Barrick- und Newmont-CEO gehen: Was hinter den Abgängen im Goldsektor steckt

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Der Goldsektor erlebt einen ungewöhnlichen Tag: Barrick Mining (NYSE: GOLD; TSX: ABX) und Newmont (NYSE: NEM), die Nummer Zwei und Eins der Goldbranche, kündigten am selben Tag Veränderungen an der Unternehmensspitze an. Während Barrick einen sofortigen Wechsel vollzieht, setzt Newmont auf eine klar terminierte Übergabe. Die parallelen Personalien nähren Spekulationen über Prioritäten, Risiken und die nächste Phase der Branche – in einem Umfeld, in dem der Goldpreis so dynamisch ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Barrick Mining: Bristow geht mit sofortiger Wirkung – Mark Hill übernimmt übergangsweise

Bei Barrick Mining tritt Mark Bristow mit sofortiger Wirkung als President und CEO zurück. Der Aufsichtsrat berief Mark Hill zum Group COO sowie zum Interim-President und Interim-CEO. Gründe für den abrupten Abgang nannte das Unternehmen nicht. Bristow hatte die Leitung 2019 nach der Fusion von Barrick und Randgold übernommen.

Seit diesem Zusammenschluss hat Barrick nach Unternehmensangaben 6,7 Mrd. US-Dollar an die Aktionäre ausgeschüttet und die Nettoverschuldung um 4 Mrd. US-Dollar reduziert. Operativ profitierte der Konzern zuletzt von hohen Goldpreisen, die im laufenden Jahr eine der stärksten Aufwärtsbewegungen seit Ende der 1970er Jahre verzeichneten. Der Verwaltungsratsvorsitzende John Thornton würdigte Bristows Beitrag zur Portfolio-Ausrichtung und sieht Barrick für die nächste Wachstumsphase gut aufgestellt – Kontinuität soll der interne Interim-Chef Mark Hill gewährleisten.

Mali im Fokus: Streit um Loulo-Gounkoto belastet Barrick Mining

Der personelle Einschnitt kommt zu einer Zeit, in der Barrick Mining in Westafrika mit regulatorischen und operativen Gegenwinden konfrontiert ist. Auslöser ist die im Jahr 2023 reformierte Bergbaugesetzgebung in Mali, die höhere staatliche Lizenzabgaben und größere Eigenkapitalanteile des Staates in Joint Ventures vorsieht. Barrick legte als eines der wenigen Unternehmen öffentlich Widerspruch gegen die neuen Rahmenbedingungen ein.

Die Auseinandersetzung eskalierte im Jahresverlauf: Zunächst stoppte Barrick zeitweise den Betrieb, später stellten Behörden das Großprojekt Loulo-Gounkoto im Sommer unter staatliche Kontrolle. In der Folge verbuchte Barrick im August eine Wertberichtigung (Impairment) von 1 Mrd. US-Dollar auf die Beteiligung – der Konzern hält 80 % an dem Komplex, der in Spitzenzeiten rund 15 % zur Goldproduktion des Konzerns beisteuerte. Die Entwicklung in Mali dürfte daher eine zentrale Rolle für die kurzfristige Agenda des Übergangsmanagements spielen: Es geht um Stabilisierung der Produktion, Klärung regulatorischer Fragen und den Umgang mit der bilanziellen Belastung.

Mit dem Goldpreis steigt auch die Barrick - Aktie; Quelle: TradingView
Mit dem Goldpreis steigt auch die Barrick-Aktie; Quelle: TradingView

Newmont setzt auf geordneten Übergang – Natascha Viljoen wird erste CEO an der Spitze

Im Gegensatz zum abrupten Wechsel bei Barrick Mining läuft der Prozess bei Newmont planvoll: CEO Tom Palmer kündigte an, zum 31. Dezember 2025 sowohl den Vorstand als auch den Chefsessel zu verlassen. Nachfolgerin wird Natascha Viljoen, derzeit President und COO; sie wird die erste Frau an der Spitze des größten Goldproduzenten weltweit sein.

Viljoen kam 2023 als EVP und COO zu Newmont und bringt über drei Jahrzehnte internationale Führungserfahrung mit – über verschiedene Rohstoffe und Kontinente hinweg. Zuvor leitete sie als CEO Anglo American Platinum (heute Valterra) und gehörte dem Group Management Committee von Anglo American plc an. Mit der langfristig angelegten Übergabe signalisiert Newmont Kontinuität und eine klare Nachfolgeplanung in einem Umfeld, das von Integrationsaufgaben, Portfoliooptimierung und Kostendisziplin geprägt ist.

Bedeutung für Anleger und Branche: Zwei Wege durch denselben Marktzyklus

Dass Barrick Mining und Newmont ihre CEO-Themen am selben Tag adressieren, ist bemerkenswert – die Motive unterscheiden sich jedoch. Barrick steht vor der Aufgabe, politisch-regulatorische Risiken in Mali einzuhegen und die operativen Auswirkungen des Loulo-Gounkoto-Komplexes zu managen. Die bisherige Finanzbilanz seit der Randgold-Fusion – Ausschüttungen in Milliardenhöhe und ein Schuldenabbau um 4 Mrd. US-Dollar – liefert zwar Rückenwind, doch die kurzfristige Unsicherheit in Westafrika bleibt ein wichtiger Faktor für Zeitplan und Prioritäten der Übergangsführung unter Mark Hill.

Newmont wiederum stellt frühzeitig die Weichen für eine geregelte Staffelstabübergabe. Der Zeithorizont bis Ende 2025 eröffnet der künftigen CEO Natascha Viljoen die Möglichkeit, strategische Schwerpunkte zu schärfen, bevor sie die operative Gesamtverantwortung übernimmt. Themen werden voraussichtlich die Performance der Kernminen, mögliche Portfolioanpassungen sowie die Positionierung im Spannungsfeld von Goldpreis, Inputkosten und Kapitaldisziplin sein.

Für den Sektor insgesamt fällt der Doppel-Wechsel in eine Phase, in der der Goldpreis im Jahresverlauf deutlich zugelegt hat und damit die Gewinnmargen der Produzenten stützt. Gleichwohl zeigen die Fälle Barrick Mining und Newmont, wie stark unternehmerische Entwicklungen von standortspezifischen Rahmenbedingungen und Managemententscheidungen beeinflusst werden. Ob es zu weiteren Verschiebungen in Führungsriegen oder Portfolios kommt, bleibt offen – die aktuellen Personalien liefern jedoch reichlich Diskussionsstoff für Marktbeobachter.

Fazit: Zwei Branchengrößen, zwei unterschiedliche Pfade – Barrick Mining mit einem sofortigen Wechsel vor dem Hintergrund eines herausfordernden Projektumfelds in Mali, Newmont mit einem längerfristig orchestrierten Übergang. Für beide Unternehmen steht die operative Umsetzung im Vordergrund: bei Barrick die Stabilisierung und Klärung der Situation in Westafrika, bei Newmont die strukturierte Vorbereitung der neuen Führung.

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