Tiefsee statt China: Japan startet Testförderung für Seltene Erden

Seltene Erden , Periodensystem Ucore

Japans Versorgung mit Seltenen Erden rückt einmal mehr in den Fokus – diesmal mit einem technologisch anspruchsvollen Praxistest auf hoher See. Am Montag ist das japanische Forschungsschiff „Chikyu“ zu einer Mission in Richtung des abgelegenen Korallenatolls Minamitori Island (rund 1.900 Kilometer südöstlich von Tokio) ausgelaufen. Ziel ist es, über einen Zeitraum von etwa einem Monat Schlamm vom Meeresboden zu bergen, der Seltene Erden enthält – und zwar aus einer Tiefe von rund sechs Kilometern. Geplant ist nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts die weltweit erste kontinuierliche Förderung solcher Sedimente vom Tiefseeboden direkt auf ein Schiff. Die „Chikyu“ soll am 14. Februar wieder im Hafen zurückerwartet werden.

Der Test ist Teil einer breiteren Strategie Tokios, die Abhängigkeit von China in Bezug auf kritische Rohstoffe zu senken. Seltene Erden sind Schlüsselmaterialien für Magnete, Elektronik, Fahrzeuge, Windkraftanlagen und zahlreiche Anwendungen im Verteidigungs- und Hightech-Bereich. Gerade bei sogenannten schweren Seltenen Erden – etwa für Hochleistungsmagnete in Elektro- und Hybridfahrzeugen – gilt Japan nach Einschätzung von Marktbeobachtern als besonders exponiert.

Seltene Erden aus 6.000 Metern Tiefe: Was Japan jetzt testen will

Die Mission der „Chikyu“ ist als Bestätigungstest angelegt. Nach jahrelanger Vorbereitung soll überprüft werden, ob sich seltene-Erden-haltiger Tiefseeschlamm unter realen Bedingungen aus extremer Tiefe fördern und an Bord handhaben lässt. Projektverantwortliche sprachen von einem Meilenstein, weil damit nicht nur eine neue Rohstoffquelle, sondern auch ein komplexer technischer Prozess unter Hochdruckbedingungen erprobt wird.

Minamitori Island spielt in Japans Rohstoffpolitik eine besondere Rolle: Das Gebiet gilt seit Jahren als potenziell aussichtsreich für marine Rohstoffvorkommen. Gleichzeitig ist es entlegen und logistisch anspruchsvoll, was die wirtschaftliche Bewertung erschwert. Die japanische Regierung betrachtet den Test deshalb ausdrücklich als Teil eines langfristigen Programms. Berichte beziffern die staatlichen Ausgaben seit 2018 auf rund 40 Milliarden Yen (etwa 250 Millionen US-Dollar). Eine konkrete Zielgröße für Reserven oder eine verbindliche Produktionsplanung wurde bislang nicht veröffentlicht. Sollte die Testphase gelingen, ist ein größrer Bergbauversuch für Februar 2027 in Aussicht gestellt.

Ökonomisch war die Gewinnung solcher Sedimente lange als schwer darstellbar eingestuft worden – zu hoch galten Kosten und technische Risiken. Im Hintergrund steht allerdings die Frage, ob sich die Kalkulation verschiebt, wenn geopolitische Risiken zunehmen und Abnehmer bereit sind, für Versorgungssicherheit höhere Preise zu akzeptieren.

China-Risiko und neue Exportrestriktionen erhöhen den Druck

Der Zeitpunkt der Mission ist auch politisch aufgeladen. China hat jüngst Exportbeschränkungen für sogenannte Dual-Use-Güter in Richtung Japans Militär verhängt – darunter nach Berichten auch kritische Mineralien. Zudem gibt es Hinweise aus Medienberichten, dass Peking weitergehende Restriktionen bei Seltenen Erden gegenüber Japan prüft; eine offizielle Bestätigung dafür steht jedoch aus. Japan hat die Dual-Use-Maßnahmen kritisiert, verwies bei Berichten über ein breiteres Verbot aber auf fehlende gesicherte Informationen.

Dass Rohstoffpolitik zum außenwirtschaftlichen Hebel wird, ist für Japan kein neues Szenario. Bereits 2010 hatte China die Ausfuhr von Seltenen Erden zeitweise gedrosselt, nachdem es im Umfeld umstrittener Inseln im Ostchinesischen Meer zu Spannungen gekommen war. Seitdem bemüht sich Tokio systematisch um Diversifizierung: Nach Angaben aus dem Reuters-Umfeld sank der Anteil Chinas an Japans Importen von rund 90% auf etwa 60% – unter anderem durch Investitionen, Recyclingprogramme und die Förderung alternativer Lieferketten. Ein häufig genanntes Beispiel ist die Zusammenarbeit der japanischen Handelsgesellschaft Sojitz mit Australiens Lynas Rare Earths (WKN 871899).

Auch auf internationaler Ebene gewinnt das Thema an Dynamik: Die G7-Finanzminister wollten die Versorgung mit Seltenen Erden nach Reuters-Informationen bei einem Treffen in Washington auf die Agenda setzen – ein Signal, dass die Industriestaaten das Thema zunehmend als strategische Lieferkettenfrage behandeln.

Langfristiges Projekt mit offener Wirtschaftlichkeitsfrage

Für Japan ist das Minamitori-Vorhaben vor allem ein Schritt in Richtung „Inlandslösung“: eine Quelle für Seltene Erden innerhalb des eigenen Einflussbereichs. Ökonomen verweisen jedoch darauf, dass eine substanzielle Reduktion der China-Abhängigkeit schwierig bleibt – zumal bestimmte Elemente und Verarbeitungsschritte global weiterhin stark konzentriert sind.

Hinzu kommt: Selbst wenn die Förderung technisch gelingt, steht der nächste Engpass oft erst dahinter – bei Aufbereitung, Trennung und Raffination. Gerade diese Wertschöpfungsstufen sind bei Seltenen Erden weltweit noch immer stark von China geprägt. Entsprechend wird der Erfolg des Projekts nicht nur an der Frage hängen, ob Sediment gefördert werden kann, sondern ob daraus in konsistenter Qualität marktfähige Produkte entstehen – und ob sich das zu wettbewerbsfähigen Kosten skalieren lässt.

Japan signalisiert mit der „Chikyu“-Mission dennoch, dass es seine Rohstoffstrategie breiter aufstellen will: weg von reinen Importlösungen, hin zu technologisch gestützten Alternativen, die auch unter geopolitischem Druck funktionieren sollen. Ob daraus mittelfristig eine neue Quelle für Seltene Erden entsteht, bleibt offen – der Test liefert jedoch Daten, die für die weitere Planung und eine mögliche großtechnische Erprobung entscheidend sein dürften.

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