Silber markiert mit Preisen über $44 je Unze ein neues 14-Jahreshoch. Während viele Anleger auf das Rekordniveau von $50 schielen, sehen auch die Silberspezialist von Sprott Asset Management, die Rallye erst am Anfang – mit mehr als $6 weiterem Aufwärtspotenzial.
Im Gespräch mit Kitco News verweisen die Analysten auf Palladium als Blaupause: Anfang 2016 lag Palladium bei rund $500 je Unze, im Mai 2021 bereits über $3.000 und erreichte nach turbulenten Monaten im März 2022 $3.425. In sechs Jahren summierte sich das Plus auf fast 600% – ein Maßstab, der Silbers bisherige Jahresperformance von 52% einordnet.
Marktengpass als Treiber für Silber
Treiber war damals wie heute ein deutlicher Marktengpass. Zwischen 2012 und 2016 stieg die Palladiumnachfrage bei stagnierendem Angebot; die Preise reagierten erst 2016, als Investoren den Mangel erkannten. Bei Silber sind oberirdische Lager zwar schwer zu beziffern, doch fünf Jahre erheblicher Defizite zeigen Wirkung. In diesem Zeitraum summierte sich das Angebotsloch auf rund 800 Mio. Unzen; für dieses Jahr wird ein Defizit von etwa 187 Mio. Unzen erwartet.
An der Lage dürfte sich laut Sprott so bald nichts ändern: Die Minenförderung hält mit der Nachfrage nicht Schritt, obwohl Silber für die Weltwirtschaft essenziell ist. Besonders die Energiewende liefert Rückenwind – Photovoltaik benötigt Silber, Solarenergie hat sich als kostengünstige Ergänzung im Energiemix etabliert. Viel Nachfrage kommt aus Schwellenländern, allen voran Indien. Größter Abnehmer bleibt jedoch die elektronische Industrie. Da Technologieinvestitionen heute den CapEx dominieren, spricht vieles dafür, dass das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage bestehen bleibt.
Selbst steigende Lagerbestände würden die Fragmentierung globaler Lieferketten kaum ausgleichen: Immer mehr Länder wechseln vom „Just-in-Time“- zum „Just-in-Case“-Modell mit heimischen Vorräten – zu entsprechenden Kosten.