Stand: 02.04.2026 von Florian Grummes
Seit dem Ausbruch des US-Iran-Krieges am 28. Februar 2026 durchlaufen die Finanz- und Rohstoffmärkte eine heftige Korrektur- und Achterbahnfahrt. Während der Goldpreis in den ersten beiden Kriegstagen noch rasant auf 5.419 US-Dollar je Unze stieg, fiel er in den darauffolgenden drei Wochen auf ein Tief von 4.099 US-Dollar zurück.
Silber geriet noch stärker unter Druck: Vom Hoch bei 96,42 US‑Dollar ging es zeitweise um -36,8 % bis auf 61,00 US‑Dollar nach unten. Seit diesen Panik-Tiefs am 23. März konnten sich die Edelmetalle innerhalb von zehn Tagen aber spürbar erholen – Gold bis auf 4.800 US‑Dollar, Silber bis 76,41 US‑Dollar.
Am heutigen Gründonnerstag herrschen jedoch wieder tiefrote Vorzeichen, denn US-Präsident Trump hatte in der Nacht eine Fortsetzung der Angriffe angekündigt.

Märkte am Gründonnerstag, vom 2. April 2026. ©GOLD.DE
Der Goldpreis wurde direkt von 4.800 bis auf 4.554 US-Dollar abverkauft, Silber rutschte von 76,41 bis auf 69,63 US-Dollar um -8,84 % innerhalb von acht Stunden (!) in den Keller.
Gleichzeitig zogen sowohl der Ölpreis (+12,13 %) als auch die globalen Anleiherenditen (US-Rendite zehnjähriger Staatsanleihen: 4,37 %) wieder stark an. Die Märkte schwanken hochvolatil zwischen Hoffen und Panik, und vieles deutet darauf hin, dass das gesamte Ausmaß dieser geopolitischen Tragödie an den Aktienmärkten noch längst nicht eingepreist ist.
Die geopolitischen und makroökonomischen Dynamiken rund um den US-Iran-Konflikt entfalten weitreichende Folgen für Rohstoff-, Anleihe- und Aktienmärkte. Die dichte und komplexe Verflechtung aus geopolitischen Spannungen, De-Dollarisierung, steigenden Zinsen, Rohstoffknappheit und globalen Liquiditätsengpässen lässt auf absehbare Zeit kaum Entspannung erwarten.Im Gegenteil – vieles spricht dafür, dass sich die Lage leider weiter zuspitzen wird.
Anleger sollten daher größte Vorsicht walten lassen, Liquidität hochhalten und Edelmetalle gezielt in markanten Rücksetzern akkumulieren. Gold und Silber sind dabei nicht nur klassische “Safe Haven-Investments”, sondern vielmehr auch ein stilles Statement – ein Reflex auf die Fragilität der modernen Zivilisation, eine Versicherung gegen menschliche Hybris.
Schon Friedrich August von Hayek erinnerte uns daran, dass die heutige Welt, die Milliarden Menschen trägt, auf dem Fundament des Privateigentums ruht. Seine Worte haben heute mehr Gewicht denn je: Wird diese moralische Grundlage untergraben, bricht das System zusammen, das Wohlstand und Ordnung geschaffen hat. In diesem Sinne sind Gold und Silber mehr als nur Rohstoffe – sie sind Symbole echten Eigentums, unbestechlich und unabhängig von staatlicher Willkür oder monetärer Manipulation. Sie stehen für das, was Hayek als wahre Ordnung verstand:ein System des Vertrauens, das aus sich selbst heraus Bestand hat.
Silber in USD – Wochenchart im Korrektur-Modus

