Der Goldmarkt bleibt nach Einschätzung der New Yorker Analysefirma CPM Group auch langfristig im Bullenmodus. Angesichts der aktuellen politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Spannungen sieht man bei CPM die Rahmenbedingungen für Gold klar auf der Seite der Bärenmärkte an den Finanzmärkten – und der Bullenmärkte bei Edelmetallen. 2025 sei bereits ein außergewöhnliches Jahr für Gold und andere Edelmetalle gewesen, 2026 könne diese Entwicklung in einer noch volatileren Form fortschreiben, so die Experten.
Während Gold, Silber, Platin und Palladium neue Rekordstände erreichen, verschiebt sich der Fokus im Markt zunehmend weg von klassischen Fundamentaldaten hin zu politischen Ereignissen, geopolitischen Risiken und der Reaktion verunsicherter Anleger.
Gold im Spannungsfeld von Datenflut und geopolitischen Risiken
Für den Goldpreis sieht die CPM Group insbesondere die nächsten Monate als entscheidend. Die US-Regierung holt nach dem vorübergehenden „Shutdown“-bedingten Stillstand im Herbst 2025 eine Fülle an Konjunktur- und Finanzdaten nach. Diese Zahlen werden große Teile des dritten und vierten Quartals 2025 abdecken und erste Hinweise für das erste Quartal 2026 liefern.
CPM erwartet, dass ein Teil dieser Daten „ökonomisch feindlich“ wirken könnte – also etwa auf eine schwächere Konjunktur, steigende Risiken oder eine problematische Haushaltslage hinweist. Solche Signale würden traditionell die Nachfrage nach Gold als Absicherungsinstrument erhöhen und den Goldpreis zusätzlich stützen.
Parallel dazu verschärfen eine Reihe ungelöster politischer Konflikte die Lage: Spannungen in den Beziehungen der USA zu Europa, Kanada, Mexiko und China, Unsicherheiten in der Handelspolitik sowie eine generell höhere geopolitische Risikowahrnehmung. Aus Sicht der CPM Group sind dies zentrale Gründe dafür, dass der Goldpreis im ersten Quartal 2026 stark bleiben und anschließend eher in eine Phase der Seitwärtsbewegung übergehen könnte.
Bereits 2025 zeigte der Verlauf im Goldmarkt ein ähnliches Muster: ein deutlicher Anstieg von Januar bis März, eine Konsolidierung von April bis Juli und ein erneuter Anlauf auf neue Höhen ab Ende August. Die derzeit hohen Goldpreise ordnet Christian in einen längerfristigen Trend ein, der durch „Zustände in der Welt“ geprägt ist, die sich kurzfristig nicht grundlegend verbessern.
Neue Anlegertypen verändern die Dynamik im Goldmarkt
Neben den klassischen Goldinvestoren treten zunehmend neue Akteure auf den Plan. CPM beschreibt eine wachsende Gruppe kurzfristig orientierter Marktteilnehmer, die bislang weniger als typische Edelmetallinvestoren in Erscheinung traten. Dabei handelt es sich häufig um Momentum-Trader und spekulative Anleger, die nicht nur Gold und Silber, sondern auch Platin, Palladium, Kupfer und Aluminium verstärkt handeln.
Bemerkenswert sei: Viele dieser Anleger hätten begonnen, physisches Gold und Silber als Instrument zur Vermögenssicherung zu betrachten. Gold diene ihnen nicht mehr nur als kurzfristiger Trade, sondern als stabiler Baustein zur Absicherung gegenüber Währungs- und Systemrisiken – gleichzeitig würden sie aber weiterhin Kursgewinne erwarten.
Diese Kombination aus „Vermögensschutz und spekulativem Kapital sorgt für eine neue Dynamik im Goldmarkt, so die CPM Group. Solange der Goldpreis steigt oder sich in einer Aufwärtsphase befindet, kann dieser Kapitalzufluss den Trend verstärken. Kommt es jedoch zu längeren Seitwärtsphasen oder deutlicheren Rücksetzern, besteht das Risiko, dass dieselben Akteure ihre Positionen rasch wieder abbauen – mit entsprechend starken Gegenbewegungen im Goldpreis.
