Silber-Ausblick 2026: Silver Institute erwartet erneut starkes Investmentinteresse bei anhaltendem Marktdefizit

Silberbarren und Silbermünzen von GOLDINVEST - Silberpreis, Silber News und Silber Aktien

Der Silbermarkt ist mit außergewöhnlicher Dynamik ins Jahr 2026 gestartet. Nach dem stärksten Jahresanstieg seit 1979 setzte Silber im Januar seine Rallye zunächst fort und markierte mehrere Rekordstände. Erstmals wurde dabei die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar je Unze überschritten. In der Folge fiel das Gold-Silber-Verhältnis unter 50 – ein Niveau, das zuletzt 2012 erreicht wurde. Danach kam es zu einer scharfen Korrektur unter 80 US-Dollar, doch der Preis zeigte sich zuletzt widerstandsfähig und konnte nach Einschätzung der Beobachter eine technische Unterstützungszone ausbilden.

Der jetzt veröffentlichte Ausblick von The Silver Institute zeichnet für 2026 ein Bild, das von zwei Kräften geprägt wird: einerseits hoher Volatilität und kurzfristigen Preisschwankungen, andererseits strukturell engen physischen Märkten und einem weiteren Angebotsdefizit. Grundlage der Prognosen ist eine Analyse von Metals Focus, die auch den Jahresbericht „World Silver Survey 2026“ erstellt. Dessen Veröffentlichung ist für den 15. April angekündigt.

Silber 2026: Preisbewegungen bleiben hoch, Treiber aus 2025 wirken weiter

Die Analysten verweisen darauf, dass die maßgeblichen Faktoren, die Silber bereits 2025 gestützt haben, im bisherigen Jahresverlauf 2026 weiterhin präsent sind. Genannt werden insbesondere eine knappe physische Verfügbarkeit in London, ein wechselhaftes geopolitisches Umfeld, Unsicherheit über die US-Politik sowie Fragen rund um die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Zusätzlich wird ein grundsätzlich unterstützendes Fundament aus Angebot und Nachfrage betont: Für 2026 erwartet der Bericht ein sechstes aufeinanderfolgendes Jahr, in dem die Gesamtnachfrage das Gesamtangebot übersteigt.

Diese Ausgangslage hilft zu erklären, warum sich Silber nach dem Rücksetzer zwar deutlich unter den Januar-Höchstständen bewegt, aber nicht in einen dauerhaften Abwärtstrend überging. Der Bericht spricht von „Resilienz“ und verweist zugleich auf anhaltende Engpässe, die Preisschwankungen verstärken können – etwa im Zusammenhang mit Zöllen, hoher Investmentaktivität und einem Defizit, das den Markt bereits seit 2021 begleitet.

Nachfrage: Investment soll zulegen, Industrie und Schmuck schwächer

Für 2026 erwartet der Bericht bei der globalen Silbernachfrage insgesamt kaum Veränderung. Der Grund: Zuwächse im Bereich der physischen Geldanlage – vor allem bei Barren und Münzen – dürften Rückgänge in anderen Segmenten weitgehend ausgleichen.

Die industrielle Verarbeitung wird für 2026 jedoch rückläufig gesehen: minus 2 % auf rund 650 Mio. Unzen – ein Vierjahrestief. Als zentraler Belastungsfaktor gilt erneut die Photovoltaik. Zwar sollen die globalen Solarinstallationen weiter steigen, doch „Thrifting“ (sparsamere Verwendung) und teilweise Substitution von Silber in Komponenten lassen den Silberbedarf der PV-Branche sinken. Gleichzeitig nennt der Bericht strukturelle Wachstumsfelder, die die Schwäche teilweise abfedern können: der Ausbau von Rechenzentren, Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz sowie die Automobilindustrie sollen den Silberverbrauch in mehreren industriellen Anwendungen stützen.

