Der Goldpreis ist bereits in der asiatischen Sitzung auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Auslöser waren laut Medienberichten die erhöhte Nachfrage nach sicheren Häfen sowie die anhaltende Spekulation auf niedrigere US-Zinsen. Während Anleger die Möglichkeit eines bevorstehenden Stillstands der US-Bundesverwaltung bewerten, dient Gold (Spot) einmal mehr als Absicherungsinstrument gegen politische Unsicherheit und geldpolitische Richtungswechsel.
Im frühen europäischen Handel kostet eine Unze des gelben Metalls so bereits mehr als 3.800 USD pro Unze – ein weiterer Rekordstand!
Parallel dazu profitierten die Notierungen von einem schwächeren US-Dollar. Vorangegangene, „im Rahmen der Erwartungen“ ausgefallene US-Inflationsdaten hielten die Hoffnung am Leben, dass die US-Notenbank (Federal Reserve) weitere Zinssenkungen in Betracht zieht – ein Umfeld, das tendenziell stützend auf Gold wirkt, da die Opportunitätskosten einer zinslosen Anlage sinken.
Die Kursrallye unterstreicht die Doppelfunktion des Edelmetalls: Einerseits als Wertspeicher in unsicheren Phasen, andererseits als Makro-Hedge gegen fallende Realzinsen. Marktteilnehmer verweisen in diesem Zusammenhang auf die zunehmende Vorsicht vor wichtigen US-Konjunkturdaten sowie auf die politischen Schlagzeilen aus Washington, die die Risikoaversion verstärken.
Nicht nur Gold – Edelmetalle insgesamt mit Rückenwind
Nicht nur Gold, auch andere Edelmetalle legten deutlich zu. Silber sprang zwischenzeitlich über 47 US-Dollar je Unze – den höchsten Stand seit über 14 Jahren. Platin gewann rund 3 % und erreichte mit 1.619,78 US-Dollar je Unze ein Mehr-Jahres-Hoch (über 12 Jahre). Diese Zugewinne sind typisch für Phasen, in denen ein schwächerer Greenback die in US-Dollar gehandelten Rohstoffe günstiger macht und Kapital in den gesamten Edelmetalsektor lenkt.
Während Silber häufig stärker schwankt als Gold und neben seiner monetären Komponente auch eine ausgeprägte industrielle Nachfrage aufweist, folgt Platin eigenen Angebots- und Nachfragezyklen, wird aber in Marktphasen erhöhter Risikoaversion ebenfalls mit nach oben gezogen. Für Anleger bedeutet das: Die aktuelle Bewegung ist sektorübergreifend – mit Gold als Taktgeber.
US-Haushaltsstreit als unmittelbarer Kurstreiber
Ein wesentlicher kurzfristiger Impuls kommt aus der US-Politik. Die Finanzierung der US-Bundesbehörden läuft den Angaben zufolge am 30. September um Mitternacht aus. Da bis Redaktionsschluss weder ein neues Ausgabengesetz noch eine Verlängerung verabschiedet waren, stieg die Wahrscheinlichkeit eines so genannten Government Shutdown. Überparteiliche Gespräche laufen Berichten zufolge weiter: Republikaner drängen auf ein Übergangsgesetz bis November, Demokraten fordern vor ihrer Zustimmung die Rücknahme jüngster Kürzungen im Gesundheits- und Medicaid-Bereich. Führende Vertreter beider Parteien sollen sich am Montag zu Vermittlungsgesprächen mit Präsident Donald Trump treffen.
Ein Shutdown hätte neben administrativen Folgen auch marktrelevante Auswirkungen: So könnte die Veröffentlichung der wichtigen US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) in dieser Woche verschoben werden. Bleibt der Stillstand länger bestehen, wären zudem Beeinträchtigungen wirtschaftlicher Aktivitäten möglich. Zur Einordnung: Der bislang längste Teil-Shutdown dauerte von Ende 2018 bis Anfang 2019 35 Tage; das Congressional Budget Office schätzte den damaligen BIP-Verlust auf rund 11 Mrd. US-Dollar. Solche Referenzwerte erhöhen die Sensibilität der Märkte – und stützen in der Konsequenz Gold.
Zahlreiche Faktoren stützen Gold
Für den Goldmarkt fallen derzeit mehrere Faktoren zusammen: geopolitische und fiskalische Unsicherheiten, ein schwächerer US-Dollar und die Erwartung, dass die Federal Reserve einen lockeren Kurs nicht ausschließt. In Summe begünstigt dies ein Umfeld, in dem Absicherungsbedarf auf reichlich Liquidität trifft. Kurzfristig dürfte der Nachrichtenfluss aus Washington – insbesondere zur Haushaltsfinanzierung – die Richtung vorgeben. Verzögerungen bei wichtigen Konjunkturveröffentlichungen könnten die Volatilität zusätzlich erhöhen, da Orientierungspunkte für die Geldpolitik fehlen.

Mittelfristig bleibt entscheidend, wie sich Inflation, Realzinsen und die tatsächliche geldpolitische Reaktion entwickeln. Sollte die Perspektive weiter sinkender Leitzinsen erhalten bleiben, mindert das tendenziell die Haltekosten von Gold und kann die Nachfrage nach physischem Metall sowie nach Terminkontrakten unterstützen. Auf der anderen Seite führt ein schneller Abbau politischer Unsicherheit oder ein erneuter Anstieg der Realrenditen oft zu Gegenbewegungen. Auch die Dynamik bei Silberund Platin ist im Blick zu behalten: Beide Metalle reagieren nicht nur auf Makroimpulse, sondern auch auf branchenspezifische Faktoren in Industrie und Automobilsektor.
Fazit: Der plötzliche Sprung auf Rekordniveaus zeigt die aktuelle Anfälligkeit der Märkte für politische und geldpolitische Nachrichten. Gold steht dabei im Zentrum des Geschehens – als Barometer für Risikoaversion und als Spiegel der Zinsfantasie. Ob die Hochs Bestand haben, wird maßgeblich davon abhängen, ob der US-Haushaltsstreit rasch gelöst wird und welche Signale die Notenbank in den kommenden Wochen sendet. Bis dahin bleibt Gold – zusammen mit Silber und Platin – im Fokus des Rohstoffhandels.