Seit dem 28. Februar 2026 hält der Krieg im Nahen Osten die Welt in Atem. Ausgelöst durch die groß angelegten US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran haben nach verschiedenen Quellen mittlerweile zwischen etwa 1.500 und über 6.000 Menschen ihr Leben verloren, wobei der weitaus größte Teil der Todesopfer auf iranischer Seite zu verzeichnen ist.
Seit drei Wochen warnen wir eindringlich vor den globalen Folgen dieses Konflikts. Dennoch glaubt ein großer Teil des westlichen Mainstreams weiter an die absurden Versprechen von US-Präsident Trump. Die Realität ist eine andere: Den USA fehlt eine klare Exit-Strategie, stattdessen haben sie die Welt an den Rand des Abgrunds geführt. Zwar berichten Quellen aus Weißem Haus und Militär von „Off-Ramps“ und Deeskalationsoptionen, doch die offizielle Linie bleibt vage – geprägt von widersprüchlichen Signalen zwischen Siegesrhetorik, Eskalationsdrohungen und wachsendem wirtschaftlichem sowie politischem Druck.
Finanzmärkte im freien Fall – nur Öl hält stand
Die Blockade der Straße von Hormus sowie Angriffe auf Raffinerien und Öl- bzw. LNG-Anlagen haben die globalen Energie- und Treibstoffmärkte in eine tiefe Krise gestürzt. Doch erst diese Handelswoche traf der Krieg die Finanzmärkte voll: Weltweit wurden Aktien, Rohstoffe und Kryptowährungen massiv abverkauft, vielerorts kam es zu Crashs. Nur Öl blieb stabil– im Westen knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel, in Dubai bereits 150 US-Dollar. In immer mehr Ländern greifen Regierungen zu drastischen Maßnahmen: Benzin und Diesel werden rationiert, Verkäufe begrenzt, Flüge fallen wegen Kerosinmangel oder hoher Preise aus.
Rationierung und Flugausfälle – Asien besonders betroffen
In den letzten drei Wochen haben vor allem Staaten in Süd- und Südostasien Rationierungen und Verkaufseinschränkungen eingeführt: In Bangladesch gilt ein Tageslimit von 10–15 Litern pro Fahrzeug, Sri Lanka nutzt ein QR-Code-System mit Wochenquoten, Pakistan setzte auf Vier-Tage-Woche, Homeoffice-Pflicht und Tankstellenrationierung. Myanmar leidet unter Versorgungsengpässen und Transportproblemen, während Indien, Ägypten und Kenia lokal den Verkauf von Kochgas und Kraftstoffen beschränken und priorisieren.
Besonders stark trifft die Kerosinknappheit den Luftverkehr in Vietnam, Thailand und den Philippinen. Vietnam warnte vor massiven Flugausfällen ab April wegen ausbleibender Importe aus China und Thailand. Auch Airlines reagieren: SAS streicht über 1.000 Flüge, Air France-KLM und Air New Zealand jeweils rund 1.100 Verbindungen.
Kettenreaktion – Düngemittel, Inflation und drohende (Hyper-)Stagflation
Parallel sind die globalen Schwefel- und Düngemittelmärkte durch Lieferkettenstörungen im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Die Folgen für Inflation, Anleihemärkte und den US-Dollar sind gravierend – und werden wohl bald die Geldpolitik dominieren. Mit der faktischen Unterbrechung der Energiezufuhr aus der Golfregion droht der Weltwirtschaft ein neuer, scharfer Inflationsschock, der viele Volkswirtschaften in Rezession oder Depression stürzen könnte. Im Kern steht eine Phase der Hyper-Stagflation bevor.
Dennoch verharren viele Investoren passiv – wie Kaninchen im Scheinwerferlicht – und hoffen auf eine schnelle Lösung. Dabei unterschätzen sie die strategische Tiefe Irans, die Dauer der Krise und die zahlreichen Dominoeffekte.
Illusion der schnellen Lösung – Kompromiss unwahrscheinlich
Ein Waffenstillstand oder Friedensabkommen ist höchst unwahrscheinlich – nicht aus Starrsinn, sondern weil es längst nicht mehr um Öl, Nuklearfragen oder Territorium geht. USA und Iran ringen um die Deutungshoheit über die Realität selbst. Eine Seite wird siegen, die andere verschwinden – ein Mittelweg existiert nicht.
