Platin erlebt 2025 ein bemerkenswertes Comeback: Die weltweiten Investitionen in Barren und Münzen schnellten im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 660 % nach oben und ließen Gold und Silber hinter sich, während die Nachfrage für Wasserstoffanwendungen – von niedrigem Niveau aus – um 19 % zulegen dürfte. Der Preis markierte im Juli mit 1.450 USD je Unze ein Zehnjahreshoch.
Trevor Raymond, CEO des World Platinum Investment Council (WPIC), verweist darauf, dass Platin seine pandemiebedingte Handelsspanne verlassen und in den ersten sechs Monaten 2025 die beste Rohstoff-Performance abgeliefert hat. Ein strukturelles Marktdefizit sowie der anhaltend deutliche Abschlag zu Gold machten das Metall attraktiv – besonders in China, wo die Nachfrage nach Schmuck sowie Barren und Münzen außergewöhnlich stark wächst.
Auf der Nachfrageseite setzte der Schmucksektor die Akzente: In der ersten Jahreshälfte erreichte sie mit 1.201.000 Unzen den höchsten Stand seit 2015; im zweiten Quartal lag der Zuwachs bei 32 % auf 668.000 Unzen. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von 11 % auf 2.226.000 Unzen erwartet. Regional sticht China mit einem prognostizierten Anstieg um 42 % auf 585.000 Unzen hervor; für Japan wird ein Plus von 5 %, für Europa von 7 % und für Nordamerika von 8 % veranschlagt.

Investmentnachfrage nach Platin mit starken Impulsen auf China
Auch die Investmentnachfrage zeigte starke Impulse aus China: Der sprunghafte Zuwachs bei Barren und Münzen im zweiten Quartal hob die globale Nachfrage in diesem Segment um 55 % auf 109.000 Unzen, wobei die chinesische Nachfrage nach Barren ab 500 g um 33 % auf 47.000 Unzen zunahm. Dennoch reichten das und die ETF-Zuflüsse des Quartals nicht aus, um die Bestandsabflüsse aus Börsen – nach starken Aufbauphasen im ersten Quartal wegen Zollsorgen – zu kompensieren; per Saldo ergab sich ein Nettoabfluss der Investitionsnachfrage von 64.000 Unzen.
Für das Gesamtjahr 2025 wird dank der anhaltenden Stärke in China ein Anstieg der gesamten Investitionsnachfrage um 2 % auf 718.000 Unzen erwartet; Barren und Münzen sollen um 45 % auf 282.000 Unzen zulegen, und chinesische Barren ab 500 g voraussichtlich um 15 % auf 186.000 Unzen. Bei ETFs wird in der zweiten Jahreshälfte mit der Rückkehr zu Nettomittelzuflüssen von 100.000 Unzen gerechnet – getragen von der besseren Stimmung nach dem jüngsten Preisanstieg, robusten Fundamentaldaten und dem fortbestehenden Discount gegenüber Gold.
Platin-Nachfrage steigt auch im Zukunftsfeld Wasserstofftechnologie
Im Zukunftsfeld Wasserstoff wird die Platinnachfrage bis 2025 auf 49.000 Unzen geschätzt – mehr als 8.000 Unzen über dem Vorjahr. Trotz langsamerer Einführung füllen sich die Auftragsbücher für PEM-Elektrolyseure, und die Regulierung bleibt unterstützend: Der US-Senat verlängerte im Juli die Anspruchsfrist für die Steuergutschrift für sauberen Wasserstoff, wodurch Projektentwickler zwei zusätzliche Jahre bis zum Baubeginn erhalten; die Frist verschob sich von Anfang 2026 auf den 1. Januar 2028.
Im Automobilsektor lag die Platinnachfrage im zweiten Quartal mit 769.000 Unzen nur 2 % unter Vorjahr – trotz Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik. Für 2025 wird ein Rückgang um 3 % auf 3.033.000 Unzen erwartet, da die Produktion katalysatorbestückter Fahrzeuge im Leicht- wie Schwerlastsegment sinkt. Gleichwohl liegt die Auto-Nachfrage damit 10 % beziehungsweise 281.000 Unzen über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Industrieseitig sprang die Platinnachfrage im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 41 % auf 513.000 Unzen, soll im Gesamtjahr aber um 22 % auf 1.901.000 Unzen zurückgehen – vor allem wegen eines erwarteten Einbruchs im Glasbereich um 74 % auf 177.000 Unzen. In der Chemie wird ein Minus von 8 % auf 575.000 Unzen prognostiziert, was Zuwächse in Erdöl (+14 % auf 181.000 Unzen), Wasserstoff (+19 % auf 49.000 Unzen), Medizin (+4 % auf 320.000 Unzen) und Elektrotechnik (+2 % auf 95.000 Unzen) überlagert. Für Rohstoffinvestoren bleibt damit das Bild klar: Platin verbindet zyklische Erholung mit struktureller Knappheit – und der Bewertungsabschlag zu Gold liefert den Katalysator.