Deutlich schwächer werden Schmuck und Tafelsilber eingeschätzt. Die Schmucknachfrage soll 2026 zum zweiten Mal in Folge zurückgehen, um mehr als 9 % auf 178 Mio. Unzen – der niedrigste Wert seit 2020. Hohe Preise gelten als Hauptgrund, wobei insbesondere Indien als preisempfindlicher Markt herausgestellt wird. China bildet laut Bericht eine Ausnahme: Dort könnte die Nachfrage leicht steigen, unter anderem wegen Produktinnovationen und der zunehmenden Beliebtheit vergoldeter Silber-Schmuckstücke. Bei Silberwaren wird ein noch stärkerer Rückgang von rund 17 % erwartet – ebenfalls mit Schwerpunkt Indien.

Demgegenüber wird die physische Investmentnachfrage als klarer Gegenpol beschrieben: Sie soll um 20 % auf 227 Mio. Unzen steigen und damit ein Dreijahreshoch erreichen. Nach drei Jahren rückläufiger Entwicklung könnte sich insbesondere die westliche Nachfrage erholen, während auch in Indien auf den bereits starken Vorjahreswerten aufgebaut werden dürfte.

Angebot und Defizit: Mehr Minen- und Recyclingmenge, aber weiter nicht genug

Auf der Angebotsseite rechnet der Bericht für 2026 mit einem moderaten Wachstum: Das gesamte Silberangebot soll um 1,5 % auf 1,05 Mrd. Unzen steigen – ein Zehnjahreshoch. Der Zuwachs kommt aus zwei Quellen: Minenförderung und Recycling.

Die Minenproduktion soll um 1 % auf 820 Mio. Unzen steigen. Treiber seien höhere Ausstöße bestehender Betriebe sowie neue oder jüngst in Betrieb genommene Projekte. Regional werden mehrere Impulse genannt: In Mexiko soll Wachstum vor allem aus primären Silberminen kommen; in China wird ein höherer Output aus der Jiama-Polymetallmine von China Gold International erwartet, unter anderem durch laufende Anlagenerweiterungen. Zuwächse in Kanada werden unter anderem bei Keno Hill (Hecla Mining Company) sowie New Afton von New Gold Inc. gesehen, das sich laut Bericht in einem Übernahmeprozess durch Coeur Mining befindet. In Marokko soll die hochgefahrene Produktion bei Zgounder von Aya Gold & Silver beitragen. Für Peru werden dagegen niedrigere Mengen bei Cerro Lindo (Nexa Resources) und Tambomayo (Buenaventura) als Gegenwind genannt.

Auch als Nebenprodukt aus Goldminen soll Silber 2026 zulegen. Beispiele für erwartete Anstiege nennt der Bericht bei Pueblo Viejo von Barrick Mining Corporation, Salares Norte von Gold Fields sowie Nezhda von Polymetal International. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Produktion aus Basismetallbetrieben leicht sinken könnte – und dass schwache Zink- und Bleipreise Risiken für die Stabilität entsprechender Betriebe darstellen.

Beim Recycling erwartet der Bericht einen spürbaren Sprung: plus 7 %, womit die Recyclingmenge erstmals seit 2012 wieder über 200 Mio. Unzen liegen soll. Besonders Silberwaren könnten als Schrottquelle zulegen, da Verbraucher bei hohen Preisen verstärkt verkaufen.

Trotz dieser Angebotsausweitung bleibt das Fazit eindeutig: Der Silbermarkt soll 2026 mit einem Defizit von 67 Mio. Unzen erneut unterversorgt sein. Der Ausgleich werde – wie bereits in den Vorjahren – über die Freisetzung von Barren aus oberirdischen Beständen erfolgen, was den ohnehin angespannten physischen Markt zusätzlich beansprucht.

Zum Investmentteil nennt der Bericht weitere Kennzahlen: Bis 9. Februar 2026 sei der Silberpreis im laufenden Jahr bereits um 11 % gestiegen. Zudem hätten sich Münz- und Barrenkäufe zuletzt belebt; globale ETP-Bestände werden auf rund 1,31 Mrd. Unzen geschätzt. Für die kommenden Monate wird ein Umfeld beschrieben, das Edelmetalle grundsätzlich stützen kann – bei zugleich weiterhin hoher Volatilität.

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