Zugleich fehlt im Iran faktisch ein Verhandlungspartner: Die Führungsspitze wurde durch gezielte Angriffe weitgehend ausgelöscht, darunter Ali Chamenei zu Kriegsbeginn sowie jüngst Ali Laridschani, de-facto-Regierungschef im Krieg, der am 17. März 2026 bei einem israelischen Luftangriff starb. Als zentrale Schaltstelle für Sicherheits- und Kriegsentscheidungen war er nach Chameneis Tod der einflussreichste Akteur. Seine Eliminierung hat das Regime weiter fragmentiert, die Entscheidungsfähigkeit massiv geschwächt und ein Machtvakuum geschaffen, das Verhandlungen derzeit nahezu unmöglich macht.
Systemische Schwäche des Westens und globale Abhängigkeiten
Die vollständige Sicherung der Straße von Hormus ist faktisch unmöglich. Seit 2022 hat sich die Kriegsführung grundlegend gewandelt: Günstige Drohnen und Raketen verleihen kleineren Staaten enorme asymmetrische Schlagkraft. So konnte der Iran trotz Luftüberlegenheit weiter ballistische Raketen einsetzen, etwa beim Angriff auf die größte LNG-Anlage. Systeme wie Shahed-Drohnen sind billig und schnell produziert, ihre Abwehr jedoch extrem kostspielig.
Zugleich offenbart sich die strukturelle Schwäche des Westens: Ohne China ist der Wiederaufbau strategischer Rüstungsbestände kaum möglich. China dominiert 65–70 % der Förderung und 85–90 % der Verarbeitung kritischer Ressourcen wie Seltene Erden. Hält der Konflikt an, drohen massive systemische Erschütterungen und ein weiter geschwächter Westen.
Der wahre Schock – Der nächste globale Lockdown
Die eigentliche Gefahr liegt nicht im Krieg, sondern in seinen globalen Folgen für den Alltag. Ein Ölpreis über 150 US-Dollar pro Barrel löst eine Kettenreaktion aus: F lüge werden gestrichen, Transportkosten explodieren, Konsumgüter verteuern sich. Düngemittel und Rohstoffe werden knapp, Lebensmittelpreise steigen stark. Immer mehr Staaten rationieren Energie – erst schleichend, dann offiziell.
Was als „temporäre Energieeinschränkung“ beginnt, erinnert schnell an Pandemie-Maßnahmen: weniger Reisen, mehr Homeoffice. Doch diesmal geht es um Energieversorgung und Systemstabilität. De facto entsteht – ohne so benannt zu werden – der größte globale Lockdown seit COVID-19: ein Ausnahmezustand mit schrittweise eingeschränkter Mobilität, Konsum und Freiheit, begründet mit dem Schutz der Gemeinschaft.
Rohstoff-Superzyklus bestätigt
Aktien gegen Rohstoffe seit 1971, vom 18. März 2026. © Incrementum AG
Vor diesem Hintergrund treten Edelmetalle kurzfristig in den Hintergrund. Dennoch bleiben Gold, Silber und Platin bewährter Schutz vor der kommenden Inflationswelle – eine Rolle, die sie in geopolitischen und monetären Krisen stets bestätigt haben. Der neue Rohstoff-Superzyklus ist durch den Iran-Krieg endgültig manifestiert: Mittel- bis langfristig dürften Edel- und Industriemetalle, Seltene Erden, Öl, Gas, Uran und Agrarwerte deutlich steigen.
Kurzfristig ist jedoch Vorsicht geboten: Ein mögliches „2008 auf Steroiden“-Szenario kann die Märkte weiter belasten, sodass auch Edelmetalle vorübergehend stark fallen. Besonders Silber, als Schnittstelle zwischen Edel- und Industriemetall, reagiert sensibel auf makroökonomische Spannungen, Inflation und Währungstrends – und hat seit Kriegsbeginn bereits rund 32 % verloren.
Silber – Charttechnik trübt sich weiter ein

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 21. März 2026. ©GOLD.DE
Unsere Warnung vor einem Silber-Crash vor zwei Wochen sowie unsere Ölpreisprognose vor vier Wochen haben sich als absolut treffsicher erwiesen. Von seinem Erholungshoch bei 96,42 US-Dollar ist der Silberpreis innerhalb von knapp drei Wochen dramatisch auf 65,48 US-Dollar abgestürzt – ein Rückgang von über 30 Prozent in kürzester Zeit. Zwar wurde das erste markante Korrekturtief vom 5. Februar bei 64,06 US-Dollar bislang noch nicht unterschritten, doch das Chartbild hat sich mittlerweile deutlich eingetrübt.
