Preise wirken technisch angeschlagen – und dennoch bleibt der Blick vieler Marktbeobachter nach vorne gerichtet. In einer aktuellen Einschätzung zum Beispiel Franklin Templeton dass die langfristigen Fundamentalfaktoren für Gold und Silber weiterhin intakt seien. Besonders interessant finden die Experten aber dabei weniger das Metall selbst, sondern den Aktienmarkt rund um die Produzenten: Minenwerte hätten im Vergleich zum Goldpreis deutlich hinterhergehinkt, heißt es.
Franklin Templeton ordnet die Lage als Phase anhaltend hoher Volatilität ein. Kurzfristig könne sich der Markt in einer breiteren Konsolidierung einpendeln – das heißt: größere Schwankungen, aber nicht zwingend ein Bruch des übergeordneten Trends. Für den langfristigen Rahmen verweist man auf eine Kombination aus geopolitischer und finanzieller Unsicherheit sowie strukturellen Faktoren, die das Vertrauen in Papierwährungen belasten können.
Gold bleibt fundamental gestützt – trotz hoher Volatilität
Die Analysten beschreiben Gold als klassischen Profiteur von Stressphasen. Handelskonflikte, internationale Spannungen und wachsende Unsicherheit über die fiskalische Stabilität großer Volkswirtschaften hätten diesen Effekt zuletzt erneut sichtbar gemacht. Dazu komme ein Umfeld, in dem hohe Staatsverschuldung, anhaltende Haushaltsdefizite und eine größere Toleranz gegenüber Inflation das Vertrauen in Fiat-Währungen tendenziell schwächen können.
Wichtig ist dabei die Kernaussage: Trotz der jüngsten Marktbewegungen sieht man Gold langfristig „gut unterstützt“. Franklin Templeton begründet das mit zwei Polen, die sich aus Sicht der Experten gegenseitig verstärken: begrenztes Angebot auf der einen und eine wachsende Nachfrage auf der anderen Seite. Für Anleger, die sich in turbulenten Phasen an Orientierungspunkten festhalten möchten, bleibt Gold in diesem Rahmen ein Referenzwert – auch wenn der Weg dorthin kurzfristig unruhig verläuft.
Silber ordnet Franklin Templeton in die gleiche Edelmetall-Kategorie ein, verweist aber vor allem auf die gemeinsame Marktmechanik: Wenn die Preisfindung bei Gold von kurzfristigen Stimmungswechseln geprägt ist, gilt das für Silber oft umso mehr. Die zentrale Botschaft bleibt jedoch: Die langfristige Unterstützung sei nicht verschwunden, sondern werde derzeit von kurzfristigem Risikoabbau und Neu-Positionierungen überdeckt.
Warum Minenaktien gegenüber Gold zurückliegen
Der spannendste Teil der Analyse bezieht sich aber auf die Aktienseite. Aus Sicht der Analysten bietet der Goldsektor – besonders bei Produzenten und Minengesellschaften – einen Bewertungsabschlag, der sich über längere Zeit aufgebaut habe. Den Modellen der Experten zufolge liegen die Bewertungen von Minenaktien im Schnitt seit rund zwei Jahren etwa 20% hinter dem Gold-Spotpreis zurück. Das ist bemerkenswert, weil in früheren Phasen steigender Goldpreise Minenwerte häufig stärker reagierten als das Metall selbst.
Franklin Templeton erklärt diese Entkopplung vor allem mit der Art der Nachfrage, die die jüngste Gold-Rallye getragen hat. Zentralbanken und physisch besicherte Gold-ETFs hätten den Anstieg maßgeblich mitgeprägt. Das habe dazu geführt, dass sich das Metall schneller verteuerte als Kapital in Minenaktien floss. Kurz gesagt: Der Markt habe eher auf Barren, nicht auf Betreiber gesetzt.
Diese Zurückhaltung begründet man auch mit Erinnerungen an frühere Zyklen. Viele Investoren verbinden Minenaktien noch mit Kosteninflation, wenig disziplinierter Kapitalallokation und Verwässerung durch Kapitalmaßnahmen. Genau hier setzt die Argumentation an: die Analysten sehen die Branche heute strukturell verändert. Minengesellschaften hätten im Durchschnitt solidere Bilanzen, stärkere Kapitaldisziplin und höhere Ausschüttungen an Aktionäre als in manchen früheren Boomphasen. Diese Entwicklung sei aus ein Grund, warum der Bewertungsabstand zum Goldpreis nicht zwangsläufig „fundamental gerechtfertigt“ sein müsse, sondern auch ein Stimmungsphänomen sein könne.
Ein weiterer Punkt: Land betont den operativen Hebel. Bei hohen Gold-Preisen können Gewinne und freier Cashflow in der Regel schneller steigen als der Metallpreis selbst – einfach weil ein Teil der Kosten fix ist und zusätzliche Erlöse überproportional in der Ergebnisrechnung ankommen. Genau dieser Mechanismus sei bei Minenaktien grundsätzlich vorhanden, selbst wenn die Kurse zwischendurch deutlich schwanken.
Schwelle für ein echtes Belastungsszenario: 3.500 US-Dollar je Unze Gold
Trotz seines konstruktiven Blicks blendet Franklin Templeton die Risiken nicht aus. Minenaktien seien – ähnlich wie Gold selbst – volatil geblieben und reagieren häufig empfindlich auf Marktstimmung, Zinsfantasie oder Währungseffekte. Entscheidend ist für die Analysten jedoch die Frage, ab wann die Wirtschaftlichkeit des Sektors ernsthaft unter Druck geraten könnte.
Hier nennt man eine konkrete Orientierungsmarke: Es wird geschätzt, dass Gold unter etwa 3.500 US-Dollar je Unze fallen müsste, bevor die Branchenökonomik wieder stärker an frühere Abschwungszyklen erinnern würde. Das ist keine Prognose, sondern eine Art Stress-Test-Schwelle: Oberhalb dieses Niveaus erwartet man, dass viele Unternehmen weiterhin substanziellen freien Cashflow erwirtschaften können – selbst wenn die Aktienkurse kurzfristig deutlich schwanken.
Unterm Strich zeichnet Franklin Templeton damit ein Bild, das zwei Ebenen trennt: kurzfristig ein Markt, der sich nach extremen Bewegungen stabilisieren muss – und mittel- bis langfristig ein Umfeld, in dem Gold und Silber aus Analystensicht strukturell unterstützt bleiben. Die auffälligste Botschaft seiner Notiz richtet sich jedoch an den Aktienmarkt: Gerade, weil Minenwerte dem Goldpreis laut den Modellen deutlich hinterherlaufen, rückt für die Experten der Sektor als Bewertungs- und Hebelthema wieder stärker in den Fokus.