Der Industrierohstoff Nummer Eins Kupfer könnte in den kommenden Jahren noch stärker in den Fokus rücken. Nach einer aktuellen Analyse der Beratunggsgesellschaft S&P Global wird die globale Kupfernachfrage bis 2040 nämlich deutlich anziehen – getrieben nicht nur von klassischen Abnehmern wie Bauwirtschaft und Elektrotechnik, sondern zunehmend auch von Künstlicher Intelligenz, Robotik und dem Verteidigungssektor. Gleichzeitig warnt der Bericht vor einer erheblichen Versorgungslücke, falls Recycling und Bergbau nicht deutlich schneller ausgebaut werden.
S&P Global beziffert den erwarteten Bedarf 2040 auf rund 42 Millionen Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: Für 2025 setzt die Studie etwa 28 Millionen Tonnen an. Damit entspräche der Anstieg einer Größenordnung von rund 50% innerhalb von 15 Jahren. Ohne zusätzliche Quellen auf der Angebotsseite könnte laut den Analysten knapp ein Viertel dieser Nachfrage unbefriedigt bleiben – das wären mehr als 10 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr.
Kupferbedarf: KI, Robotik und Verteidigung verändern die Nachfragestruktur
Kupfer ist seit Jahrzehnten ein Grundmetall der Industrie: Es leitet Strom sehr gut, ist korrosionsbeständig und lässt sich vergleichsweise gut formen. Entsprechend wird es in zahlreichen Anwendungen genutzt – von Gebäudetechnik und Transport bis hin zu Elektronik und Geräten des täglichen Bedarfs. S&P Global betont, dass sich diese klassische Basisnachfrage fortsetzt, etwa durch Klimaanlagen und andere kupferintensive Haushaltsgeräte.
Neu ist nach Einschätzung der Autoren jedoch die Dynamik, die von KI- und Verteidigungsanwendungen ausgeht. Rechenzentren gelten als besonders material- und stromintensive Infrastruktur. S&P verweist dabei auf die starke Projektpipeline im Bereich Data Center: Im vergangenen Jahr seien mehr als 100 neue Rechenzentrumsprojekte mit einem Volumen von knapp 61 Milliarden US-Dollar gemeldet worden. Solche Vorhaben benötigen große Mengen an elektrischer Infrastruktur – und damit in der Regel auch Kupfer.
Parallel dazu sieht der Bericht den Verteidigungssektor als zusätzlichen Treiber. Der Krieg in der Ukraine sowie höhere Verteidigungsausgaben, etwa in Japan und Deutschland, dürften demnach die Nachfrage nach Kupfer weiter stützen. Ein zentraler Punkt der Analyse: In der Rüstungsindustrie sei der Bedarf schwer ersetzbar und weniger preissensibel – S&P Global spricht von einer „inelastischen“ Nachfrage. Da nahezu jedes elektronische System Kupfer enthält, wirken Aufrüstung und höhere Investitionen in militärische Technik nach dieser Logik als struktureller Nachfrageschub.
Angebotslücke bei Kupfer: Mehr Recycling und neue Minen gefordert
Dem erwarteten Nachfrageanstieg stellt S&P Global ein kritisches Angebotsszenario gegenüber. Ohne zusätzliche Versorgung drohe ab 2040 eine jährliche Lücke von mehr als 10 Millionen Tonnen Kupfer. Die Studie nennt als zentrale Stellschrauben mehr Recycling und mehr Bergbau – also sowohl eine stärkere Rückgewinnung aus dem Materialkreislauf als auch zusätzliche Primärproduktion.
Wichtig ist dabei: Der Bericht bezieht potenzielle zukünftige Mengen aus Tiefseebergbau ausdrücklich nicht ein. Die Analyse konzentriert sich stattdessen auf den erwarteten Bedarf und die absehbaren Angebotsmöglichkeiten an Land sowie auf das Potenzial einer höheren Recyclingquote. Das macht die Aussage im Kern klar: Selbst wenn politische Rahmenbedingungen für die Energiewende schwanken, sieht S&P Global die Nachfrageentwicklung als robust an – und zwar unabhängig davon, ob Regierungen bestimmte Klimaziele besonders aktiv verfolgen oder nicht.
S&P Global weist zudem darauf hin, dass die Methodik der neuen Studie von einer früheren Veröffentlichung aus dem Jahr 2022 abweicht. Damals stand der Zusammenhang mit einem „Net-Zero“-Pfad bis 2050 im Vordergrund. Die aktuelle Arbeit setzt hingegen auf ein Basisszenario: Kupfernachfrage steige demnach auch dann, wenn Klimapolitik weniger dominant ausfällt. Hintergrund dieser Annahme ist laut S&P, dass sich „die Politik der Energiewende“ in den vergangenen Jahren deutlich verändert habe.
Kupfer als „Metall der Elektrifizierung“ – und die Rolle der Lieferketten
Das fassen die Experten so zusammen: Die treibende Kraft sei die fortschreitende Elektrifizierung – und Kupfer sei das „Metall der Elektrifizierung“. Diese Sichtweise unterstreicht, warum neben klassischen Industrien nun auch neue Technologiefelder auf denselben Rohstoff zugreifen.
Der Bericht ordnet die Versorgung zudem in den globalen Kontext ein: Chile und Peru werden als wichtigste Förderländer genannt, während China als größter Verarbeiter (Schmelzkapazitäten) gilt. Für die USA verweist S&P darauf, dass das Land etwa die Hälfte seines Kupferbedarfs importiert und zugleich bereits Zölle auf bestimmte Kupferprodukte erhoben hat. Damit erhält die Prognose eine zusätzliche Dimension: Nicht nur die absolute Menge, sondern auch Handelsströme und Industriepolitik können den Markt beeinflussen.
Unterm Strich zeichnet S&P Global ein Szenario, in dem Kupfer bis 2040 eine neue strategische Bedeutung erhält – mit wachsenden Bedarfen aus KI, Verteidigung und Robotik sowie einer Angebotsseite, die ohne zusätzliche Recycling- und Bergbaukapazitäten kaum Schritt halten dürfte.