Der Goldmarkt hat in den vergangenen Wochen außergewöhnlich heftige Schwankungen erlebt, die sich auch am gestrigen Donnerstag fortsetzten – und das gelbe Metall wieder knapp unter die Marke von 5.000 USD führten. Dennoch bleibt der Grundton bei den Strategen der Großbank UBS positiv:
In einem aktuellen Kommentar verweisen die Analysten darauf, dass Gold trotz zwischenzeitlicher Erholung weiterhin rund 7% unter seinem Allzeithoch notiert – gleichzeitig aber seit Jahresbeginn etwa 16% im Plus liegt. Für UBS ist das kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines Marktes, der nach einer starken Bewegung kurzfristig sortiert, während die übergeordneten Treiber intakt bleiben.
Auffällig ist aus Sicht der Bank vor allem die Extremphase der Volatilität: UBS spricht von der größten Tagesbewegung nach unten seit 2013 und der größten Tagesbewegung nach oben seit 2008. Solche Ausschläge können kurzfristig Zweifel nähren, ob Gold seine Rolle als Absicherung gegen politische und finanzielle Spannungen in jedem Umfeld zuverlässig erfüllt. UBS hält diese Bedenken jedoch für überzogen und geht davon aus, dass der Aufwärtstrend bei Gold wieder an Fahrt gewinnen kann.
Gold und die jüngste Volatilität: Auslöser, Dollar-Fokus und Fed-Erwartungen
Als unmittelbaren Auslöser der starken Preisschwankungen nennen die UBS-Analysten die Nominierung von Kevin Warsh als künftigen Chef der Federal Reserve Ende Januar. Die Personalie habe an den Märkten kurzfristig Befürchtungen reduziert, dass ein deutlich „taubenhafter“ Kandidat die jüngste Schwäche des US-Dollars beschleunigen könnte. Zuvor hatte Gold laut UBS auch davon profitiert, dass Marktteilnehmer sich stärker um den Wert der US-Währung sorgten.
Die Botschaft dahinter: Kurzfristige Bewegungen bei Währungen und Zinserwartungen können den Goldpreis stark beeinflussen – manchmal unabhängig davon, ob sich an den längerfristigen Fundamentalfaktoren etwas ändert. UBS betont, man erwarte nicht, dass die Geldpolitik den Goldanstieg stoppt, wie es in der Vergangenheit in bestimmten Phasen mehrfach zu beobachten war. Entscheidend sei vielmehr, wie sich das Zinsumfeld real – also nach Abzug der Inflation – entwickelt und wie Anleger Positionen anpassen.
Warsh wird in der Mitteilung als jemand beschrieben, der zwar eine Schrumpfung der Fed-Bilanz befürwortet, in der Vergangenheit jedoch auch niedrigere Zinsen unterstützt habe. Für UBS ist das ein wichtiger Punkt: Selbst wenn langfristige Sorgen um den Dollar zeitweise nachlassen, könnte ein Umfeld sinkender realer US-Zinsen dem Goldmarkt Rückenwind geben.
Reale US-Zinsen als Hebel: Warum UBS bei Gold-ETFs mit neuer Nachfrage rechnet
Ein zentraler Baustein in der Argumentation von UBS ist der Zusammenhang zwischen realen US-Zinsen und der Nachfrage nach Gold-ETFs. Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen reale Zinsen deutlich, erhöht sich die „Opportunitätskosten“-Diskussion: Anleger erhalten dann relativ attraktiven Realzins anderswo und müssen den Verzicht auf Zinszahlungen stärker abwägen. Fallen reale Zinsen hingegen, sinkt diese Hürde.
UBS erwartet in den kommenden Monaten einen weiteren Rückgang der realen US-Zinsen. Das könnte nach Einschätzung der Analysten die Investorennachfrage nach Gold-ETFs unterstützen, weil das Halten des Metalls im Vergleich zu verzinslichen Anlagen weniger „teuer“ wirkt. In der Praxis kann das bedeuten, dass Kapitalströme in börsengehandelte Produkte wieder zunehmen, sobald die Zins- und Inflationskonstellation die Rahmenbedingungen dafür liefert.
Gleichzeitig verweist UBS darauf, dass ein weiterer stabilisierender Faktor bestehen bleibt: Zentralbanken dürften ihre Goldreserven weiter aufstocken. Diese Nachfragequelle gilt häufig als weniger kurzfristig getrieben als spekulative Positionierungen und kann in Phasen erhöhter Schwankungen eine wichtige Gegenkraft darstellen. Für UBS sind es genau diese beiden Elemente – realere Zinsen und Zentralbankkäufe –, die die Basis für eine Fortsetzung des Goldtrends bilden.
UBS-Zielmarke für Gold: 5.900 US-Dollar
Vor diesem Hintergrund hebt UBS die eigene Erwartung für den Jahresausgang an: Die Analysten prognostizieren, dass Gold zum Jahresende bei rund 5.900 US-Dollar je Unze liegen könnte. Diese Einschätzung ordnet die Bank in ein insgesamt positives Bild für Rohstoffe ein: Sowohl Industriemetalle als auch Edelmetalle hätten aus ihrer Sicht Spielraum, ihre starken Entwicklungen fortzusetzen. Treiber seien dabei vor allem Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, geopolitische Risiken sowie längerfristige Trends.
Interessant ist zudem der Hinweis, dass Rohstoffe im Jahr 2026 in Portfolios eine sichtbarere Rolle spielen könnten – nicht als Einbahnstraße, sondern als Ergebnis eines Umfelds, in dem Preisbewegungen stärker durch strukturelle Faktoren und weniger durch kurzfristige Stimmungswechsel geprägt werden. UBS nennt in diesem Zusammenhang auch andere Rohstoffsegmente wie Kupfer, Aluminium und Agrarrohstoffe, die – aus Sicht der Bank – zusätzliche Renditequellen darstellen und die Schwankungsstruktur eines Rohstoffengagements verändern können.
Unterm Strich bleibt die Kernaussage der UBS-Analysten klar: Trotz außergewöhnlicher Volatilität sehen sie Gold weiterhin von einem Umfeld unterstützt, in dem reale Zinsen tendenziell sinken und die Nachfrage aus dem offiziellen Sektor robust bleibt. Genau diese Kombination erklärt, warum UBS bei Gold zwar kurzfristige Turbulenzen einpreist, aber am positiven Grundbild festhält.