Silber knapper als gedacht: Warum das Gold-Silber-Verhältnis kippen könnte

Silber Barren glänzend

Jeder Markt hat seine Besonderheiten. Wer sie als Anleger nicht kennt oder sie gar kennt aber ignoriert, läuft unweigerlich Gefahr, von diesen Eigenheiten des Marktes eines Tages überrannt zu werden. Was für Märkte allgemein gilt, gilt selbstverständlich auch für die Rohstoffmärkte und hier ganz besonders für Silber, denn dieses weist einige Besonderheiten auf, die bei anderen Rohstoffen so nicht anzutreffen sind.

Ein Teil dieser speziellen Eigenschaften ist geologischer Natur. Bekannt ist vielen Rohstoffanlegern, dass Silber in den obersten Schichten der Erdkruste etwa 17 Mal häufiger vorkommt als das Gold. Trotzdem müssen derzeit – je nach Tageskurs – knapp 80 Unzen Silber auf den Tisch gelegt werden, um eine Unze Gold zu kaufen. Aus rein geologischer Sicht macht ein derart hohes Gold-Silber-Verhältnis nicht viel Sinn, denn es suggeriert einen Überfluss an Silber, den es in dieser Form auf der Erde nicht gibt.

Blickt man zurück in die mehr als 4.000-jährige Geschichte von Gold und Silber, wird man schnell herausfinden, dass das Preisverhältnis der beiden Edelmetalle zueinander lange Zeit im Bereich zwischen 15 und 17 geschwankt hat und die hohen Gold-Silber-Verhältnisse, die wir aktuell vorfinden, ein sehr junges Phänomen sind. Es ist erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgetreten und bestimmt seitdem das Bild. Ob die heutigen hohen Gold-Silber-Verhältnisse auf Dauer Bestand haben werden, ist deshalb eine mehr als berechtigte Frage.

Der heutige Silberbergbau ist nicht mehr der Bergbau früherer Jahre

Obwohl geologisch auf eine Unze Gold immer noch 17 Unzen Silber kommen, ist die faktische Förderung der Bergbauindustrie eine ganz andere, denn für jede heute gewonnene Unze Gold werden gleichzeitig nur noch rund sieben oder acht Unzen Silber gefördert. Oder anders ausgedrückt: Die Bergbauindustrie fördert derzeit nur etwa die Hälfte dessen an Silber, was geologisch zumindest prinzipiell möglich wäre.

Geht man dieser Beobachtung weiter auf den Grund und fragt danach, warum es den Bergbauunternehmen nur noch gelingt, etwas mehr als die Hälfte des vorhandenen Potentials auszuschöpfen, trifft man auf eine weitere geologische Besonderheit des Silbers.

Verglichen mit dem gesamten Durchmesser der Erde sind die obersten Schichten der Erdkruste vergleichsweise dünn. Dennoch sprechen wir an dieser Stelle über eine Schicht, die sich über mehrere Kilometer erstreckt und innerhalb dieser Schicht sind die einzelnen Elemente alles andere als gleich verteilt. Silber hat beispielsweise die Eigenschaft, in den oberen Schichten der Erdoberfläche häufiger und in den tieferen Schichten seltener angetroffen zu werden.

Das einfach zu findende Silber wurde bereits gefördert

Das bereits erwähnte geologische Gold-Silber-Verhältnis von 17 ist damit alles andere als stabil. Es charakterisiert eher die Situation in den obersten Schichten der Erdkruste und es wird immer geringer, je tiefer man geht. Für frühere Generationen war dies ein großer Vorteil, für uns ist es ein Nachteil, denn wir müssen tiefer graben, um an ähnlich große Silbermengen zu kommen.

Technisch ist uns das gewiss leichter möglich als dies in früheren Zeiten der Fall war. Dennoch bleibt der Nachteil, dass wir im Vergleich zu früheren Generationen einen wesentlich höheren Aufwand betreiben müssen, um ähnlich viel Silber zu fördern. Wenn man nun noch bedenkt, dass fast überall im Bergbau die niedrig hängenden Früchte bereits geerntet wurden, wird schnell deutlich, welche Kostenlawine an dieser Stelle heute bereits auf uns zurollt.

Der heutige Preis für Silber spiegelt diese geologischen Besonderheiten noch nicht wider. Er reflektiert vielmehr immer noch eine Situation, wie sie im Verlauf des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts lange Zeit gegeben war. Doch diese Zeiten sind vorbei und es spricht derzeit nicht viel dafür, dass sie noch einmal zurückkehren werden.

Jeder Anleger, der glaubt, dass der Silberpreis in den letzten Monaten viel zu hoch gestiegen sei und deshalb bald zurückkommen müsse, macht seine Rechnung an dieser Stelle ohne Mutter Natur auf. Viele Dinge auf dieser Welt und in unserem Leben können durch geschickte psychologische Vorgaben beeinflusst werden. Die Geologie nicht. Sie folgt eigenen Gesetzen und jeder Rohstoffanleger ist gut beraten, diese Gesetze zu kennen und ihnen zu folgen.

Tut er es nicht, sind unangenehme Überraschungen nur noch eine Frage der Zeit.

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