Die People‘s Bank of China hat ihre Goldreserven im August weiter erhöht. Das geht aus einem Bericht der State Administration of Foreign Exchange (SAFE) hervor, der Anfang September veröffentlicht wurde. Gekauft wurden 60.000 Unzen oder 1,9 Tonnen Gold, sodass der Gesamtbestand der von der chinesischen Notenbank gehaltenen Goldreserven auf 74,02 Millionen Unzen bzw. 2.302 Tonnen angestiegen ist.
Damit tritt die chinesische Zentralbank im zehnten Monat in Folge als Goldkäufer am Markt auf. Im Vergleich zu den vorangegangenen Käufen fielen die Zukäufe im August ebenso hoch aus wie im Juli und Mai 2025 jedoch deutlich geringer als noch zum Jahresanfang, denn im Januar und Februar hatte die Peoples Bank of China in beiden Monaten jeweils 160.000 Unzen Gold gekauft.
Die Ankaufstrategie der letzten Monate wurde damit fortgesetzt, wenn auch nicht mehr mit dem hohen Tempo vom Jahresanfang. Selbstverständlich ist das nicht, denn blickt man über einen längeren Zeitraum zurück, so gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Zeiträume, in denen die Peoples Bank of China keine Zukäufe getätigt hat.
Politisch hat China kaum eine andere Wahl als weiterhin klar auf Gold zu setzen
Im Sommer 2024 wiesen die offiziellen Statistiken aus dem Reich der Mitte zwischen Mai und Oktober keine Goldkäufe aus. Erst im November und Dezember setzten die Käufe wieder ein, wobei mit 160.000 Unzen bzw. 4,97 Tonnen Gold im November und 330.000 Unzen bzw. 10,26 Tonnen im Dezember allerdings wieder sehr viel Gold zugekauft wurde.
Sehr hohe Goldkäufe tätigte die People‘s Bank of China in den Monaten nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine. Aufgeschreckt durch die westlichen Sanktionen gegen Russland ging die Führung der Notenbank dazu über, US-Staatsanleihen zu verkaufen und dafür im Gegenzug Gold als Währungsreserven ins Land zu bringen. Seitdem wird ein großer Teil der fälligen US-Staatsanleihen nicht mehr in neue US-Bonds gewandelt, sondern das freiwerdende Geld wird lieber in Gold angelegt.
Eine solche Reaktion liegt nahe, denn der kommunistischen Führung in Beijing ist nur zu gut bewusst, dass die von China gehaltenen US-Dollar-Bestände ebenfalls vom Westen sanktioniert werden, sollte die Taiwan-Frage eines Tages eskalieren. Aus den Erfahrungen, die Russland mit seinen westlichen Devisenreserven gemacht hat, zog China deshalb umgehend den Schluss, dass im eigenen Land gehaltenes Gold die weitaus bessere, weil vom Westen nicht angreifbare, Reserve ist.
Die westlichen Sanktionen gegen Russland waren für China eine ernste Warnung
Nur wenige Monate nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine Ende Februar 2022 nahmen die Goldkäufe der chinesischen Notenbank spürbar zu. Die offizielle Statistik verzeichnete deshalb für die Monate November und Dezember 2022 sehr hohe Goldzukäufe von 1.030.0000 Unzen bzw. 32,03 Tonnen im November und 970.000 Unzen bzw. 30,17 Tonnen im Dezember.
Im Folgejahr 2023 setzten sich die chinesischen Goldkäufe mit einer hohen Intensität weiter fort. Insgesamt fügte die Zentralbank zwischen Januar und Dezember 2023 7.230.000 Unzen oder 225,98 Tonnen Gold ihren Goldreserven hinzu. Wobei der schwächte Zukauf im April mit 8,08 Tonnen erfolgte und das meiste Gold mit 28,93 Tonnen im August zugekauft wurde.
Der starke Anstieg des Goldpreises hat in der Zwischenzeit auch den Wert der chinesischen Währungsreserven deutlich ansteigen lassen. Er erhöhte sich allein vom Juli auf den August 2025 um 41 Milliarden US-Dollar auf 3,64315 Billionen US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 1,1 Prozent. Das chinesische Staatsgold trägt zu dieser Gesamtsumme 253,84 Milliarden US-Dollar bei. Das sind 9,86 Milliarden US-Dollar oder vier Prozent mehr als noch im Juli.
Die People‘s Bank of China hat noch einen weiten Weg vor sich
Der Goldanteil an den chinesischen Währungsreserven ist dadurch von 5,2 Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell 6,9 Prozent angestiegen. Dieser durchaus beachtliche Anstieg speist sich aus zwei Richtungen. Zum einen wird aktiv Gold zugekauft und zum anderen sinkt der Wert der von China gehaltenen US-Staatsanleihen. Vor fünf Jahren hielt China noch US-Bonds im Wert von etwa 1,1 Billionen US-Dollar. Aktuell sind es nur noch 756,4 Milliarden US-Dollar.
Der langfristige Trend raus aus dem US-Dollar, rein ins Gold, wird damit auch 2025 fortgesetzt, auch wenn der jüngste Report des US-Finanzministeriums einen Anstieg der von China gehaltenen US-Schatztitel um 100 Millionen auf 756,4 Milliarden US-Dollar vermeldet. Entscheidender als kurzfristige Schwankungen auf monatlicher Basis sind jedoch die langfristigen Tendenzen und diese sprechen im Fall von China weiterhin klar für das Gold und gegen den US-Dollar.
Ungeachtet der beeindruckenden Zukäufe in den letzten drei Jahren ist der Goldanteil der Peoples Bank of China mit gerade einmal 6,9 Prozent im internationalen Vergleich aber immer noch ausgesprochen gering. Die USA halten 100 Prozent ihrer Reserven im Gold und bei den meisten westlichen Notenbanken liegt der Goldanteil an den Gesamtreserven bei über 70 Prozent.
Will China dieses Niveau ebenfalls erreichen, muss dieser Trend noch einige Jahre mit hohem Tempo fortgesetzt werden. Da auch andere Notenbanken aus den Schwellen- und Entwicklungsländern derzeit massive Goldkäufe tätigen, kann davon ausgegangen werden, dass die Goldnachfrage durch die Notenbanken auch in den kommenden Jahren weiter sehr hoch bleiben wird.