Seltene Erden: NdPr-Oxid im Rallye-Modus, Preisziel für 2026 steigt auf 90.000 USD je Tonne

Selten Erden Neodym Permanentmagneten

Der Markt für das Seltene Erden-Metall NdPr-Oxid (Neodym/Praseodym) ist nach Einschätzung von BMI mit spürbarem Rückenwind ins Jahr gestartet. Das Research-Haus – eine Tochter von Fitch Solutions – hat seine Prognose für den durchschnittlichen Jahrespreis 2026 nach oben angepasst: Im Mittel erwartet BMI nun 90.000 US-Dollar je Tonne. Ausschlaggebend seien ein „robuster Jahresauftakt“, enger werdende Fundamentaldaten sowie eine politische Dynamik, die den Markt zusätzlich sensibilisiert.

Im Januar erreichte NdPr-Oxid laut BMI mehrjährige Höchststände. Der Preis reagierte dabei nicht nur auf Angebots- und Nachfrageerwartungen, sondern auch auf Signale aus China und neue regulatorische Rahmenbedingungen in mehreren Ländern. Gleichzeitig bleibt der Ausblick differenziert: Kurzfristig rechnet BMI eher mit einer Seitwärtsbewegung – allerdings in einem Umfeld, in dem politische Entscheidungen jederzeit neue Volatilität auslösen können.

NdPr-Oxid im Januar nahe 100.000 US-Dollar: Auslöser aus China

BMI verweist auf eine markante Preisbewegung zur Monatsmitte: Am 15. Januar stieg NdPr-Oxid demnach auf ein Mehrjahreshoch von 97.969 US-Dollar je Tonne. Als unmittelbarer Impuls werden Ankündigungen aus China genannt. Die Unternehmen Northern Rare Earth und Baotou Steel hätten eine Erhöhung des Transaktionspreises für Seltene-Erden-Konzentrat für das erste Quartal bekanntgegeben. Das habe das Marktbild gestützt und den Aufwärtsimpuls verstärkt.

Später im Monat setzte sich die Rallye laut BMI fort: Am 27. Januar wurden demnach 99.935 US-Dollar je Tonne erreicht. BMI leitet daraus ab, dass der Markt aktuell nicht nur auf physische Verfügbarkeit, sondern stark auf Preisanker und Erwartungen reagiert, die aus den chinesischen Lieferketten stammen. Gerade bei magnetrelevanten Seltenen Erden wie NdPr-Oxid wirkt China als zentraler Taktgeber – und entsprechend hoch ist die Sensibilität gegenüber neuen Signalen aus dem Land.

Trotz der starken Bewegung betont BMI, dass sich das Momentum in den kommenden Monaten eher abschwächen könnte. Die Analysten erwarten, dass NdPr-Oxid kurzfristig innerhalb einer Spanne pendelt. Die Grundlage dafür bleibt aus Sicht der Studie zwar konstruktiv – doch nicht ausschließlich aufgrund klassischer Angebots-Nachfrage-Faktoren, sondern auch, weil die Stimmungslage am Markt derzeit ein wesentlicher Treiber ist.

Exportregeln, Quoten und Geopolitik: Warum der Markt für Seltene Erden politisch bleibt

Parallel zur Preisrallye sieht BMI eine veränderte geopolitische und regulatorische Lage, die die Risikowahrnehmung am NdPr-Oxid-Markt erhöht. Genannt werden unter anderem erneute öffentliche Ansprüche von Donald Trump in Bezug auf Grönland, wo Seltene-Erden-Ressourcen als besonders attraktiv gelten, sowie die anschließende Ankündigung eines „Rahmens für einen künftigen Deal“. Hinzu kommen chinesische Exportbeschränkungen für Seltene Erden nach Japan und ein Exportverbot Vietnams für unverarbeitetes Seltene-Erden-Erz, das am 1. Januar in Kraft trat.

BMI hält zudem fest, dass der Markt sehr empfindlich auf mögliche Mitteilungen zu chinesischen Quoten reagieren dürfte. Solche Quotenentscheidungen würden normalerweise direkte Rückschlüsse auf die verfügbare Menge erlauben. Gleichzeitig verweist BMI auf die geringe Transparenz („opake Rhetorik“) aus Peking, was den Interpretationsspielraum erhöht – und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Erwartungen und Stimmung kurzfristig dominieren.

