Gold wackelt, Fundament bleibt stark: Analysten erwarten „Big Move“ des Edelmetalls erst noch

Gold Preis rast auf Allzeithoch zu: Iran-Krieg treibt Rallye

Der Goldpreis sorgt derzeit erneut für Nervosität. Seit dem Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen Iran hat das Edelmetall bereits zum zweiten Mal einen Tagesverlust von 4 % verzeichnet. Der Spotpreis fiel gestern intraday bis auf die Unterstützung bei 4.500 USD je Unze und damit auf den tiefsten Stand seit dem scharfen Ausverkauf nach dem Rekordhoch nahe 5.600 US-Dollar im Januar. Für viele Marktteilnehmer ist das ein weiterer Beleg dafür, wie anfällig selbst ein strukturell stark wirkender Markt kurzfristig bleiben kann.

Gleichzeitig wird der aktuelle Rückgang von einigen Beobachtern nicht als Ende der Bewegung interpretiert, sondern als Zwischenschritt in einem größeren Umfeld wirtschaftlicher und fiskalischer Spannungen. Nach Einschätzung von Tavi Costa, CEO und Gründer von Azuria Capital ist der Rücksetzer im Goldpreis Teil eines deutlich größeren und nach dieser Lesart noch frühen Bullenmarkts bei Edelmetallen. Im Mittelpunkt dieser Argumentation stehen nicht kurzfristige Schwankungen an den Märkten, sondern längerfristige Kräfte wie die weltweite Schuldenentwicklung, eine veränderte Reservepolitik vieler Staaten und strukturelle Engpässe im Bergbausektor.

Goldpreis leidet kurzfristig unter Liquiditätsanforderungen und Zinserwartungen

Der unmittelbare Druck auf den Goldpreis erklärt sich in der aktuellen Phase vor allem durch ein schwierigeres Marktumfeld. Straffere Liquiditätsbedingungen und veränderte Erwartungen an die Zinspolitik lasten auf Gold, während gleichzeitig die wirtschaftliche Unsicherheit durch den Krieg mit Iran zunimmt. Steigende Energiepreise und zunehmender Inflationsdruck verschärfen diese Lage zusätzlich.

Gerade diese Mischung macht die Entwicklung für den Goldpreis so widersprüchlich. Einerseits gilt Gold traditionell als Absicherung gegen Unsicherheit und geopolitische Spannungen. Andererseits kann ein Umfeld mit engerer Liquidität und wechselnden Zinserwartungen kurzfristig genau jene Marktsegmente belasten, die zuvor von der Suche nach Sicherheit profitiert haben. Das Ergebnis ist ein Markt, der auf makroökonomische Spannungen mit hoher Volatilität reagiert.

Aus Sicht von Azuria Capital ist diese kurzfristige Unruhe jedoch nicht entscheidend für den langfristigen Verlauf. Dort wird der Rückgang eher als Störgeräusch innerhalb einer größeren Aufwärtsbewegung eingeordnet. Die übergeordnete These stützt sich weniger auf das Tagesgeschehen am Markt als auf grundlegende Verschiebungen in Staatsfinanzen, Währungsordnungen und der Rohstoffversorgung.

Azuria Capital sieht globale Schulden als Kern des Goldpreis-Trends

Der wichtigste Treiber für den langfristigen Goldpreis liegt nach dieser Einschätzung in der weltweiten Verschuldung. Besonders die USA stehen dabei im Fokus. Die Staatsverschuldung liegt inzwischen bei mehr als 39 Billionen US-Dollar, und angesichts der Kosten des Kriegs mit Iran wird zunehmend darüber spekuliert, dass die Marke von 40 Billionen US-Dollar noch vor dem Herbst erreicht werden könnte. Für Azuria Capital ist diese Entwicklung nicht nur ein fiskalisches Problem, sondern ein struktureller Faktor, der die geldpolitische Richtung nachhaltig beeinflussen dürfte.

Die Argumentation dahinter ist klar: Mit steigenden Schulden wachsen auch die Zinskosten des Staates. Diese Zinslast verdrängt andere Ausgabenbereiche und erhöht den Druck auf die Politik, Finanzierungskosten wieder zu senken. Daraus leitet Azuria Capital die Erwartung ab, dass politische Entscheidungsträger mittelfristig niedrigere Zinsen priorisieren könnten – selbst dann, wenn Inflationsdaten oder klassische Konjunktursignale eigentlich Zurückhaltung nahelegen würden. Für den Goldpreis wäre das aus dieser Sicht ein starker Rückenwind.