Silber in US-Dollar, Wochenchart vom 2. April 2026. ©GOLD.DE
Betrachtet man das große Bild, so konnte der Silberpreis seit dem Panik-Tief während der Corona-Krise am 16. März 2020 in knapp sechs Jahren um beeindruckende 945 % steigen. Am 29. Januar erreichte er schließlich ein Übertreibungshoch bei 121,67 US-Dollar.
Die anschließende Korrekturphase seit Ende Januar führte bislang zu einem Tief bei 61 US‑Dollar – ein Rückgang um rund 50 % vom neuen Silber-Allzeithoch. Damit haben die Bären sowohl das 38,2 %- als auch das 50 %‑Retracement erfolgreich unterschritten und den steilen Kursanstieg seit Mitte November größtenteils korrigiert.
Die Wochen‑Stochastik hat zwar mittlerweile den überverkauften Bereich erreicht, ein neues Kaufsignal wurde bislang aber nicht generiert.
Das nächste klassische Fibonacci‑Level wartet bei 61,8 % bzw. 53,67 US‑Dollar. In diesem Bereich würde Silber in die breite Unterstützungszone rund um den früheren, über Jahrzehnte währenden Widerstand bei 50 US‑Dollar eintreten.Wir halten es für wahrscheinlich, dass der Markt diese Zone – ob direkt oder über eine zähe und komplizierte Korrekturphase – nochmals ansteuern wird.
Silber in USD – Erholung auf dem Tageschart hätte noch Luft

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 2. April 2026. ©GOLD.DE
Wie vor zwei Wochen vermutet, setzte sich die Korrektur beim Silberpreis zunächst fort. Dabei beschleunigte sich der Abverkauf ab dem 18. März und führte am 23. März zu einem weiteren Panik-Tief, dieses Mal bei 61 US-Dollar. Anschließend erholte sich der Silberpreis zunächst zögerlich, vorgestern dann etwas deutlicher bis auf 76,41 US-Dollar.
Der scharfe Rücksetzer am heutigen Gründonnerstag (in der Spitze -8,84 % innerhalb von acht Stunden) lässt allerdings schon wieder Zweifel an der Nachhaltigkeit der angelaufenen Erholung aufkommen. Derart starke und impulsive Rücksetzer sind eher charakteristisch für ein weiterhin korrektives Marktumfeld.
Trotzdem hat das neue Stochastik‑Kaufsignal auf dem Tageschart den jüngsten Rücksetzer bislang überlebt. Um das technische Bild weiter aufzuhellen, müssten die Bullen jedoch baldmöglichst eine Fortsetzung der Erholung bis an die fallende 50‑Tagelinie (82,80 US-Dollar) durchsetzen.
Insgesamt zeigt sich derzeit ein uneinheitliches, teils widersprüchliches Bild für den Silbermarkt: Während der Wochenchart weiteren Korrekturbedarf andeutet, hat sich im Tageschart bereits eine erste Erholung etabliert. Solange sich die Silbernotierungen oberhalb von 68 US‑Dollar behaupten können, stehen die Chancen gut, dass die Aufwärtsbewegung in Richtung 80 bis 83 US‑Dollar fortgesetzt wird.
Fazit: Silber – Zerbrechliche Erholung
Am Ende verdichtet sich das Bild zu einer unbequemen, aber klaren Erkenntnis: Die aktuelle Schwächephase bei Silber ist weniger ein isoliertes Marktphänomen als vielmehr Ausdruck eines tiefgreifenden Umbruchs im globalen Finanzsystem. Zwischen geopolitischer Eskalation, strukturellem Liquiditätsdruck und dem wachsenden Druck der Anleihemärkte geraten selbst klassische „sichere Häfen“ temporär unter Druck.
Die fragile Erholung bei Silber steht damit sinnbildlich für eine Welt im Übergang – hin zu einer neuen Ordnung, in der Vertrauen nicht mehr selbstverständlich ist, sondern zunehmend hinterfragt wird. Kurzfristig bleibt das Umfeld von hoher Volatilität, widersprüchlichen Signalen und taktischen Rückschlägen geprägt.Weitere Rücksetzer, auch in Richtung der großen Unterstützungszone um 50 US-Dollar, sind nicht nur möglich, sondern im Kontext einer laufenden Bereinigung sogar wahrscheinlich.
Langfristig jedoch verschiebt sich der Maßstab: In einem System wachsender Schulden, politischer Einflussnahme und monetärer Unsicherheit gewinnen reale, nicht beliebig vermehrbare Vermögenswerte immer weiter an Bedeutung. Silber bleibt damit – trotz aller Schwankungen – ein strategischer Baustein.
Nicht, weil es kurzfristig steigt, sondern weil es langfristig etwas verkörpert, das im globalen Finanzsystem zunehmend verloren geht: Knappheit, Substanz und echtes Eigentum.