Die WTI-Ölpreise fielen zu Wochenbeginn zwischenzeitlich um mehr als 1,5 % und lagen dabei bei etwa 56,40 USD pro Barrel. Die erste Reaktion der Finanzmärkte auf die Intervention der USA in Venezuela war von vorsichtigem Optimismus geprägt, was die Erwartung widerspiegelt, dass die Absetzung des venezolanischen Präsidenten zu einer politischen Neuausrichtung in Richtung des Einflussbereichs der USA führen könnte.
Kurzfristig scheinen sich insbesondere die Aussichten für die Ölexporte weitgehend unverändert zu gestalten. Venezuela verfügt über rund 17 % der weltweit nachgewiesenen Ölreserven, doch in den letzten Jahren hat sich seine Fähigkeit zur Förderung und Verarbeitung von Rohöl erheblich verschlechtert. Die derzeitige Fördermenge wird auf unter eine Million Barrel pro Tag geschätzt, von denen etwa die Hälfte exportiert wird – das entspricht weniger als 1 % des weltweiten Angebots.
Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass Analysten bereits vor dem Wochenende für 2026 ein Überangebot auf den globalen Ölmärkten prognostiziert hatten, ist der aktuelle Preisrückgang nicht überraschend, wenn man die mittelfristige Aussicht auf einen Anstieg der venezolanischen Ölausfuhren auf den Weltmarkt berücksichtigt.
Ricardo Evangelista – Senior Analyst, ActivTrades