Nach einem parabolischen Anstieg zu Jahresbeginn ist der Silberpreis nach Einschätzung eines ETF-Anbieters in eine Konsolidierungsphase übergegangen. Das müsse aus Sicht langfristig orientierter Marktteilnehmer jedoch nicht bedeuten, dass die übergeordnete Aufwärtsargumentation gebrochen ist.
Die Experten von Amplify ETFs erklärten, dass die Stimmung unter Privatanlegern trotz der zuletzt erhöhten Schwankungen stabil wirke – und dass sich die Marktstruktur bei Silber weiterhin auf zwei tragenden Säulen stütze: industrielle Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot sowie Investmentnachfrage, die durch Safe-Haven-Überlegungen und De-Dollarisierungstendenzen getragen werde.
Die Analysten beschreiben das aktuelle Bild als eine Phase der „Preisfindung“ nach einer sehr schnellen Bewegung. Zwar hätten sich die Zuflüsse in entsprechende Produkte zuletzt etwas verlangsamt, von einem Stimmungsbruch oder einer „Panik“ bei Retail-Investoren sei jedoch nichts zu hören. Für Marktbeobachter ist diese Einschätzung interessant, weil gerade nach starken Ausschlägen häufig die Frage im Raum steht, ob Momentum-Käufer den Markt verlassen – oder ob Rücksetzer eher als Gelegenheit zur Positionsanpassung genutzt werden.
Amplify ETFs: Privatanleger bleiben ruhig – Käufer traten beim Rücksetzer auf
Bemerkenswert ist der Hinweis, dass während des deutlichen Preisrückgangs im Vormonat bei Amplify die Käufer bereits in der ersten Abwärtsbewegung aktiv geworden seien. Gleichzeitig habe sich rund um die Marke von 70 US-Dollar pro Unze mehr zweiseitiger Handel entwickelt, also ein Umfeld, in dem sowohl Käufe als auch Verkäufe zunehmen. Unterm Strich seien die Flows im laufenden Jahr jedoch positiv geblieben.
Die Experten ordnen dieses Verhalten in ein Muster ein, das Silber in der Vergangenheit häufiger gezeigt habe: Das Metall „hinkt“ in frühen Phasen einer Edelmetallrallye dem großen Bruder Gold nicht selten zunächst hinterher, kann dann aber in kurzer Zeit kräftig nachziehen. Man verweist auf den starken Anstieg im Januar, als Silber in der Bewegung bis auf Allzeithochs zulegte. Das zeigt einmal mehr die bekannte Eigenschaft auf, dass Silber in Trendphasen zu beschleunigten Bewegungen neigt – sowohl nach oben als auch nach unten.
Silberpreis: Angebots-/Nachfrage-These bleibt – aber der Markt sucht ein neues Fundament
Trotz des grundsätzlich konstruktiven Grundtons erwartet Amplify kurzfristig eher eine Bodenbildungs- als eine erneute unmittelbare Ausbruchsphase. Die Analysten sprechen davon, dass sich möglicherweise ein neuer „Floor“ etabliere und verorten diesen im Bereich von 70 bis 80 US-Dollar je Unze. In dieser Spanne könne sich der Silberpreis zunächst seitwärts bewegen, während spekulative Übertreibungen abkühlen und der Markt ein neues Gleichgewicht findet.
Den strukturellen Hintergrund sieht Amplify zweigleisig. Auf der einen Seite steht die industrielle Nutzung von Silber, die nach seiner Darstellung mit einem strukturellen Angebotsdefizit zusammenfällt. Auf der anderen Seite bleibt die Investmentnachfrage ein Faktor – besonders dann, wenn geopolitische Unsicherheit die Nachfrage nach „real assets“ als Sicherheitsanker erhöht. Diese Kombination macht es aus Sicht der Experten plausibel, dass die übergeordnete bullische Argumentation bestehen bleibt, auch wenn der Markt zwischendurch längere Seitwärtsphasen durchläuft.
In dieses Bild passt, dass Silber zuletzt wieder Rückenwind erhielt, als geopolitische Spannungen die Safe-Haven-Nachfrage verstärkten. Aktuell nämlich kostet eine Unze bereits wieder mehr als 89 USD pro Unze. Das zeigt, wie schnell der Markt in Stressphasen wieder anspringen kann, selbst wenn die übergeordnete Bewegung zuvor in eine Konsolidierung übergeht.
Blick nach vorn: Fed-Politik und Optionsmarkt als Taktgeber für den nächsten Impuls
Für die nächsten Monate macht Amplify vor allem die US-Geldpolitik als entscheidenden Taktgeber aus. Der Silberpreis bleibt – wie andere Edelmetalle – empfindlich gegenüber Erwartungen an Zinsschritte, Realzinsen und den US-Dollar. Man verweist darauf, dass sich Markterwartungen zeitweise in Richtung einer „dovishen“ (lockereren) Ausrichtung bewegt hätten. In jüngerer Zeit hätten Notenbankvertreter jedoch angesichts robuster Konjunkturdaten auch die Möglichkeit von Zinserhöhungen signalisiert. Dieses Spannungsfeld könne dazu führen, dass Märkte zunächst „herumeiern“ und in einer Handelsspanne verharren.
Die Grundannahme: Der Sommer könnte von einer eher spannengebundenen Entwicklung geprägt sein. Eine „nächste Etappe“ nach oben hält man zwar nicht für ausgeschlossen – im Gegenteil, die Analysten deuten an, dass es „irgendwann“ eine weitere Aufwärtswelle geben könne –, zeitlich verortet man eine solche Bewegung aber eher in der zweiten Jahreshälfte, falls sie denn einsetzt.
Als ergänzendes Signal nennt Amplify die Positionierung im Derivatemarkt: Das Open Interest im Optionsmarkt sei weiterhin in Richtung Calls (Wetten auf steigende Kurse) verzerrt. Das deute darauf hin, dass sich Marktteilnehmer trotz der jüngsten Konsolidierung weiterhin auf ein mögliches Upside-Szenario vorbereiten. Gleichzeitig passt diese Beobachtung zu der Einschätzung, dass der Markt zunächst Preisfindung und das Abbauen spekulativer Überhänge braucht, bevor eine neue Trendbewegung nachhaltig Fahrt aufnehmen kann.
Der Silberpreis scheint nach dem schnellen Anstieg nicht also mehr im reinen Beschleunigungsmodus, sondern in einer Phase der Neuordnung – aber die Nachfrageargumente und die Investorenpositionierung sprechen aus Sicht von Amplify ETFs dafür, dass Silber weiterhin genau beobachtet wird und für den nächsten Richtungsimpuls vor allem Makrofaktoren, insbesondere die Federal Reserve, entscheidend sein dürften.