Trotz dieser potenziellen Volatilität gehen Christian und die CPM Group davon aus, dass die grundlegenden Rahmenbedingungen – politische Unsicherheit, fragile geopolitische Beziehungen, hohe Verschuldung und eine wachsende Skepsis gegenüber traditionellen Finanzanlagen – das Interesse an Gold im Jahr 2026 hochhalten werden.
Platin und Palladium: Historische Parallelen und aktuelle Investmentnachfrage
Neben Gold richtet CPM Group den Blick auch auf Platin und Palladium. Beide Metalle haben eine bewegte Preisgeschichte – und liefern aus Sicht des Analysehauses interessante Parallelen zu heute.
So erinnert Christian an die Jahre 2001 bis 2007, in denen der Platinpreis kontinuierlich stieg, bis Anfang 2008 ein schwerer Stromausfall in Südafrika die Produktion von Platin, Palladium und Rhodium massiv störte. Die Folge: Der Platinpreis sprang zunächst auf rund 2.300 US-Dollar je Unze, um im Zuge der globalen Finanzkrise und eines abrupten Einbruchs der Autonachfrage anschließend auf etwa 800 US-Dollar zu stürzen.
Viele Automobilhersteller hatten sich nach den Lieferproblemen in Südafrika zuvor hohe Lagerbestände gesichert, um die Versorgung zu gewährleisten. Als die Nachfrage nach Fahrzeugen dann im Zuge der Krise zurückging, saßen sie auf teuren Beständen – eine Kombination, die die Preise zusätzlich belastete. Ähnliche Bewegungen zeigte damals auch Rhodium, bei dem einzelne Marktteilnehmer innerhalb eines Quartals vom Verkauf bei 10.000 US-Dollar je Unze zum Rückkauf bei 1.000 US-Dollar je Unze übergehen konnten.
Heute, so Christian, liegt der Platinpreis wieder deutlich über den Niveaus von Anfang 2008 – diesmal jedoch vor allem getragen von Investmentnachfrage statt von kurzfristigen Versorgungsschocks. Bei Palladium hat sich das Bild etwas anders entwickelt: Zwar hatte der Markt 2021 und 2022 stark auf mögliche Ausfälle russischer Lieferungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg reagiert, doch die befürchteten Embargos und massiven Unterbrechungen blieben aus. Die Folge: Der Palladiumpreis sank von seinen Rekordständen und hat sich erst im Laufe des vergangenen Jahres wieder deutlich erholt, ohne die früheren Höchststände erneut zu erreichen.
Für Goldanleger liefern diese Beispiele aus dem Platin- und Palladiummarkt zwei zentrale Lehren: Zum einen können physische Angebotsengpässe und geopolitische Risiken kurzfristig extreme Preisbewegungen auslösen. Zum anderen zeigt sich, dass Investmentströme – getrieben von Angst, Gier oder Absicherungsinteressen – zunehmend die dominierende Rolle bei der Preisbildung übernehmen.
Gold bleibt im Zentrum eines von Unsicherheit geprägten Edelmetallzyklus
Aus Sicht der CPM Group steht Gold 2026 weiterhin im Zentrum eines strukturellen Edelmetallzyklus, der von politischen Spannungen, wirtschaftlichen Risiken und der Suche nach Vermögensschutz getrieben wird. Während klassische Fundamentaldaten wie Minenproduktion und Schmucknachfrage in den Hintergrund treten, bestimmen zunehmend makroökonomische Daten, geopolitische Ereignisse und das Verhalten neuer Investorengruppen die Richtung.
Kurzfristig erwartet die CPM Group einen starken Goldpreis im ersten Quartal 2026, gefolgt von einer möglichen Phase der Konsolidierung. Langfristig sieht das Analysehaus jedoch weiterhin ein Umfeld, in dem Gold – neben anderen Edelmetallen – als Absicherungs- und Diversifikationsinstrument eine zentrale Rolle spielt.