Sternenstaub und Lieferketten: Warum Rohstoffe das Ticket ins All sind

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Wer an Raumfahrt denkt, hat meist majestätische Raketenstarts, glänzende Satelliten und mutige Astronauten vor Augen. Doch der Weg zu den Sternen beginnt nicht auf der Startrampe in Cape Canaveral oder Baikonur, sondern tief unter der Erde – in den Bergwerken der Welt. Ohne eine Handvoll hochspezialisierter Metalle blieben unsere Träume von Mars-Kolonien und globalem Satelliten-Internet buchstäblich am Boden kleben. In einer Ära, in der das „Space Race 2.0“ zwischen den USA, China und privaten Giganten wie SpaceX voll entbrannt ist, werden strategische Rohstoffe zur eigentlichen Währung der Macht.

Die „Zutatenliste“ für Raketen und Satelliten umfasst viele strategische Metalle, denn ein Raumschiff ist im Grunde ein hochkomplexer Metallkäfig, der extremen Bedingungen trotzen muss. Er muss zum Beispiel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre innerhalb von Sekunden extrem hohe Temperaturunterschiede aushalten können. Die zu erwartenden Schwankungen gehen dabei weit über das hinaus, was wir Menschen auf der Erde als „starke“ Temperaturschwankung erleben.

Von der sengenden Hitze beim Wiedereintritt bis zur absoluten Nullpunkt-Kälte des Vakuums ist es im All der sprichwörtliche Katzensprung. Hier kommen die „Helden der Periodensystems“ ins Spiel. Besonders kritisch für die Luft- und Raumfahrttechnik sind: Titan, Aluminium, Lithium, Nickel und Seltene Erden wie Neodym.

Titan ist für die Struktur und für die Triebwerke unverzichtbar, da es leicht und extrem hitzebeständig ist. Aluminium-Lithium-Legierungen sind der aktuelle Standard, wenn es um die Herstellung von Treibstofftanks geht. Nickel-Superlegierungen sind in der Weltraumtechnik unverzichtbar, um die enormen Drücke in den Raketentriebwerken beherrschen zu können. Last but not least sind auch Seltene Erden wie Neodym unabdingbar, denn ohne sie gäbe es keine Miniatur-Elektronik und auch keine präzisen Steuerungssysteme.

Betroffene Unternehmen: Wer zittert bei Lieferengpässen?

Was auf der Erde für ein Auto gilt, das gilt auch in der Raumfahrt: Kein Kunde wird ein Fahrzeug abnehmen, das nicht vollständig funktionstüchtig ist und niemand fährt mit einem Auto vom Hof des Händlers, bei dem das Kofferraumschloss nicht eingebaut wurde, weil es gerade nicht verfügbar war. Bei den für die Fahrsicherheit relevanten Teilen sind die Autokäufer noch sensibler. Kein Kunde setzt sich ohne Grund in ein Fahrzeug, bei dem die Bremsen nicht funktionieren oder die Lenkung plötzlich versagt.

Die Kunden in der Weltraumfahrt sind nicht weniger anspruchsvoll. Im Gegenteil: Ihre Ansprüche sind aufgrund der hohen Belastungen im All und der damit verbundenen Gefahren in der Regel noch höher. Niemand ist daher gewillt, sich mit zweitklassigen Materialien zu begnügen. Es wird immer die technisch beste Lösung gewählt und die für sie benötigten Metalle müssen auf dem Weltmarkt besorgt werden – egal wie.

Misslingt jedoch die Beschaffung der benötigten strategischen Materialien, zerplatzt der Traum vom Flug ins All schon lange vor dem Start. Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei der Beschaffung der benötigten strategischen Metalle betreffen daher nicht nur Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin, AST Space Mobile oder die NASA. Auch europäische Player wie ArianeGroup und Satellitenbauer wie Airbus Defence and Space oder OHB hängen am Tropf der globalen Lieferketten.

Wenn China beispielsweise den Export von Gallium einschränkt oder Russland, ein Gigant in der Titan-Produktion, sanktioniert wird, geraten auch im Westen schnell Projekte und Zeitpläne ins Wanken. Ein moderner Satellit besteht aus tausenden Komponenten – fehlt nur eine winzige Menge eines speziellen Metalls für die Halbleiter, steht analog zum fehlenden Heckschloss beim Auto die komplette Produktion sehr schnell still.

Das Nadelöhr: Die Geopolitik der Lieferketten

Das Problem ist dabei nicht unbedingt die Knappheit der Metalle an sich, sondern ihre Konzentration. China kontrolliert fast 90 % der Verarbeitung Seltener Erden. Wenn westliche Unternehmen in den Weltraum wollen, müssen sie deshalb paradoxerweise zuerst ihre Abhängigkeiten auf der Erde untersuchen und ggf. beseitigen. Erst dann können sie ernsthaft über einen Flug ins All nachdenken. Der Ukraine-Konflikt zum Beispiel hat gezeigt, wie fragil der Zugang zu Titan ist, und die Spannungen im Indopazifik bedrohen aktuell die Versorgung mit High-Tech-Mineralien.

Fazit: Strategische Rohstoffe sind das unsichtbare Rückgrat der Raumfahrt. Die Zukunft der Menschheit im All wird heute in den Verhandlungen über Minenrechte und Handelsabkommen entschieden. Wer die strategischen Metalle kontrolliert, kontrolliert damit indirekt auch den Weg zu den Sternen. China weiß das und hat sich seit Jahren entsprechend positioniert. Der Westen hingegen hat diese strategischen Implikationen in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt.

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