Diese Sichtweise stand auch im Mittelpunkt eines Vortrags von Azuria Capital auf der PDAC-Konferenz 2026, dem größten Bergbaukongress weltweit. Dort wurde Gold als Teil eines historischen Wendepunkts bei Sachwerten beschrieben. Trotz der bereits starken Entwicklung des Vorjahres wird der Sektor in dieser Lesart weiterhin als unterrepräsentiert im Anlegerverhalten angesehen. Hinzu kommt ein Vergleich, der den strukturellen Wandel illustrieren soll: Die US-Goldreserven entsprechen heute laut dieser Darstellung nur noch rund 3 % der US-Bundesschulden, während dieser Anteil in den 1940er-Jahren noch bei etwa 51 % lag.

Azuria Capital sieht globale Schulden als Kern des Goldpreis-Trends

Neben der Schuldenfrage verweist Azuria Capital auf eine weitere strukturelle Bewegung: die Veränderung im globalen Reserveverhalten. Viele Länder, insbesondere Schwellenländer, verlagern demnach ihre Reservestrategie zunehmend weg von US-Staatsanleihen und stärker hin zu Gold. Für den Goldpreis ist das ein entscheidender Faktor, weil damit eine zusätzliche Nachfragequelle entsteht, die nicht allein von westlichen Anlegerströmen abhängt.

Diese Tendenz wird in der Einschätzung von Azuria Capital durch die Aussicht auf einen über längere Zeit schwächeren US-Dollar zusätzlich verstärkt. Wenn Staaten ihr Vertrauen stärker auf physische Reserven und weniger auf US-Schuldtitel stützen, verändert das die Rolle von Gold im internationalen Finanzsystem. Der Goldpreis erscheint dann nicht nur als Krisenindikator, sondern auch als Ausdruck einer breiteren Neuordnung von Währungs- und Reservebeziehungen.

Gerade deshalb wird der aktuelle Rückgang nicht als fundamentaler Stimmungsbruch interpretiert. Vielmehr geht es aus dieser Sicht um die Diskrepanz zwischen kurzfristiger Marktreaktion und langfristigem Hintergrund. Der Goldpreis mag kurzfristig unter Druck stehen, doch die strukturellen Triebkräfte bleiben nach dieser Argumentation erhalten.

Auch Minenaktien bleiben Teil der Goldpreis-These

Die Sicht von Azuria Capital endet nicht beim Metall selbst. Auch Goldminenaktien werden als Teil eines frühen Zyklus beschrieben. Besonders hervorgehoben wird dabei die Lücke zwischen Metallpreis und Bewertung vieler Produzenten. Obwohl Gold und Silber stark gestiegen seien, würden zahlreiche Bergbauunternehmen weiterhin nur mit vergleichsweise moderaten Bewertungsmultiplikatoren gehandelt.

Für den Goldpreis ist das insofern relevant, als diese Diskrepanz auf ein weiterhin skeptisches Anlegerumfeld hindeutet. Nach Auffassung von Azuria Capital zweifelt ein Teil des Marktes noch immer daran, dass höhere Edelmetallpreise dauerhaft Bestand haben können. Genau diese Skepsis spiegele sich in den Bewertungen wider. Gleichzeitig würden aber viele Produzenten bereits Margen erzielen, die eher aus anderen Branchen bekannt seien, während ihre Produktionskosten deutlich unter den aktuellen Metallpreisen lägen.

Hinzu kommt ein strukturelles Angebotsproblem. Auf der PDAC wurde auf Daten verwiesen, wonach es in den vergangenen zwei Jahren praktisch keine bedeutenden neuen Entdeckungen gegeben habe. Für die moderne Bergbaugeschichte wäre das ein außergewöhnlicher Befund. Verbunden wird das mit Jahren geringer Investitionen in Exploration und Entwicklung. Daraus ergibt sich nach dieser Lesart ein engeres zukünftiges Angebotsprofil – und damit ein Umfeld, das den Goldpreis und den gesamten Edelmetallsektor über längere Zeit stützen könnte.

Unter dem Strich zeigt sich damit ein spannungsreiches Bild: Kurzfristig bleibt der Goldpreis anfällig für scharfe Rücksetzer, ausgelöst durch Liquidität, Zinserwartungen und geopolitische Unsicherheit. Langfristig wird der Markt jedoch von Faktoren geprägt, die nach Einschätzung von Azuria Capital deutlich tiefer reichen – von Schulden und Zinslasten über Reserveumschichtungen bis hin zu einer ausgedünnten Angebotsseite im Bergbau.

Schlagwörter

Erwähnte Unternehmen

Kategorien

Weiterführende Links

Verpassen Sie keine wichtigen News mehr.

Erhalten Sie exklusive Updates zu spannenden Rohstoff-Unternehmen, Marktanalysen und Investmentchancen direkt in Ihr Postfach.

Durch das Absenden des Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Kontaktdaten zum Versand des Newsletters verarbeitet werden.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

 

II. Risikoaufklärung:
Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

 

III. Interessenkonflikte:
Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.