Nachdem Gold im Frühjahr ein Allzeithoch nach dem anderen ausgebildet hatte und auch der Silberpreis von einem Mehrjahreshoch zum nächsten vordrang, ist es in den letzten drei Monaten etwas ruhiger um die beiden bekanntesten Edelmetalle geworden.
Die Kurse von Gold und Silber vollzogen eine rund dreimonatige Seitwärtsphase. Mit ihr wurde der vorangegangen steile Anstieg konsolidiert. Solche Korrekturen sind in jedem langfristigen Aufwärtstrend anzutreffen. Sie sind nicht nur normal, sondern auch gesund, denn die Alternative wäre ein fahnenstangenartiger Anstieg und von diesen weiß man, dass sie nach ihrem Ende meist ebenso schnell und kraftlos wieder in sich zusammenfallen, wie sie zuvor gen Himmel gestürmt sind.
Die sommerliche Korrektur war deshalb weder für das Gold noch für das Silber etwas Ungewöhnliches. Dennoch ist es bemerkenswert, was in den letzten drei Monaten passiert ist, obwohl viele Anleger möglicherweise den Eindruck haben, dass doch eigentlich gar nichts passiert sei.
Gold und Silber mit Atempause auf sehr hohem Niveau
Die Auflösung dieses vermeintlichen Widerspruchs ist, dass die Korrektur vor allem beim Gold nicht primär über den Preis, sondern vor allem über die Zeit erfolgte. Das preisliche Tief der Korrekturbewegung lag rund 200 US-Dollar unter dem Allzeithoch. Nach einem vorangegangenen Anstieg von 800 US-Dollar bedeutete dies ein Korrekturpotential von lediglich 25 Prozent.
Das ist weit weniger als eine Minimalkorrektur, die den Preis für gewöhnlich um etwa 38,2 Prozent zurückgehen lässt. Von einer Normalkorrektur (-50 Prozent) oder einer Maximalkorrektur (-61,9 Prozent) ganz zu schweigen. So langweilig und nervig die vergangenen Wochen für viele Goldanleger deshalb gewesen sein mögen: Preislich wurde nicht das geringste Porzellan zerschlagen. Im Gegenteil: Die Korrektur war harmlos.
Auch zeitlich ist die Korrekturdauer keineswegs ungewöhnlich, denn sie umfasste die saisonal schwächsten Monate des Jahres. Dass die Preise für Gold und Silber im Mai, Juni, Juli und meist auch im August keine Bäume ausreißen, ist normal. Erst nach dem Ende der Sommerferien, wenn alle wichtigen Player an den Finanzmärkten wieder mit im Spiel sind und die Schmuckindustrie beginnt, ihren Bedarf an Gold und Silber für das kommende Weihnachtsgeschäft zu decken, ziehen in der Regel auch die Kurse wieder an.
Die stärkste Phase des Jahres für Gold und Silber beginnt
Nicht nur die Goldbugs, auch die im Silber investierten Anleger haben deshalb allen Grund, in diesen Tagen sehr optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die beste Zeit des Jahres steht mit dem Winterhalbjahr unmittelbar bevor und in den Charts kann die Korrekturbewegung der letzten Monate als ein Rechteck interpretiert werden, das die Basis für die nächste größere Aufwärtsbewegung darstellen könnte.
Auch fundamental spricht weiterhin viel für das Gold und mindestens ebenso viel für das Silber. Das Vertrauen in den US-Dollar leidet unter Donald Trumps Sprunghaftigkeit und diese war auch während des Sommers ein allgegenwärtiger Bestandteil des politischen Theaters. Eine erste Zinssenkung der FED wird vom Markt ebenfalls erwartet. Ob zu Recht, das sei einmal dahingestellt. Doch sollte sie im September kommen, wird dies den Goldpreis weiter stützen.
In den nächsten Monaten müssen die USA einen großen Teil ihrer Schulden von 37 Billionen US-Dollar refinanzieren. Das wird die internationalen Blicke wieder auf das leidige Thema der ausufernden Schulden lenken. Uncle Sam steht an dieser Stelle nicht alleine im Scheinwerferlicht. Auch Frankreichs langfristig nicht mehr tragbare Schuldenlast dürfte mehr und mehr in den Blick genommen werden.
Dem vielen Papiergeld stehen nur wenige wahre Werte gegenüber
Wenn steigende und nicht mehr zu finanzierende Schulden mit niedrigeren Zinsen bekämpft werden müssen, weil die betroffenen Staaten sonst nur noch schneller straucheln und zu Boden gehen, werden die Anleger reagieren, und zwar anders als noch vor zehn Jahren, als sie die Phase der niedrigen und negativen Zinsen mit einer kräftigen Aktienhausse bejubelten.
Statt einer neuerlichen Aktienrallye sollte eher mit einer Flucht in reale Werte außerhalb des labilen Finanzsystems gerechnet werden. Gold und Silber bieten sich an dieser Stelle an, denn sie haben bislang noch jede Finanzkrise überstanden und egal ob in Inflation oder Deflation ihre Besitzer vor größeren Schäden bewahrt.
Wenn es auch am Aktienmarkt zu einer Rallye kommen sollte, könnten ausgerechnet jene Werte von den Anlegern besonders gesucht sein, die vor zehn Jahren von den meisten Investoren noch links liegengelassen wurden: die Gold- und Silberminen und die Aktien von Unternehmen, die Gold- und Silberlagerstätten entwickeln.