Japan und Frankreich rücken bei der Versorgung mit Seltenen Erden enger zusammen. Beide Länder haben vereinbart, ihre Zusammenarbeit entlang der Lieferketten für die kritischen Mineralien auszubauen. Damit reagieren sie auf die anhaltend hohe Abhängigkeit von China, das im globalen Markt für Seltene Erden weiterhin die dominierende Rolle einnimmt. Im Zentrum der neuen Kooperation steht unter anderem das Raffinerieprojekt Caremag in Südfrankreich, für das beide Seiten die Versorgung mit Rohstoffen absichern wollen.
Die Einigung fiel während des dreitägigen Japan-Besuchs von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der dort Gespräche mit Premierministerin Sanae Takaichi führte. In diesem Rahmen unterzeichneten Vertreter beider Länder einen Fahrplan für die Zusammenarbeit bei den Lieferketten kritischer Mineralien. Für Japan und Frankreich ist das ein weiterer Schritt, um sich bei strategisch wichtigen Rohstoffen breiter aufzustellen und die Versorgung für industrielle Schlüsselbereiche stabiler zu organisieren.
Dabei geht es nicht nur um allgemeine politische Absichtserklärungen. Ein konkreter Schwerpunkt ist die Rohstoffversorgung für Caremag, eine Anlage zur Verarbeitung von Seltenen Erden in Südfrankreich. An dem Projekt sind die staatliche japanische Organisation Japan Organization for Metals and Energy Security, das Gasunternehmen Iwatani sowie die französische Regierung beteiligt. Der Produktionsstart von Caremag ist für Ende 2026 vorgesehen.
Seltene Erden stehen bei Caremag im Mittelpunkt
Für Japan ist das Projekt Caremag von strategischer Bedeutung, weil das Land künftig rund 20% seines Bedarfs an Dysprosium und Terbium aus dieser Raffinerie decken will. Beide Stoffe zählen zu den schweren Seltenen Erden und werden unter anderem für Magnete in Elektromotoren von Elektrofahrzeugen, in Offshore-Windkraftanlagen und in elektronischen Komponenten benötigt. Damit berührt die Kooperation zentrale Bereiche moderner Industrie- und Energietechnologie.
Die neue Zusammenarbeit zeigt, wie stark Seltene Erden inzwischen als industriepolitisches Thema behandelt werden. Für Frankreich steht die geplante Verarbeitung in Südfrankreich im Zusammenhang mit dem Ziel, Versorgungsketten innerhalb Europas und mit Partnerländern belastbarer zu machen. Für Japan ist die Vereinbarung Teil einer längeren Strategie, bei kritischen Rohstoffen weniger anfällig für geopolitische Spannungen zu sein.
In diesem Zusammenhang wollen Tokio und Paris bei ihrem Gipfeltreffen auch in einer gemeinsamen Erklärung für eine Diversifizierung der Versorgung mit Seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien werben. Die Richtung ist damit klar umrissen: Beide Staaten wollen die Beschaffung stärker auf mehrere Quellen verteilen und Lieferketten aufbauen, die nicht von einzelnen Ländern abhängen.
China bleibt der entscheidende Faktor bei Seltenen Erden
Der Hintergrund dieser Annäherung liegt in der Marktmacht Chinas. Das Land ist weltweit der wichtigste Produzent und Lieferant von Seltenen Erden. Für Japan, westliche Regierungen und viele Industrieunternehmen ist das seit Jahren ein strategisches Thema. Die aktuellen Schritte erfolgen in einer Phase, in der zahlreiche Staaten und Hersteller ihre Rohstoffversorgung gezielt neu ordnen, um die Abhängigkeit von China zu verringern.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Lage im Februar, als China Exportverbote für sogenannte Dual-Use-Güter gegenüber 20 japanischen Einrichtungen verhängte, die nach chinesischer Darstellung Japans Militär beliefern. Diese Maßnahme folgte auf Spannungen zwischen beiden Ländern, nachdem Sanae Takaichi im November mit Äußerungen zu Taiwan in Peking für Verärgerung gesorgt hatte. Die chinesischen Regeln betreffen sieben Seltene Erden und zugehörige Materialien auf der Dual-Use-Kontrollliste, darunter Dysprosium und Yttrium, sowie weitere kontrollierte kritische Mineralien.
Gerade deshalb ist die Frage der Diversifizierung für Japan von hoher Bedeutung. Das Land hat seine Abhängigkeit von China bereits in den vergangenen Jahren reduziert. Nach einem diplomatischen Zwischenfall im Jahr 2010, in dessen Folge Peking die Versorgung Tokios mit Seltenen Erden einschränkte, sank der chinesische Anteil an Japans Versorgung bereits von 90% auf 60%. Diese Entwicklung zeigt, dass Japan das Thema seit längerem strategisch bearbeitet.
Japan baut sein Netzwerk für Seltene Erden international aus
Die Zusammenarbeit mit Frankreich ist dabei nur ein Teil eines breiteren Ansatzes. Japan hat in den vergangenen Jahren seine Investitionen in Auslandsprojekte ausgeweitet. Dazu zählt die Kooperation des Handelshauses Sojitz mit Lynas Rare Earths aus Australien. Parallel fördert Japan das Recycling von Seltenen Erden und arbeitet an entsprechenden Verarbeitungs- und Herstellungsverfahren, um zusätzliche Bezugsquellen zu erschließen.
Erst in dieser Woche vereinbarte Mitsubishi Materials den Erwerb einer Beteiligung an dem US-Unternehmen ReElement, das im Recycling von Seltenerdelementen aktiv ist. Auch das steht im Zusammenhang mit den Bemühungen, Alternativen zu China aufzubauen. Darüber hinaus prüfen Japan und die USA eine gemeinsame Entwicklung von schlammreichen Lagerstätten mit hohen Gehalten an Seltenen Erden nahe der abgelegenen Insel Minamitori. Parallel führt Japan Gespräche mit Indien über eine gemeinsame Exploration von Seltenen Erden im Wüstenstaat Rajasthan.
Für Japan und Frankreich hat die jetzige Vereinbarung damit eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es um ein konkretes Industrieprojekt in Form von Caremag. Andererseits fügt sich die Kooperation in ein größeres Bild ein, in dem Rohstoffpolitik, Industrieproduktion und geopolitische Risiken immer enger miteinander verknüpft sind. Dass beide Länder zusätzlich auch im Raumfahrtbereich enger zusammenarbeiten wollen und Unternehmen beider Seiten Vereinbarungen zu zwölf gemeinsamen Projekten vorbereiten, zeigt, dass die strategische Partnerschaft über das Thema Seltene Erden hinausreicht.