Der Ölpreis hat hingegen unsere beiden Kursziele bei 90 und 120 US-Dollar in kürzester Zeit abgearbeitet und befindet sich in einem neuen Aufwärtstrend. Nachdem es dem Silberpreis in den vergangenen Wochen nicht gelang, seine 50-Tage-Linie (86,30 US-Dollar) nachhaltig zurückzuerobern, wurde der Kurs in dieser Woche hart nach unten durchgereicht. Die Abwärtslawine brachte den niedrigsten Wochenschlusskurs seit drei Monaten. Zudem biegen die Bären das Bollinger Band nach unten auf und die Silberkurse rutschen hier bereits wie an einer Reling gen Süden. Das nächste logische und bereits in wenigen Tage bzw. Wochen erreichbare Ziel ist nun die steigende 200-Tagelinie (57,18 US-Dollar). Bis dahin fehlen aktuell nur noch rund 10 US-Dollar. Knapp darunter bildet die ehemalige Widerstandszone um 50 US-Dollar eine sehr starke Unterstützung. Dementsprechend erwarten wir für die Silberpreis-Korrektur im Bereich zwischen ca. 50 und 55 US-Dollar einen Boden, von wo aus die nächste Aufwärtswelle oder zumindest eine größere Erholungsbewegung starten sollte.
Sollte der Silberpreis allerdings die gleiche Korrekturstrecke wie vom neuen Allzeithoch bei 121,67 US-Dollar bis auf 64,04 US-Dollar nochmal abtragen wollen, wäre der finale Boden erst im Bereich zwischen 38 bis 42 US-Dollar zu erwarten! Je nachdem, wie schnell und entschlossen die Notenbanken den kollabierenden Märkten und Volkswirtschaften in den kommenden Wochen zu Hilfe eilen werden, wird sich das tatsächliche Ausmaß der Verwerfungen an den Finanzmärkten entscheiden. Die Edelmetallpreise zählen in der Regel zu den ersten Assets, die auf neue Liquiditätsfluten und Gelddruckorgien positiv reagieren – oft mit deutlichem Vorlauf gegenüber Aktien oder anderen Risikoanlagen. Dementsprechend sollten Anleger zunächst weiter Zurückhaltung üben, Geduld bewahren und vor allem ausreichend Liquiditätsreserven aufbauen oder halten. Nur so bleibt man in dieser Krise handlungsfähig.
Fazit: Silber – 2008 hoch zehn
Gerne würden wir zwei Wochen vor Ostern positive Nachrichten liefern, doch drei Wochen nach Kriegsbeginn (28. Februar 2026) zeigt sich ein düsteres, realistisches Bild: Der Konflikt im Nahen Osten, ausgelöst durch US- und israelische Angriffe auf den Iran, hat Tausende Opfer gefordert, die Führung in Teheran weitgehend ausgeschaltet und Verhandlungen faktisch unmöglich gemacht.
Die Blockade der Straße von Hormus und massive Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion haben eine globale Energiekrise ausgelöst. Raffinerien, Gasanlagen, LNG-Komplexe und Häfen in Iran, Qatar, Saudi-Arabien, den VAE, Kuwait, Israel sowie teils Bahrain und Oman wurden schwer getroffen oder lahmgelegt. Der Schiffsverkehr durch Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen, Öl- und Gaspreise explodieren, die Energieversorgung ist weltweit gefährdet. Gleichzeitig crashen Aktien-, Rohstoff-, Edelmetall- und Kryptomärkte, während in Süd- und Südostasien Rationierungen, Vier-Tage-Wochen und Flugausfälle den Alltag prägen. Es drohen Hyper-Stagflation, Lebensmittelpreisschocks und ein stiller globaler Lockdown – ein schneller Kompromiss ist nicht absehbar.
Zugleich bestätigt der Krieg den neuen Rohstoff-Superzyklus: Edelmetalle (Gold, Silber, Platin) sowie Öl, Gas, Seltene Erden und Agrarwerte dürften mittelfristig stark steigen, sobald Notenbanken gegensteuern. Kurzfristig ist jedoch Vorsicht geboten: Silber hat über 30 % verloren, bleibt charttechnisch schwach und könnte weiter bis 50–55 US-Dollar fallen. Anleger sollten Liquidität bewahren, geduldig bleiben und auf den Wendepunkt warten statt panisch zu reagieren.
