Die Ankündigung von US-Präsident Trump, Grönland nicht mit militärischen Mitteln übernehmen und zudem nun doch keine Extrazölle gegen mehrere europäische Länder erheben zu wollen, hat den Goldpreis unter die Marke von 4.800 USD zurückfallen lassen – allerdings nur kurzfristig!
Mittlerweile hat Gold diese Marke wieder überwunden und scheint bereit, seine Rallye fortzusetzen. Und dabei, so die Experten von Sprott steckt das große institutionelle Kapital noch in der „Orientierungsphase“.
Der Goldpreis hat aus Sicht vieler Marktbeobachter bereits einen bemerkenswerten Anstieg hinter sich – doch der nächste große Schritt könnte nach Einschätzung eines der bekanntesten Akteure im Edelmetallsegment erst noch bevorstehen. Die Experten von Sprott Inc. argumentieren nämlich, dass die bislang stärkste Käufergruppe vieler Anlageklassen – große institutionelle Investoren – im Goldmarkt noch nicht in dem Umfang aktiv geworden ist, wie es die Kursentwicklung vermuten ließe.
Im Kern geht es Sprott zufolge nicht um mangelnde Wahrnehmung. Die Preisbewegung des Goldpreises sei inzwischen „unmöglich zu ignorieren“. Dennoch bleibe eine breite Umschichtung in Richtung Gold bisher aus. Die Erklärung liefert er mit einem Modell, das ursprünglich aus dem militärischen Bereich stammt: der OODA-Schleife („Observe, Orient, Decide, Act“ – Beobachten, Einordnen, Entscheiden, Handeln). Für McIntyre beschreibt diese Abfolge, warum Institutionelle zwar registrieren, was am Goldmarkt passiert, aber in der Praxis noch zögern.
Goldpreis und die OODA-Schleife: Beobachtet ja – umgesetzt noch nicht
Nach Sprotts Darstellung haben viele große Asset Manager die erste Stufe längst hinter sich: Sie haben die Goldpreis-Rallye beobachtet. Entscheidend sei jedoch die zweite Stufe, die „Orientierung“. Genau dort stecke ein Großteil der institutionellen Welt fest. McIntyre begründet das mit einem strukturellen Problem: In vielen Häusern sei das Wissen über Edelmetalle in den vergangenen zehn Jahren ausgedünnt. Teams, die früher Expertise zu Gold und Minenwerten aufgebaut hatten, seien vielerorts kleiner geworden oder ganz verschwunden. Ebenso fehle häufig eine interne Stimme, die das Thema in den Investmentkomitees kontinuierlich vertritt und in Stressphasen argumentationsfähig macht.
Das hat Konsequenzen: Selbst deutliche Kursgewinne beim Goldpreis, die in anderen Anlageklassen typischerweise zu kräftigen Zuflüssen führen würden, lösten bei Institutionellen demnach eher zusätzliche Prüfprozesse aus – statt Entscheidungen. Sprott beschreibt das als anhaltende Due-Diligence-Phase: Man beschäftige sich intensiver mit dem Thema, aber die Umsetzung bleibe aus.
Für seine Einschätzung verweisen die Analysten auch auf eigenen Erfahrungen: Sprott habe trotz der starken Entwicklung am Goldmarkt nach seinen Worten bislang kein neues institutionelles Mandat erhalten, das explizit auf Gold oder Edelmetallaktien zielt. In anderen Sektoren, so ihr Vergleich, würden Asset Manager bei Kursgewinnen im Bereich von 60% oder mehr sehr schnell aktiv werden und Kapital neu allokieren. Beim Goldpreis sei die Reaktion auffällig verhalten.
Signale aus dem Markt: ETFs, Minenwerte und Risikoappetit
Diese Zurückhaltung sieht Sprott auch in Indikatoren gespiegelt, die häufig als Stimmungsbarometer gelten. So lägen die Bestände in goldgedeckten ETFs weiterhin deutlich unter früheren Höchstständen. Zudem sei die Beteiligung an Minenaktien – also der Teil des Sektors, der in Hausse-Phasen oft zusätzlich Dynamik entwickelt – nach seiner Wahrnehmung noch immer „deprimiert“. Ebenso sei der Risikoappetit innerhalb des Edelmetallsegments historisch niedrig.
Für Sprott sind das keine typischen Merkmale eines späten Zyklus, in dem der Markt bereits „überlaufen“ ist. Im Gegenteil: Man interpretiert diese Daten als Hinweis, dass der Goldpreis zwar stark gelaufen ist, die großen potenziellen Käufer aber noch nicht in nennenswertem Umfang eingestiegen sind. Genau daraus leitet Sprott die These ab, dass das Umfeld für eine weitere Phase der Bewegung grundsätzlich vorhanden sein könnte – allerdings erst dann, wenn die OODA-Schleife bei Institutionellen von „Orient“ zu „Decide“ und „Act“ übergeht.
Was laut Sprott den nächsten Schritt beim Goldpreis auslösen könnte
Warum sollte sich das Verhalten der großen Anleger überhaupt ändern? Sprott erwartet, dass eine Umschichtung in Richtung Goldpreis weniger durch die reine Kursentwicklung getrieben wird, sondern durch Instabilität in anderen Märkten. Die Experten verweisen insbesondere auf Aktienmärkte, die Investoren bislang vor harten Portfolio-Entscheidungen „geschützt“ hätten. Erst wenn sich dort die Volatilität erhöht oder Risiken sichtbarer werden, könne Gold als Absicherungsinstrument in größerem Stil in den Fokus rücken.
Ein weiterer möglicher Auslöser sei Stress im Anleihemarkt. Sprott argumentiert, dass die Entwicklung der Staatsverschuldung und ein Umfeld „hartnäckiger“ Inflation den Spielraum für Fehler begrenze. In diesem Kontext äußern sich die Analysten kritisch über langfristige Staatsanleihen: In einer Niedrigzinswelt, in der zugleich Inflationsrisiken bestehen, sei das Halten langer Laufzeiten aus seiner Sicht riskant. Wenn diese Risiken stärker in die Portfolios durchschlagen, könnte der Goldpreis als alternativer „Sicherer Hafen“ zusätzliche Nachfrage erhalten.
Wie ein angepasstes Portfolio aussehen könnte, skizziert Sprott als persönliche Präferenz: Die Analysten sprechen von einer Kernposition in Gold und einer taktischen Position in Minenaktien. Man stellt dies jedoch als Rahmen für institutionelles Denken dar, nicht als allgemeine Handlungsanweisung. Gleichzeitig verweist Sprott darauf, dass viele Analysten für dieses Jahr ein Erreichen von 5.000 US-Dollar je Unze Gold diskutieren. Unabhängig von konkreten Preiszielen sieht Sprott den Goldpreis in einem Umfeld, in dem er gegenüber Aktien und Anleihen über einen längeren Zeitraum relativ stark bleiben könne.
Unter dem Strich lautet seine Botschaft: Der Goldpreis konnte bereits viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen – doch das Kapital, das in klassischen Zyklen oft den größten Trend verstärkt, sei bislang noch eher Zuschauer als Treiber. Genau deshalb lohnt aus Sicht der Sprott-Analysten der Blick weniger auf das, was Gold schon getan hat, sondern darauf, wann Institutionelle vom Beobachten ins Handeln wechseln.