In der kurzfristigen Preisprojektion rechnet BMI mit einer Entspannung gegenüber den Januarspitzen: Für das erste Quartal wird ein durchschnittlicher NdPr-Oxid-Preis von 93.000 US-Dollar je Tonne erwartet, für das zweite Quartal 87.000 US-Dollar je Tonne. Gleichzeitig schließt BMI politisch getriebene Volatilität ausdrücklich nicht aus und sieht das Risikoprofil zum Jahresende eher auf der Oberseite. Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass Chinas „zweite Welle“ an Exportkontrollen derzeit bis November ausgesetzt sei – wobei offenbleibt, ob sich daraus eine länger anhaltende Entspannung ableiten lässt.

Nachfrage aus E-Autos und Offshore-Wind: BMI erwartet Defizit auch 2026

Für 2026 begründet BMI die nach oben revidierte NdPr-Oxid-Prognose vor allem mit einer weiterhin robusten Nachfrage. NdPr ist ein Schlüsselrohstoff für Permanentmagnete, die in vielen sauberen Energietechnologien eingesetzt werden – besonders in Elektrofahrzeugen und Windturbinen. BMI erwartet, dass die globale NdPr-Oxid-Nachfrage 2026 um 7,7% gegenüber dem Vorjahr steigt. Die zugrunde liegenden Annahmen leitet das Haus aus Prognosen zu E-Auto-Verkäufen und zur Windkraftkapazität ab.

Für den E-Auto-Markt nennt BMI einen Zielwert von 22,9 Millionen weltweit verkauften Pkw-Elektrofahrzeugen (BEV und PHEV) im laufenden Jahr, was einem Wachstum von 6,6% entsprechen würde. Das sei relevant, weil NdPr in den Traktionsmotoren vieler E-Autos genutzt werde. Zwar gewinnen seltene-erdenfreie Motoren an Aufmerksamkeit, doch BMI geht weiterhin davon aus, dass Permanentmagnetmotoren aufgrund ihrer Effizienz und Leistungsdichte im Prognosezeitraum die dominierende Technologie bleiben.

Ein zweiter Nachfrageblock ist die Offshore-Windenergie. BMI hebt hervor, dass Offshore-Anlagen häufig Direktantriebs-Turbinen mit permanentmagneterregten Generatoren nutzen, die pro Megawatt mehr NdPr benötigen als Getriebe-Designs. Für 2026 prognostiziert BMI ein Wachstum der globalen Offshore-Windkapazität um 14,3% auf 109,1 GW. Zusätzlich erwartet das Haus, dass Offshore-Wind in den kommenden Jahren stärker außerhalb der bisherigen Schwerpunkte zunimmt, mit besonders hohem Wachstum in entwickelten asiatischen Märkten.

Auf der Angebotsseite rechnet BMI 2026 mit einem Plus: NdPr-Oxid-Produktion soll um 7,4% steigen, vor allem getragen von China, aber auch mit neuen Kapazitäten in den USA. Der globale Bergbauausstoß an Seltene-Erden-Oxiden soll insgesamt um 4,8% auf 397.900 Tonnen zulegen, unterstützt durch Hochläufe in Australien, den USA und Brasilien. Dennoch bleibt BMI bei einer klaren Aussage: Der NdPr-Markt werde 2026 voraussichtlich zum zweiten Jahr in Folge ein Defizit aufweisen, weil das Angebot mit dem Nachfragewachstum aus Netto-Null-Sektoren nicht Schritt halte.

Langfristig erwartet BMI ein Defizit bis 2030. Gleichzeitig sieht das Haus strukturelle Diversifizierung: Der Marktanteil der drei größten Produzenten – China, Myanmar und die USA – soll von geschätzten 90,7% im Jahr 2026 auf 74,7% bis 2035 sinken, weil neue Regionen Kapazitäten aufbauen. Als Gegenkraft nennt BMI jedoch Substitutionsbemühungen in den Endmärkten: Hersteller suchen nach Alternativen, von magnetfreien Motoren (Induktion, fremderregt synchron, geschaltete Reluktanz) bis zu anderen Magnetmaterialien wie Ferrit, AlNiCo oder „Next-Gen“-Eisennitrid.

BMI fasst das Risikoprofil entsprechend in beide Richtungen: Strengere chinesische Politik oder Verzögerungen bei neuen Projekten könnten NdPr-Oxid weiter nach oben treiben. Umgekehrt könnte eine schnellere als erwartete Verbreitung seltene-erdenfreier Technologien die Nachfrage dämpfen – auch wenn BMI diesen Fall aktuell als eher unwahrscheinlich einordnet.

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