Gold und Silber befinden sich nach Einschätzung des schwedischen Vermögensverwalters AuAg Funds in einem außergewöhnlich starken langfristigen Aufwärtstrend. In seinem Ausblick für das Jahr 2026 beschreibt das Haus ein Umfeld, in dem beide Metalle von tiefgreifenden makroökonomischen Veränderungen profitieren könnten – allerdings begleitet von erheblichen Preisschwankungen.
In ihrem Ausblick auf das Jahr 2026 erklären die Experten, dass sie mit einem nachhaltigen Anstieg über 6.000 USD pro Unze bei Gold und auf 133 USD je Unze Silber rechnen. In den nächsten Jahren sieht AuAg Funds sogar einen Anstieg auf 10.000 bzw. 300 USD pro Unze!
Bereits in den vergangenen Monaten zeigte sich, wie dynamisch die Entwicklung verlaufen kann: Nachdem der Goldpreis zwischenzeitlich bis in den Bereich von 5.600 US-Dollar je Unze gestiegen war, folgte eine rasche Korrektur um rund 20 %. Inzwischen hat sich das Edelmetall wieder im Bereich von etwa 5.000 US-Dollar stabilisiert. Solche Bewegungen seien in einem ausgeprägten Bullenmarkt nicht ungewöhnlich, betonen die Analysten. Ausschläge von 20 bis 30 % gehörten vielmehr zum typischen Muster.
Gold im Fokus: Schulden, Geldpolitik und Vertrauensfrage
Im Zentrum des positiven langfristigen Szenarios für Gold steht aus Sicht von AuAg Funds die weltweite Verschuldung, die sich inzwischen der Marke von 350 Billionen US-Dollar nähert. In Kombination mit der Erwartung sinkender Zinsen und möglicher neuer Anleihekaufprogramme der Notenbanken entstehe ein Umfeld, in dem reale Renditen unter Druck geraten könnten.
Gold werde in einem solchen Szenario zunehmend als alternative globale Währung wahrgenommen, insbesondere wenn das Vertrauen in klassische Fiat-Währungen schrittweise nachlasse. Entscheidend sei dabei weniger die offiziell ausgewiesene Wirtschaftsleistung als vielmehr das Verhältnis zwischen Geldmengenwachstum und realer Wertschöpfung. Wenn die Geldmenge schneller zunehme als die wirtschaftliche Substanz, spiegele sich dies langfristig im Goldpreis wider.
Nach Ansicht von AuAg Funds beschleunigt sich die Kapitalrotation in Richtung Gold bereits. Als Gründe nennt das Haus die vergleichsweise geringe Korrelation zu Aktien, das Fehlen eines Gegenparteirisikos sowie das Potenzial für hohe Wertsteigerungen in einem Umfeld, in dem Anleihemärkte zunehmend schwerer zu navigieren seien.
Silber mit zusätzlichem industriellen Rückenwind
Neben Gold rückt auch Silber stärker in den Fokus der Analysten. Während das Metall ebenfalls als monetärer Wertspeicher fungiert, verfügt es zugleich über eine ausgeprägte industrielle Nachfragebasis. Gerade diese Kombination könnte in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen.
Der Silbermarkt weist seit mehreren Jahren ein strukturelles Angebotsdefizit auf. Sollte sich daraus eine physische Knappheit entwickeln, hätte dies laut AuAg Funds das Potenzial, die Preisbildung deutlich zu verändern. Die Nachfrage gilt zudem als relativ unelastisch: Selbst bei steigenden Preisen sei nicht mit einem signifikanten Rückgang des Verbrauchs zu rechnen, da Silber in vielen Anwendungen aufgrund seiner besonderen Eigenschaften schwer zu ersetzen ist und zugleich meist nur einen kleinen Anteil an den Gesamtkosten eines Endprodukts ausmacht.
Vor diesem Hintergrund sehen die Analysten bei Silber ein überdurchschnittliches Aufholpotenzial gegenüber Gold. Ein sinkendes Gold-Silber-Verhältnis würde dieses Szenario zusätzlich unterstreichen.
Goldminen und Silberminen: Bewertung als weiterer Faktor
Nicht nur die Metalle selbst stehen im Blickfeld, sondern auch die Aktien der Produzenten. Goldminenwerte hatten bereits 2025 deutlich zugelegt, dennoch sieht AuAg Funds weiterhin eine Diskrepanz zwischen den aktuellen Bewertungen und den zugrunde gelegten Metallpreisen.
Sollte sich das derzeitige Preisniveau bei Gold behaupten oder weiter steigen, würden die bestehenden Bewertungsmodelle vieler Unternehmen noch nicht vollständig die höheren Erlöspotenziale widerspiegeln. Historisch neigten Minenaktien dazu, die Entwicklung des zugrunde liegenden Metalls überproportional nachzuvollziehen.
Ähnliches gilt aus Sicht der Analysten für Silberproduzenten. Da Silber im Verhältnis zu Gold weiterhin niedriger bewertet sei, spiegele sich dies auch in den Bewertungen der entsprechenden Minengesellschaften wider.
Ausblick: Langfristiger Trend mit starken Ausschlägen
Trotz der klar bullischen Grundhaltung betont AuAg Funds die Bedeutung der Volatilität. Rücksetzer seien ein integraler Bestandteil des Marktzyklus und könnten auch künftig auftreten, etwa wenn spekulative Positionierungen abgebaut werden oder größere Marktteilnehmer ihre Engagements neu ausrichten.
Langfristig sieht das Haus jedoch ein Umfeld, in dem sowohl Gold als auch Silber von strukturellen Faktoren getragen werden: steigende Schuldenstände, eine expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie eine wachsende Bedeutung realer Vermögenswerte im globalen Finanzsystem.
Damit bleibt der Goldpreis ebenso wie der Silberpreis eng an die großen makroökonomischen Trends gebunden. Für den Edelmetallsektor insgesamt zeichnet sich aus dieser Perspektive ein Markt ab, der zwar von erheblichen kurzfristigen Schwankungen geprägt sein dürfte, dessen langfristige Dynamik jedoch durch fundamentale Entwicklungen gestützt wird.